Mismatch-Reparatur-Defizienz-Syndrom

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Das Mismatch-Reparatur-Defizienz-Syndrom (MMRCS; CMMRD) ist eine seltene angeborene Erkrankung mit stark erhöhtem Risiko einer Krebserkrankung bereits im Kindesalter. Hauptsächlich treten Hirntumore, Malignome der Blutbildung und des Verdauungstraktes auf wie Hereditäres non-polypöses kolorektales Karzinom.[1][2]

Schnelle Fakten Klassifikation nach ICD-10 ...
Klassifikation nach ICD-10
D80.8 Sonstige Immundefekte mit vorherrschendem Antikörpermangel
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ICD-10 online (WHO-Version 2019)
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Synonyme sind: CMMRD-Syndrom; CMMR-D-Syndrom, beide Akronym für englisch Constitutional mismatch repair deficiency syndrome; MMRCS, Akronym für englisch Mismatch Repair Cancer Syndrome; Turcot-Syndrom

Die Bezeichnung Turcot-Syndrom als Synonym[3][4] ist irreführend, da das Turcot-Syndrom lediglich die Kombination von primärem Hirntumor und Kolorektalem Karzinom beschreibt.[2] Die medizinische Datenbank Orphanet verweist stattdessen auf das klassische Lynch-Syndrom (Hereditäres non-polypöses kolorektales Karzinom).[5][6]

Die Bezeichnung wurde im Jahre 2008 von den österreichischen Humangenetikerinnen Katharina Wimmer und Julia Etzel vorgeschlagen.[7]

Tumoren mit Mismatch-Repair-Defizienz

Neben der angeborenen, erblichen Form kommen MMR-Funktionsverluste in menschlichen Tumoren vor. Bei Rektum-Karzinomen wird das Vorliegen eines MMR-Funktionsverlustes regelmäßig geprüft. Tumoren mit MMR-Funktionsverlust werden als MMRd gekennzeichnet. Der Funktionsverlust kann auf einer erworbenen Hypermetylierung des hMLH1-Promoter im Tumorgewebe beruhen. Die MMR-Gene selbst sind in diesem Fall intakt.[8] MMRd-Rektumkarzinome sprechen gut auf eine immunmodulierende Therapie an.[9] Es gibt Hinweise, dass dieser Zusammenhang auch für Dickdarmtumoren, Blasenkarzinome (Urothelkarzinome), Magenkarzinome und andere gilt.[10]

Verbreitung

Die Häufigkeit wird mit unter 1 zu 1.000.000 angegeben, bislang wurde über etwa 250 Betroffene berichtet. Die Vererbung erfolgt autosomal-rezessiv.[1][2]

Ursache

Die Ursache liegt in einer genetischen Störung der DNA-Mismatch-Reparaturproteine mit biallelen Mutationen.[11]

Je nach zugrunde liegender Mutation können folgende Typen unterschieden werden:

Klinische Erscheinungen

Klinische Kriterien sind:[1][2]

Seltener finden sich auch embryonale Tumoren.

Diagnose

Die Diagnose ergibt sich aus der Kombination klinischer Befunde und kann durch humangenetische oder immunhistochemische Untersuchung gesichert werden. Das EU-Konsortium Care for CMMRD (C4CMMRD) hat im Jahre 2014 ein Punktesystem zur Erfassung dieses Krankheitsbildes vorgeschlagen.[16]

Differentialdiagnostik

Abzugrenzen ist in erster Linie die Neurofibromatose Typ 1.[2]

Therapie

Eine ursächliche Behandlung ist nicht bekannt, Immuntherapie, auch Dostarlimab scheinen mögliche erfolgversprechende Therapieoptionen zu sein. Ansonsten muss der jeweilige Tumor behandelt werden, siehe jeweils dort.[2][17]

Literatur

  • J. Rüschoff, H. U. Schildhaus, J. H. Rüschoff, K. Jöhrens, T. Bocker-Edmonston, W. Dietmaier, H. Bläker, G. Baretton, D. Horst, M. Dietel, A. Hartmann, F. Klauschen, S. Merkelbach-Bruse, A. Stenzinger, S. Schöniger, M. Tiemann, W. Weichert, R. Büttner: Testung auf Mismatch-Reparatur-Defizienz und Mikrosatelliteninstabilität. Eine fokussierte Aktualisierung. In: Pathologie. Band 44, Nummer 5, September 2023, S. 301–310, doi:10.1007/s00292-023-01209-1, PMID 37548948, PMC 1045723 (freier Volltext) (Review).
  • J. Rüschoff, H. U. Schildhaus, J. H. Rüschoff, K. Jöhrens, T. Bocker-Edmonston, W. Dietmaier, H. Bläker, G. Baretton, D. Horst, M. Dietel, A. Hartmann, F. Klauschen, S. Merkelbach-Bruse, A. Stenzinger, S. Schöniger, M. Tiemann, W. Weichert, R. Büttner: [Testing deficient mismatch repair and microsatellite instability : A focused update. German version]. In: Pathologie. Band 44, Nummer 5, September 2023, S. 301–310, doi:10.1007/s00292-023-01209-1, PMID 37548948, PMC 1045723 (freier Volltext) (Review).
  • Manon Suerink, Katharina Wimmer, Laurence Brugières, Chrystelle Colas, Richard Gallon, Tim Ripperger, Patrick R. Benusiglio, Eveline M. A. Bleiker, Zeinab Ghorbanoghli, Yael Goldberg, James C.H. Hardwick, Matthias Kloor, Marine Le Mentec, Martine Muleris, Marta Pineda, Clara Ruiz–Ponte, Hans F. A. Vasen: Report of the fifth meeting of the European Consortium 'Care for CMMRD' (C4CMMRD), Leiden, The Netherlands, July 6th 2019. In: Familial Cancer. 2020, Band 20, Nummer 1, S. 67–73 doi:10.1007/s10689-020-00194-1.

Einzelnachweise

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