Burkhard Kommerell (Mediziner, 1901)
deutscher Arzt für Innere Medizin und Radiologe
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Leben
Burkhard Kommerell gehörte zur Tübinger Linie der Familie Kommerell. Er war das einzige Kind des Bauingenieurs Otto Kommerell (1873–1967) und seiner Frau Martha geb. Kirn (1872–1950). Er kam in Straßburg im Reichsland Elsaß-Lothringen zur Welt, da sein Vater seit 1900 Regierungsbaumeister bei den Reichseisenbahnen in Elsaß-Lothringen war.[1] Burkhard Kommerell verbrachte seine Kindheit in Straßburg, bis die Familie 1908 nach Berlin übersiedelte.
Von 1910 bis 1920 besuchte Kommerell das Schiller-Gymnasium Berlin. Laut Familienchronik war er Freikorpskämpfer im Freikorps Lützow. Ab dem Sommersemester 1920 studierte er an der Eberhard Karls Universität Tübingen Medizin.[2] Vom Anfang des Studiums an schloss er sich der Akademischen Verbindung Igel zu Tübingen an. Vorübergehend studierte er auch an der Ludwig-Maximilians-Universität München.[2] An der Eberhard Karls Universität Tübingen legte er 1925 das Staatsexamen ab. Mit einer Doktorarbeit zur Europäischen Schlafkrankheit[3] wurde er zum Doktor der Medizin promoviert (Rigorosum am 30. Oktober 1925).[4][5][6]
Danach arbeitete Kommerell am Kaiser-Wilhelm-Institut für Arbeitsphysiologie in Berlin unter Edgar Atzler und an der Medizinischen Klinik der Universität Leipzig unter Paul Morawitz. 1931/32 verbrachte er einen Forschungsaufenthalt am Forschungslabor für Schilddrüsenstoffwechsel an der Tufts School of Medicine in Boston, USA. 1932–1934 arbeitete Kommerell in den Städtischen Krankenanstalten Dortmund unter Hans Heinrich Berg (1889–1968), der als der führende diagnostische Radiologe der damaligen Zeit galt.[4]

Kommerell heiratete am 1. Oktober 1932 in Berlin Luise Grüneisen (* 23. August 1909 in Berlin[2]; † 8. Oktober 2009 in Saarbrücken). Mit ihr hatte er 4 in Berlin geborene Kinder:
- Hadumoth (* 1934)
- Guntram (* 1935)
- Luithard (* 1937; † 2022)
- Landfried (* 1941)
Zeit des Nationalsozialismus
Am 1. April 1934 wurde Kommerell zum Leiter der radiologischen Abteilung an der 1. Medizinischen Klinik der Charité berufen (Direktor Richard Siebeck).[7] Dort fiel ihm bei einem Patienten eine Gefäßanomalie der Hauptschlagader auf, die er 1936 als erster bei einem lebenden Patienten beschrieb. Diese Anomalie wurde später nach ihm Kommerell-Divertikel benannt.[4]
Am 5. Februar 1936 habilitierte sich Kommerell mit Arbeiten über die radiologische Diagnostik der Gallenblase (CO2-haltige Gallensteine, Selbstauflösung von Steinen)[4]. 1937 erhielt Kommerell die Anerkennung als Facharzt für Innere Medizin und 1941 für Röntgenologie und Strahlenheilkunde.[8] Im Mai 1937 wurde Kommerell Dozent.[9] Am 2. September 1939 erhielt er die Bezeichnung „Dozent neuer Ordnung“.[10] Damit bescheinigte ihm der Minister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung, dass er „politisch zuverlässig“ sei. Ohne diese Bescheinigung wäre ihm seine Lehrerlaubnis entzogen worden.[11]
Im Wehrpass sind als „mitgemachte Unternehmungen“ verzeichnet:[12]
- 1. September bis 7. Oktober 1939: Feldzug gegen Polen im rückwärtigen Operationsgebiet
- 8. Oktober bis 27. November 1939: Einsatz bei der Besatzungstruppe in Polen beim 4. Feldlaz. Abtlg. 532.
