Burg Hämelschenburg
abgegangene spätmittelalterliche Burg
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Die Hämelschenburg ist eine abgegangene spätmittelalterliche Burg, die in der Nähe des Schlosses Hämelschenburg in der Gemeinde Emmerthal im niedersächsischen Landkreis Hameln-Pyrmont lag. Von der Anlage sind keine Reste erhalten.
Geschichte
Als im Jahr 1324 die Grafen von Everstein von den Bischöfen von Minden mit dem Flecken Hämelschenburg belehnt wurden, übernahmen sie auch die Burg Waldau.[1] Da diese in einiger Entfernung zu dem Flecken lag und wahrscheinlich bereits verfallen war, wurde die Errichtung einer neuen Burg notwendig, um den Flecken militärisch zu schützen. Ihre Schutzfunktion wird durch die Übernahme des Ortsnamens als Burgname deutlich. Welchen Standort die Eversteiner für die Errichtung wählten, ist nicht bekannt. Bei den von Wilhelm Mitthoff angesprochenen Wallanlagen oberhalb des Gasthauses „Im Kaiser von Fez und Marokko“[2] handelt es sich nach Erkenntnis von Thomas Küntzel nicht um Reste der Burg, sondern der mittelalterlichen Ortsbefestigung.[3] Thorsten Albrecht vermutet als Standort der Burg eher den Bereich des heutigen Wirtschaftshofs, auf dessen Gelände schon 1409 eine Kapelle nachweisbar ist. Demnach dürfte die Hämelschenburg eine Zollstation gewesen sein, an der Gelder für die Benutzung der durch den Flecken führenden Heer- und Handelsstraße erhoben wurden.[4]
Erstmals erwähnt wird die Burg Hämelschenburg im Jahr 1356, als ein Graf Otto von Everstein dem Ritter Ludolf Lappe ein Burglehen am Ort verlieh. Bis Mitte des 16. Jahrhunderts sind weitere Burglehensverleihungen bezeugt. Daher kann davon ausgegangen werden, dass sich die Eversteiner Grafen nur selten in Hämelschenburg aufhielten und deshalb die Burghut wechselnden lokalen Adelsfamilien übertrugen (neben den Rittern Lappe an die Ritter Post, Kanne von Lügde, von Werdinghausen sowie an die Grafen von Spiegelberg). Ihren Wohnsitz werden diese Familien entweder in der Burg selbst oder in eigenen Burgmannensitzen gehabt haben, deren Standort Thomas Küntzel im Bereich der ersten Fachwerkhäuser an der heutigen Schloßstraße vermutet.[3]
Als sich Anfang des 15. Jahrhunderts das Aussterben der Grafen von Everstein abzeichnete, reklamierten sowohl die benachbarten Herren von Lippe als auch die Welfen, welche als Herzöge von Braunschweig zu den mächtigsten Fürsten im niedersächsischen Raum gehörten, das Eversteiner Erbe inkl. der Hämelschenburg für sich. Aus der hierüber ausbrechenden Eversteiner Fehde gingen die Welfen 1409 als Sieger hervor und ließen die Burg wie ihre Vorgänger zunächst durch wechselnde Adelsfamilien bewachen. Erst im Jahr 1437 entschieden sie sich dazu, einen dauerhaften Burgbesitzer vor Ort einzusetzen und trafen ihre Wahl auf die Ritter Klencke, die die ihnen als treue Vasallen bekannt waren.[5]
Zerstörungen
In den Jahren zwischen 1485 und 1493 scheint den Klencke die Burg aus nicht näher bekannten Gründen entzogen worden zu sein. Gottfried Kiesow nimmt an, dass sich die Klencke in der „Großen Fehde“ (auch „Hildesheimer Bierfehde“) auf die Seite der Stadt Hildesheim gestellt hatten und hierdurch zu Gegnern der Welfen geworden waren, da diese den Hildesheimer Bischof Berthold II. unterstützten. Deshalb hätte Herzog Wilhelm II. von Braunschweig-Wolfenbüttel den Klencke die Hämelschenburg abgenommen und sie dem in den Chroniken erwähnten westfälischen Adeligen Ludwig von Sundern übertragen.[6] Dieser habe jedoch nach Beilegung der Fehde die Rückgabe verweigert und zudem ein Raubritterlager aus der Burg gemacht, weshalb der Herzog die Burg 1487 gemeinsam mit einem Aufgebot seiner Städte belagern und in Brand setzen musste. Dass sich auch die Familien Klencke und Hake an der Rückeroberung beteiligten, wie Friedrich August Gustav Adolph von Hake behauptet,[7] ist nicht bekannt.[2] Sicher ist nur, dass die Klencke die Hämelschenburg 1493 wieder in Besitz hatten und instand setzten.
Die endgültige Zerstörung der Hämelschenburg, mit der auch die Belehnung durch die Welfen sowie die örtliche Anwesenheit von Burgmannen geendet haben wird, geschah durch einen Brand im Jahr 1544, von dem auch der Ort betroffen war.[4] Dies führte scheinbar zu dem Entschluss der Familie Klencke, die Burg nicht wieder aufzubauen, sondern als Eigengut zunächst den Wirtschaftshof als vorübergehenden Wohnsitz und ab 1588 ein repräsentatives Wasserschloss zu errichten.
Literatur
- Horst-Rüdiger Marten: Die Entwicklung der Kulturlandschaft im alten Amt Aerzen des Landkreises Hameln-Pyrmont (= Göttinger geographische Abhandlungen 53), Göttingen 1969, S. 194–196.
- Günther Freiherr von Ulmenstein: Die Familie von Klencke und die Hämelschenburg. In: Hamelner Jahrbuch. Jahrgang 1969, Museumsverein Hameln, S. 13–19.
- Thorsten Albrecht: Die Hämelschenburg. Ein Beispiel adliger Schloßbaukunst des späten 16. und frühen 17. Jahrhundert im Weserraum (Materialien zur Kunst- und Kulturgeschichte in Nord- und Westdeutschland, Band 13). Jonas-Verlag, Marburg 1995, S. 22–25, 27. ISBN 3-89445-172-6.
- Thomas Küntzel: Ehemalige Burgflecken – Siedlungen im Schatten der Burg. In: Burgen und Schlösser. Zeitschrift für Burgenforschung und Denkmalpflege. Band 44, Europäisches Burgeninstitut, Braubach 2003, S. 143–156 (Online)
- Gottfried Kiesow: Schloss Hämelschenburg (DKV-Kunstführer Nr. 202). 11., veränderte Auflage, München/Berlin 2005, S. 1–4