Butrus al-Bustani
libanesischer Schriftsteller, Dozent, Herausgeber und Philologe
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Butrus al-Bustani (arabisch بطرس البستاني, DMG Buṭrus al-Bustānī; * Januar 1819 in dem Dorf Dibbiyeh bei Beirut; † 1. Mai 1883 in Beirut) war ein libanesischer Schriftsteller, Dozent, Herausgeber und Philologe arabischer Sprache und ein bedeutender Vertreter der Nahda.

Leben
Butrus al-Bustani entstammte einer maronitischen[2][1] Familie im Dorf ad-Dibbiya bei al-Charrub im Emirat Libanonberg. Er besuchte zunächst eine christliche Schule in ʿAin Warqa, wo er Theologie, Logik und Philosophie und einige klassische und zeitgenössische Sprachen lernte. Etwa 1840 ging er nach Beirut und ließ sich im von protestantischen Missionaren geprägten Stadtteil Zokak al-Blat nieder. Etwa um diese Zeit oder in den Folgejahren trat er zum Presbyterianismus seiner amerikanischen Lehrer über. Al-Bustani kam im Haus des US-amerikanischen Missionars Eli Smith unter, mit dem er bis zu dessen Tod 1857 eine gute Freundschaft pflege. Bei ihm lernte er das Handwerk des Setzens und Buchdrucks.[3]
Zwischen 1846 und 1848 unterrichtete er zusammen mit Cornelius van Dyck an einer neu gegründeten protestantischen Schule im Chouf-Gebirge. 1848 wurde er zurück nach Beirut gerufen, um zusammen mit Eli Smith eine arabische Bibelübersetzung zu erstellen,[4] die allerdings erst 1868 von Cornelius van Dyck und Jussuf al-Asir veröffentlicht wurde.[5] Nach den bürgerkriegsähnlichen Zuständen im Libanongebirge, die in einem Massaker an Christen in Damaskus im Sommer 1860 kulminierten, setzte er sich für die Unterstützung der Tausenden aus dem Libanongebirge und Damaskus nach Beirut geflüchteten Menschen ein. Als Antwort auf die Ereignisse veröffentlichte al-Bustani zwischen September 1860 und April 1861 veröffentlichte anonym elf Pamphlete, die zusammen unter dem Titel Nafir al-Suriya (arabisch für „das Horn von Syrien“) bekannt geworden sind.[6]

In den elf Ausgaben von Nafir al-Suriya formulierte er die erste Idee für die drei Projekte, für die er bis heute am besten bekannt ist[7]: Er gründete 1863 eine höhere Knabenschule, al-Madrasa al-Wataniya[8][9] (Nationale Schule) in Beirut, und gab ab 1870 drei Zeitschriften heraus, die aufgrund ihrer Namen als „hortikulturelles Trio“ bezeichnet worden sind: al-Dschinan (die Gärten), al-Dschanna (das Paradies) und al-Dschunaina (der kleine Garten). Zudem ist Butrus al-Bustani bekannt für die Herausgabe der ersten neuzeitlichen arabischsprachigen Enzyklopädie (Daʾirat al-Maʿarif, Kompass des Wissens) sowie als Autor eines arabischen Wörterbuches (Muhit al-Muhit).[10] Die Enzyklopädie, die ab 1876 erschien und später von seiner Familie weitergeführt wurde, erreichte einen Umfang von elf Bänden zu je ca. 800 Seiten. Das Werk blieb unvollständig, da es nur bis zum Buchstaben ʿAin, also etwa zu zwei Dritteln des arabischen Alphabets, fortgeführt wurde.[11] Al-Bustani war Autor vieler literarischer Werke.
Obwohl al-Bustani von westlichen Gelehrten ausgebildet worden war und die westliche Technologie schätzte, war er ein arabischer Nationalist. Sein Neffe war der osmanische Politiker und Historiker Süleyman el-Büstani.
Schriften
- Muhit al-Muhit
Literatur
- Georg Graf: Geschichte der christlichen arabischen Literatur. Vierter Band: Die Schriftsteller von der Mitte des 15. bis zum Ende des 19. Jahrhunderts. In: Studi e Testi, 147. Biblioteca Apostolica Vaticana MCMLI, Città del Vaticano 1996.
- Jens Hanssen, Hicham Safieddine: Butrus al-Bustani: From Protestant Convert to Ottoman Patriot and Arab Reformer. In: Jans Henssen, Hicham Safieddine (Hrsg.): The Clarion of Syria. A Patriot's Call against the Civil War of 1860. University of California Press, Oakland, California 2019, ISBN 978-0-520-97115-8.