Calestous Juma
kenianischer Wissenschafts- und Innovationsforscher
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Calestous Juma (* 9. Juni 1953 in Busia; † 15. Dezember 2017 in Cambridge, Massachusetts)[1] war ein kenianischer Wissenschafts- und Innovationsforscher, der als Professor an der Harvard Kennedy School die Rolle von Wissenschaft, Technologie und Innovation für nachhaltige Entwicklung untersuchte.[2] Er gründete in Nairobi das African Centre for Technology Studies und leitete an der Harvard Kennedy School das Science, Technology, and Globalization Project.[2][3] Zu seinen bekanntesten Büchern zählen The New Harvest: Agricultural Innovation in Africa (2011) und Innovation and Its Enemies: Why People Resist New Technologies (2016).[4][5]
Leben und Wirken
Juma wurde 1953 in Busia (Westkenia) geboren und wuchs im nahe gelegenen Fischerdorf Port Victoria in ärmlichen Verhältnissen auf. Sein Vater war Zimmermann, seine Mutter Marktverkäuferin. Von seinen 13 Geschwistern starben viele an Malaria.[1]
Juma absolvierte eine Lehrerausbildung am Egoji Teachers’ Training College in Zentralkenia, die er 1974 abschloss. Danach unterrichtete er Naturwissenschaften in Mombasa. Ab 1978 war er als Wissenschafts- und Umweltjournalist für The Daily Nation, eine Tageszeitung mit Sitz in Nairobi, tätig. Die Umweltaktivistin Wangari Maathai stellte ihn bei einer Nonprofit-Organisation in Nairobi ein und ermunterte ihn zu einer akademischen Laufbahn. Mit Hilfe eines Stipendiums konnte Juma seine Studien fortsetzen und wurde 1987 an der University of Sussex im Bereich Wissenschafts- und Technologiepolitik promoviert.[1] In seiner Dissertation behandelte er das Thema „Evolutionary Technological Change: the Case of Fuel Ethanol in Developing Countries“.[6] Während einer Konferenz in Montreal lernte er Alison Field kennen, die sich ebenfalls im Nachhaltigkeits- und Umweltbereich engagierte. Sie heirateten 1987 und zogen nach Kenia.[1]
In Nairobi baute Juma das African Centre for Technology Studies auf, das 1988 seine Arbeit aufnahm. Es trug zur Ausarbeitung des ersten kenianischen Gesetzes zum gewerblichen Eigentum und letztlich zur Gründung des nationalen Patentamts bei.[2] 1989 veröffentlichte er das Buch The Gene Hunters, in dem er sowohl auf die Gefahren der Biotechnologie als auch ihr Potenzial zur Bekämpfung der Nahrungsmittelknappheit in Entwicklungsländern einging. 1995 zog Juma vorübergehend nach Kanada, wo er als Geschäftsführer der UN Convention on Biological Diversity amtierte.[2] Ab 1999 gehörte er der Harvard Kennedy School an, wo er als Professor of the Practice of International Development wirkte.[7] 2005 wurde Juma zum Mitglied der National Academy of Sciences gewählt.
Juma wurde durch seine Beratungsarbeit zu Wissenschafts-, Technologie- und Innovationspolitik bekannt. An der Harvard Kennedy School rief er das Science, Technology, and Globalization Project und Programme zu landwirtschaftlicher und gesundheitlicher Innovation in Afrika ins Leben.[3] Als einer der Vorsitzenden eines hochrangigen Gremiums der Afrikanischen Union trug er maßgeblich zur Science, Technology and Innovation Strategy for Africa 2024 (STISA-2024) bei.[8] Er sah universitäre und agrartechnologische Innovationssysteme als Motor der afrikanischen Entwicklung an.[4] Innovation and Its Enemies analysierte die gesellschaftlichen Gründe für Widerstände gegen neue Technologien.[5] Er war für seinen öffentlichen Einsatz und seinen Optimismus für technologischen Fortschritt bekannt.[9]
Calestous Juma starb Ende 2017 im Alter von 64 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung in seinem Zuhause in Cambridge, Massachusetts.[1] Er hinterließ seine Ehefrau Alison und einen Sohn.[7]