Cadouin
ehemalige französische Gemeinde
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Cadouin (Aussprache [kaˈdwɛ̃], okzitanisch Cadonh) ist ein Ort und ehemalige französische Gemeinde mit 310 Einwohnern (Stand: 1. Januar 2023) im Département Dordogne in der Region Nouvelle-Aquitaine. Sie gehörte zum Arrondissement Bergerac.
| Cadouin | ||
|---|---|---|
| Staat | Frankreich | |
| Region | Nouvelle-Aquitaine | |
| Département | Dordogne | |
| Arrondissement | Bergerac | |
| Gemeinde | Le Buisson-de-Cadouin | |
| Koordinaten | 44° 49′ N, 0° 52′ O | |
| Postleitzahl | 24480 | |
| Ehemaliger INSEE-Code | 24072 | |
| Eingemeindung | 1. Januar 1974 | |
| Status | Commune associée | |
Bürgermeisteramt (Mairie) | ||
Geografie
Cadouin liegt etwa 41 Kilometer südöstlich von Périgueux, etwa 25 Kilometer westsüdwestlich von Sarlat-la-Canéda und etwa 33 Kilometer östlich von Bergerac in der Région naturelle des Périgord noir, im gleichnamigen touristisch benannten Landesteil. Das Ortsgebiet liegt im Einzugsgebiet der Dordogne und von den Flüsschen Bélingou und Salvetat, vom Ruisseau de Fonfourcade sowie von verschiedenen kleineren Fließgewässern entwässert.
Das Relief des Ortsgebiets weist eine bewaldete Hügellandschaft auf, die durch diverse Flusstäler markant eingeschnitten wird. Der topografisch höchste Punkt des Orts befindet sich mit 248 m Höhe östlich des Ortszentrums, der tiefste mit 114 m Höhe im äußersten Nordwesten beim Austritt des Bélingou aus dem Ortsgebiet. Das Zentrum liegt auf etwa 133 m Höhe. Der Süden des Ortsgebiets hat einen Anteil am Domänenforst Forêt de la Bessède.
Etymologie und Geschichte
Im Jahr 1115 gründete Géraud de Salles die Abtei Notre-Dame de la Nativité von Cadouin, die sich bald dem Zisterzienserorden anschloss. Die Abtei erlebte im Mittelalter eine Blütezeit, dank ihrer Reliquie, dem Grabtuch Christi, ein sehr seltenes, besticktes Seidentuch aus dem späten 11. Jahrhundert, das vom Ersten Kreuzzug mitgebracht wurde.[1]
In den frühen Jahren der Französischen Revolution fusionierten die kurzlebigen Gemeinden Sales de Cadouin und La Salvetat mit Cadouin.[2]
Während des Zweiten Weltkriegs suchte Maurice Chevalier Zuflucht bei der Künstlerfamilie Delemarre in Cadouin. Sie verbrachten mehrere Wochen in deren Haus, aus Angst, von den Deutschen oder der Résistance entdeckt zu werden. Von Maquis-Kämpfern im September 1944 nach Périgueux gebracht, wurde Maurice Chevalier von André Urbanovitch, genannt „Doublemètre“, wegen angeblicher Kollaboration in dessen Büro verhört. Für die Résistance bedeuteten seine Gesangsauftritte bei Radio Paris und seine Konzerte vor einem Publikum aus Besatzern und Vertretern des Vichy-Regimes, dass er als Kollaborateur galt. Am nächsten Morgen half ein befreundeter Maquisard Maurice Chevalier zur Flucht nach Toulouse.[3]
1974 wurde Cadouin zusammen mit den bisherigen Gemeinden Paleyrac und Urval als Communes associées von Le Buisson-Cussac zur Gemeinde Le Buisson-de-Cadouin zusammengefasst. Die Gemeinde Urval wurde 1989 wiederhergestellt.[2]
Der Name des Waldes von Cadouin erschien 1115 in der Form Sylva de Cadunium in den Schriften, der Name der Abtei zu Beginn des 13. Jahrhunderts in der Schreibweise Cadunio (1215), etwas später im 13. Jahrhundert als Cadonh. Eine weitere, latinisierte Form, Cadoynum ist im 15. Jahrhundert belegt und Cadoing im 18. Jahrhundert.