Im Rahmen der Berufung von Richard Siebeck an die Ludolf-Krehl-Klinik in Heidelberg wechselte Kommerell am 1. Dezember 1941 ebenfalls an die Heidelberger Ludolf-Krehl-Klinik als Leiter der Röntgenabteilung.[13]
Am 1. Januar 1942 wurde Kommerell erneut zur Wehrmacht eingezogen und in das Reserve-Lazarett Heidelberg kommandiert.[14] In dieser Position behandelte er neben Zivilpersonen auch Soldaten.[15] Im April 1943 erhielt er aufgrund seiner wissenschaftlichen Publikationen[16] die Ernennung zum außerplanmäßigen Professor.[17]
Nach dem 2. Weltkrieg
Auf Grund seiner Aufnahme in die NSDAP am 1. Mai 1937[18] wurde Kommerell von der Landesregierung Baden Abteilung Kultus und Unterricht mit Wirkung vom 31. Oktober 1945 aus dem Dienst entlassen.[19] Da Kommerell politisch nicht aktiv war, wurde er am 17. April 1947 von der Spruchkammer Heidelberg als „entlastet“ eingestuft.[20] Zu einer Wiederaufnahme der Tätigkeit an der Universität kam es jedoch nicht, da die Berufungskammer Karlsruhe am 29. Januar 1948 den Spruch der Spruchkammer Heidelberg aufhob und Kommerell, der „nicht das eindeutige Bild eines Nazi-Gegners geboten“ habe, als Mitläufer einreihte.[21]
1948 eröffnete Kommerell in Heidelberg eine Praxis als Facharzt für innere Krankheiten,[22] gab diese jedoch 1950 wieder auf, um die Stelle des Leiters der radiologischen Abteilung der Allgemeinen Ortskrankenkasse in Stuttgart zu übernehmen. Die Stelle bei der AOK Stuttgart hatte er bis 1963 inne, als er in die Rente entlassen wurde. Bis zu seinem Tod im Jahr 1990 lebte er weiterhin in Stuttgart.
Künstlerische Publikationen
Unter dem Pseudonym „Drusus Lleremmok“ verfasste und veröffentlichte Kommerell im Eigenverlag Gedichte wie z. B. Kleines Liebesbrevier und Propfzieher.[23][24] Außerdem widmete er sich intensiv dem Klavierspiel und der Komposition (Kammerstücke für Bratsche und Klavier).[4][25][26]
Veröffentlichungen
Burkhard F. Kommerell war an rund 50 medizinischen Fachpublikationen beteiligt. Nachfolgend werden nur einige (wichtigste) genannt.
- Über den Arbeitsstoffwechsel bei der Fettsucht. Zeitschrift für Klinische Medizin, 118, Heft 3 und 4, 1931
- Verlagerung des Ösophagus durch eine abnorm verlaufende Arteria subclavia dextra (Arteria lusoria). In: „Fortschritte auf dem Gebiet der Röntgenstrahlen und Nuklearmedizin“ 54 (1936), S. 590–595.
- Kommerell B., Wolpers C.: Die Spontanauflösung menschlicher Gallensteine in der Gallenblase. Klinische Wochenschrift 17, 392–393, 1942
- Das Problem der Gallensteinentstehung vom Standpunkt der Röntgenologie. In: „Klinische Wochenschrift“ 21 (1942), S. 963–969 (doi:10.1007/BF01783911).
Literatur
- Jacques A. M. van Son; Igor E. Konstantinov: Burckhard F. Kommerell and Kommerell's Diverticulum. In: „Texas Heart Institute Journal“ 29, 2, 2002, S. 109–112.
- Otto Kommerell: Familienchronik Kommerell. Stammtafel mit 79 Bildern und 15 Tafeln aufgestellt in der Zeit von 1915–1942, Frankfurt a. M. : Kramer 1943.
