CAP-2050

Agraisches Forschungs- und Demonstrationsprojekt in Frankreich From Wikipedia, the free encyclopedia

CAP-2050 (Kurzform für Changement agronomique et pédoclimatique à l’horizon 2050) ist ein französisches Forschungs- und Demonstrationsprojekt zur Anpassung des burgundischen Weinbaus an den Klimawandel. Es soll zwischen 2026 und 2029 in mehreren Weinregionen der Bourgogne umgesetzt werden und wird von staatlichen und regionalen Partnern getragen. Die Bezeichnung lässt eine doppelte Deutung zu, da das französische Wort „cap“ neben Landspitze (Kap) auch als Richtung oder Kurs verstanden wird. Dieser Doppelsinn widerspiegelt sich auch in der Vorgehensweise während des Projekts: Neben CAP als Abkürzung für die angestrebten „agrarischen und boden-(pedo-)klimatischen Veränderungen“ steht das Wort „cap“ auch für einen langfristigen Kurs bis 2050.[1]

CAP-2050 gilt als Modellvorhaben für den französischen Weinbau und soll wissenschaftliche Grundlagen schaffen, die auch in anderen Regionen Anwendung finden können. Es steht im Kontext der nationalen Bemühungen um eine Dekarbonisierung der Landwirtschaft bis 2050 und wird von der französischen Weinbaupolitik als Pilotprojekt zur klimatischen Resilienz bezeichnet.[2]

Veränderungen im Weinbau

Die steigenden Durchschnittstemperaturen und zunehmenden Extremwetterereignisse in der Bourgogne bedrohen den Anbau traditioneller Rebsorten wie Chardonnay und Pinot Noir. Das Projekt CAP-2050 zielt darauf ab, Strategien zur Anpassung des Weinbaus an agronomische und bodenklimatische Veränderungen zu entwickeln und zu testen.[1]

Das Projekt verfolgt fünf strategische Schwerpunkte, die sowohl wissenschaftliche als auch praxisorientierte Ansätze umfassen:[3][4]

Weitere Informationen Schwerpunkte, Beschreibung ...
Inhalte von CAP-2050
SchwerpunkteBeschreibung
Diversifizierung des PflanzenmaterialsEiner der wichtigsten Ansatzpunkte des Projekts ist die Erweiterung der genetischen Basis des Rebenbestandes. Neben den in der Bourgogne dominierenden Sorten Chardonnay und Pinot Noir werden auch weniger verbreitete, aber historisch belegte Rebsorten wie Melon de Bourgogne, Petit Meslier und Heunisch (Gouais) wieder in Versuchsanlagen kultiviert. Zusätzlich sollen neu gezüchtete, krankheitsresistente Sorten wie die sogenannten „RESDUR“-Kreuzungen erprobt werden. Ziel ist es, eine größere ökologische Stabilität zu erreichen und das Risiko von Ertragsausfällen bei zunehmender Hitze und Trockenheit zu verringern.
Schutz vor klimatischen RisikenCAP-2050 befasst sich mit einer Reihe von Maßnahmen, die den direkten Einfluss des Klimawandels auf den Weinbau abmildern sollen. Dazu gehören der Einsatz von Schattennetzen und temporären Überdachungen gegen Hitzeschäden, die Verbesserung der Luftzirkulation in den Weinbergen, sowie Frost- und Hagelschutzsysteme. Diese Strategien werden in Pilotparzellen verschiedener Lagen getestet, um ihre Wirksamkeit im praktischen Weinbau zu evaluieren. Darüber hinaus werden die Auswirkungen auf den Boden, die Rebenphysiologie und die Traubenqualität wissenschaftlich dokumentiert.
Reduktion der CO2-BilanzEin weiterer Schwerpunkt liegt auf der Verringerung der Treibhausgasemissionen entlang der gesamten Produktionskette. Untersucht werden alternative Bodenbearbeitungsmethoden, der Einsatz von Begrünung und Agroforstsystemen, sowie eine effizientere Nutzung von Maschinen und Energiequellen. Auch in der Kellerwirtschaft werden Möglichkeiten zur Einsparung von Energie und Wasser analysiert. Durch diese Maßnahmen soll der ökologische Fußabdruck des burgundischen Weinbaus deutlich reduziert werden, ohne die ökonomische Tragfähigkeit der Betriebe zu gefährden.
Erhalt der Qualität und Terroir-TypizitätDas Projekt verfolgt ausdrücklich das Ziel, trotz der Anpassungsmaßnahmen die sensorische Identität und Herkunftstypizität der burgundischen Weine zu bewahren. Dazu werden mikroklimatische Effekte, Lesezeitpunkte und Vinifikationsmethoden wissenschaftlich begleitet. Die Anpassung an veränderte Bedingungen soll so gestaltet werden, dass die charakteristische Struktur und Aromatik der Weine erhalten bleibt. CAP-2050 versteht sich damit auch als Beitrag zur langfristigen Sicherung des kulturellen und wirtschaftlichen Erbes der Region.
Partizipation und WeiterbildungEin zentrales Element von CAP-2050 ist die Einbindung der gesamten Wertschöpfungskette – von Winzerbetrieben über Ausbildungszentren bis hin zu Forschungsinstituten. Durch Demonstrationsweinberge („parcelles de démonstration“) und praxisorientierte Schulungen werden die gewonnenen Erkenntnisse in die Berufsausbildung und Beratung integriert. Damit soll ein nachhaltiger Wissenstransfer gewährleistet werden, der über die Projektlaufzeit hinaus Wirkung entfaltet und die Anpassungsfähigkeit der Weinbaubetriebe langfristig stärkt.
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Organisation

Träger des Projekts ist das Forschungs- und Beratungsunternehmen Vitilience in Zusammenarbeit mit Bureau interprofessionnel des vins de Bourgogne (BIVB), Vinipôle Sud Bourgogne, Bio Bourgogne-Franche-Comté und dem Institut national de l’origine et de la qualité (INAO). Das Projekt wird teilweise aus öffentlichen Mitteln finanziert. Beteiligt sind auch das Comité Bourgogne mit seinem UNESCO-Lehrstuhl „Cultures et traditions vitivinicoles“ der Université Bourgogne Europe und das Büro PArHis (Patrimoine-Archive-Histoire). Man erhofft sich zu veranschaulichen, wie Weinhäuser und Weingüter in der Geschichte ihre Unternehmen umstrukturiert und sich so an frühere Krisen und Brüche angepasst haben. Nach ihrem Abschluss wird die Studie in Form einer Wanderausstellung in interessierten Weinbaugemeinden gezeigt.[5]

Das Projekt startet Januar 2026 für zunächst drei Jahre. Die Modellregionen umfassen die wichtigsten Weinbaugebiete der Bourgogne, darunter Mâconnais, Côte Chalonnaise, Côte de Beaune, Côte de Nuits, Hautes Côtes, Chablis und Grand Auxerrois.[3]

Einzelnachweise

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