Für Émile Colas stammt Cadouin aus dem lateinischen catinus (deutsch Schüssel, hier: Erdsenke), aus dem sich aber das italienische catino (deutsch Becken, Napf) bildete und nicht die früheren Formen des Ortsnamens erklären kann. Cadouin kommt von einem Namen einer gallorömischen Person Catonius, abgeleitet vom römischen Vornamen Cato.
Der Name Salvetat kommt aus dem okzitanischen salvetat (deutsch Asylort), organisiert von einer kirchlichen Autorität. Salvetat ist abgeleitet von salve (deutsch unversehrt), das wiederum aus dem lateinischen salvus mit derselben Bedeutung stammt.[1]
Bevölkerungsentwicklung
| Cadouin: Einwohnerzahlen von 1793 bis 2020 | ||||
|---|---|---|---|---|
| Jahr | Einwohner | |||
| 1793 | 650 | |||
| 1800 | 603 | |||
| 1806 | 590 | |||
| 1821 | 624 | |||
| 1831 | 695 | |||
| 1836 | 742 | |||
| 1841 | 703 | |||
| 1846 | 705 | |||
| 1851 | 695 | |||
| 1856 | 700 | |||
| 1861 | 637 | |||
| 1866 | 692 | |||
| 1872 | 691 | |||
| 1876 | 694 | |||
| 1881 | 716 | |||
| 1886 | 652 | |||
| 1891 | 605 | |||
| 1896 | 598 | |||
| 1901 | 526 | |||
| 1906 | 523 | |||
| 1911 | 512 | |||
| 1921 | 468 | |||
| 1926 | 458 | |||
| 1931 | 420 | |||
| 1936 | 453 | |||
| 1946 | 466 | |||
| 1954 | 432 | |||
| 1962 | 352 | |||
| 1968 | 348 | |||
| 1975 | ? | |||
| 1982 | ? | |||
| 1990 | ? | |||
| 1999 | ? | |||
| 2006 | 358 | |||
| 2013 | 317 | |||
| 2020 | 312 | |||
| Quelle(n): EHESS/Cassini bis 1999,[2] INSEE ab 2006[4][5][6] Anmerkung(en): Ab 1962 offizielle Zahlen ohne Einwohner mit Zweitwohnsitz | ||||

Sehenswürdigkeiten
Die Abtei Cadouin wurde Anfang des 12. Jahrhunderts gegründet und ist ein Teil des UNESCO-Welterbes „Wege der Jakobspilger in Frankreich“. Sie ist in Teilen seit 1849 als Monument historique klassifiziert, in restlichen Teilen ab 1927 eingeschrieben.
- Abtei Cadouin
- Grundriss
- Abteikirche Notre-Dame-de-la-Nativité
- Portal der Abteikirche
- Bleiglasfenster in der Abteikirche
- Kreuzgang
- Die gedeckte Markthalle von Cadouin stammt aus dem 15. Jahrhundert und ist seit 1976 als Monument historique klassifiziert.
- Die Kirche Saint-Barthélémy de Salles soll ursprünglich die Einsiedelei von Géraud de Salles, dem Gründer und ersten Abt von Cadouin, gewesen sein. Ende des 11. oder Anfang des 12. Jahrhunderts wurde anstelle dieser Einsiedelei eine kleine Kirche errichtet. Wahrscheinlich brannte sie im Hundertjährigen Krieges nieder. Das Kirchenschiff wurde im 14. Jahrhundert wiederaufgebaut und die Apsis erhöht. Beides wurde befestigt. Die Kirche ist seit 1974 als Monument historique eingeschrieben.
- Markthalle von Cadouin
- Kirche Saint-Barthélémy de Salles
Literatur
- Chantal Tanet, Tristan Hordé: Dictionnaire des noms de lieux du Périgord. Editions Fanlac, Périgueux 2000, ISBN 2-86577-215-2 (französisch).
