Carioca (Ethnonym)

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Carioca, Plural Cariocas, ist hauptsächlich eine Volksbezeichnung für die Bewohner der Stadt Rio de Janeiro, im Weiteren auch für die Bewohner des Bundesstaats Rio de Janeiro. Der im Portugiesischen Brasiliens als Substantiv und Adjektiv verwendete Begriff kann darüber hinaus neben dem eher bildungssprachlichen Synonym Fluminense alles bezeichnen, was mit Rio de Janeiro in identitärer Verbindung steht, insbesondere auch den in der Region vorherrschenden Soziolekt.

Etymologie

Heute hat sich die These durchgesetzt, dass das Wort von einem Dorf der Tupinambá namens kariîó oka („Haus der Carijós“) abzuleiten ist. Die Tupinambá und die Carijós waren Stämme der Tupí-Guaraní-Ethnien Brasiliens. Als wahrscheinlich gilt, dass von den vermutlich ehemals dort siedelnden Carijós das Ethnonym als Gewässerbezeichnung auf den in der Nähe fließenden Río Carioca überging. Obwohl großenteils überbaut, fließt das Gewässer noch heute durch die Stadtteile Gloria, Catete und Flamengo.

Gestützt wird die These über die Begriffsherkunft durch einen Bericht des französischen Humanisten und Forschungsreisenden Jean de Léry, der im Rahmen seiner Erkundung der Gegend (1557/1558) die Existenz eines Dorfes namens Karióka überlieferte.[1] Auch der spanische Missionar und Sprachforscher José de Anchieta zitierte ein Tupinambá-Dorf mit dem Namen Carijo oca.[2][3]

Die von dem brasilianischen Historiker Francisco Adolfo de Varnhagen in den 1850er Jahren in Umlauf gebrachte und bis heute weit verbreitete Erklärung, der Begriff Carioca sei ausgehend von den Worten kara’iwa („Weißer“) und oka („Haus“) der Tupi-Sprache als „Haus des Weißen“ zu übersetzen und würde sich auf das ehemalige Steinhaus des portugiesischen Entdeckers Gonçalo Coelho beziehen,[4] gilt aus sprachwissenschaftlicher Sicht als unzutreffend.[5]

Geschichte

A Carioca, Personifikation Rio de Janeiros als Wassernymphe Carioca, 1882 gemalt von Pedro Américo, Museu Nacional de Belas Artes

Da der Río Carioca in der Kolonialzeit Rio de Janeiros die wichtigste Trinkwasserressource der Stadt war, wurden mit der Zeit auch die Bewohner als Cariocas bezeichnet. Befördert wurde dieser Umstand durch Legenden über magische Kräfte des Wassers, etwa über die Macht, Neuankömmlinge zu verzaubern und sie dazu zu bringen, sich in der Stadt niederzulassen.[6]

1783 führte der brasilianische Vizekönig Luís de Vasconcelos e Sousa als bildungssprachliche Bezeichnung für die Bewohner der Stadt Rio de Janeiro den alternativen Begriff Fluminense ein, abgeleitet von dem lateinischen Wort flumen („Fluss“) für Rio de Janeiro. Als Selbstbezeichnung diente dieser Begriff insbesondere den Angehörigen des Hofes im Kaiserreich Brasilien zur Distinktion.

Ab 1929 trat der in Rio de Janeiro geborene Sänger und Komponist Mário Reis (1907–1981) unter dem Künstlernamen Zé Carioca auf. Der ab 1942 entstandene Walt-Disney-Zeichentrickfilm Drei Caballeros im Sambafieber (ab 1944 auch der Nachfolgefilm Drei Caballeros) machte als Personifikation eines Flaneurs oder Malandros aus Rio de Janeiro zu dem Musikstück Tico-Tico no Fubá die sambatanzende Figur des Papageien José „Zé“ Carioca populär. Offenbar wurde die im Kontext der Good Neighbor Policy als brasilianischer Freund Donald Ducks geschaffene Comic-Figur durch den Sänger José do Patrocínio Oliveira (1904–1987) inspiriert, der ebenfalls unter dem Künstlernamen Zé Carioca bekannt war und der der Figur des Papageien auch die Synchronstimme gab.

In den 1960er Jahren führte der auf dem Gebiet Rio des Janeiros als ehemaligem Hauptstadt- und Bundesdistrikt gegründete Bundesstaat Guanabara, den Begriff Cariocas als offizielle Bezeichnung für seine Einwohner ein. Als 1975 der alte Bundesstaat Rio de Janeiro und der Bundesstaat Guanabara zum neuen Bundesstaat Rio de Janeiro verschmolzen wurden, verfolgte man zunächst die Absicht, allein die Bewohner der Stadt Rio de Janeiros offiziell als „Cariocas“ zu kennzeichnen und von den „Fluminense“ als Oberbegriff für alle Bewohner des Bundesstaats Rio de Janeiro zu unterscheiden. Dieser offizielle Ansatz setzte sich jedoch im Sprachgebrauch der Einwohner der Stadt und des Bundesstaats Rio de Janeiro allgemein nicht durch. Seit den 2000er Jahren propagiert ein Movimento Somos Todos Cariocas (portugiesisch für Wir-sind-alle-Cariocas-Bewegung) die Anerkennung von Cariocas als kooffizielle Einwohnerbezeichnung für den gesamten Bundesstaat Rio de Janeiro.[7]

  • carioca, Eintrag im Portal michaelis.uol.com.br (Dicionário Brasileiro da Língua Portuguesa)

Einzelnachweise

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