Carl-von-Ossietzky-Schule (Wiesbaden)

gymnasiale Oberstufe in Wiesbaden From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Carl-von-Ossietzky-Schule (CvO) ist eine gymnasiale Oberstufe in Wiesbaden, deren Namensgeber der Schriftsteller Carl von Ossietzky ist.

Gründung1978
AdresseCarl-von-Ossietzky-Straße 2a
65197 Wiesbaden
Schnelle Fakten Schulform, Gründung ...
Carl-von-Ossietzky-Schule
Modellgrafik des Neubaus (Grafik: Architektei Mey)
Schulform Oberstufengymnasium
Gründung 1978
Adresse Carl-von-Ossietzky-Straße 2a
65197 Wiesbaden
Ort Wiesbaden-Klarenthal
Land Hessen
Staat Deutschland
Koordinaten 50° 4′ 54″ N,  12′ 15″ O
Träger Landeshauptstadt Wiesbaden
Schüler 475
Lehrkräfte 45
Leitung Niko Lamprecht[1]
Website www.cvossietzky.de
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Geschichte

1978 wurde die heutige Schule als Oberstufengymnasium West in Wiesbaden-Klarenthal gegründet. 1989 erhielt das Gymnasium den heutigen Namen.[2]

Seit Dezember 2019 trägt die Schule den Titel Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage.[3]

Altbau im Februar 2021

Neubau

Die Überlegungen über einen Neubau der Schule starteten 2009. Das aus den 1970er Jahren stammende Gebäude erfüllte nicht mehr die Brandschutzanforderungen, eine nötige Sanierung lohnte sich nicht mehr. Zwischenzeitlich überlegte die Stadt Wiesbaden auch eine Zusammenlegung mit der Martin-Niemöller-Schule, hierüber wurde 2012 eine intensive schulpolitische Debatte geführt, die zugunsten des Ausbaus der CvO ausging und eine längere Planungsphase in Gang setzte.[4] Im August 2017 wurde Bernd Mey aus Frankfurt a. M. beauftragt, die Baupläne zu entwerfen. Der Stil sollte sich dabei an der Entwurfsplanung des Stadtviertels nach Ernst May orientieren.[5] Den ersten Spatenstich begleitete Oberbürgermeister Sven Gerich im Dezember 2018.[6] Der Umzug selbst erfolgte im Herbst 2021, mit einer Einweihungsfeier im Beisein von Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende und Kultusminister Alexander Lorz.[7]

Neubau im April 2021, Blickrichtung Norden

Im März 2023 zeichnete der Bund Deutscher Architekten (BDA) in Hessen den Neubau der Carl-von-Ossietzky-Schule mit der Johann-Wilhelm-Lehr-Plakette aus.[8]

Austauschprojekte

Bereits 1984 wurde die Schule vom Land Hessen ausgewählt, um an einem Pilotprojekt des Bundes teilzunehmen. Es sollte ein Schüleraustausch zwischen der Bundesrepublik Deutschland sowie der Sowjetunion stattfinden. 1986 fand der erste Austausch deutscher Schüler nach Moskau statt. Sowohl sowjetische als auch deutsche Medien berichteten hierüber. Bei dem Rückbesuch ein Jahr später, folgte eine erneute Aufmerksamkeit in den Medien, die Vision einer deutsch-russischen Schulpartnerschaft entstand. Diese Partnerschaft mit dem Linguistischen Gymnasium Nr. 1513 in Moskau, Russland, wurde nach einem regen Schriftverkehr (u. a. mit Michail Gorbatschow, Vertretern der UdSSR und dem damaligen deutschen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker) im Januar 1989 formell bestätigt.[9] Infolge des russischen Überfalls auf die Ukraine ruhte die Austauscharbeit seit dem 24. Februar 2022.[10] Ab dem Schuljahr 2023/2024 besteht eine neue Partnerschaft mit einer litauischen Schule, die den Gebrauch der russischen Sprache im Ausland auf EU-Gebiet ermöglicht.[11]

Im Rahmen der Städtepartnerschaft zwischen Wiesbaden und Kfar Saba erfolgte 1987 die erste Studienfahrt nach Israel. Diese hatte das Ziel, schulische Beziehungen aufzubauen, insbesondere nachdem projektbezogene Arbeit im Schulcurriculum Geschichte aufgenommen wurde. Nach weiteren Studienfahrten folgte 1990 der Rückbesuch aus der Galili-High-School, zu diesem Anlass wurde die Schulpartnerschaft mit dieser Schule vereinbart. Trotz oft schwieriger Begleitumstände wird und wurde dieser Austausch regelmäßig gepflegt, wobei dieser seit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel 2023 aus Sicherheitsgründen unterbrochen ist.

Seit 2011 ist die Schule außerdem Mitglied im European School Network (ESN). Die Austauschprojekte sollen die internationale Völkerverständigung stärken.[12]

Schulprofil

Lehrangebot

Als reines Oberstufengymnasium werden nur die Einführungsphase (E-Phase; Klasse 11) sowie die Qualifikationsphase (Q-Phase; Klassen 12 und 13) unterrichtet, weshalb alle Schüler von Zubringerschulen kommen.

Bis auf Latein können die Fremdsprachen Französisch, Spanisch und Russisch neu begonnen sowie weitergeführt werden. Schwerpunkte in Kunst/Musik und Sport bereiten für den Leistungskurs in dem jeweiligen Fach vor. Weitere Schwerpunkte können mit den Naturwissenschaften Biologie, Chemie, Physik sowie Informatik gesetzt werden, aber auch fast alle weiteren an der gymnasialen Oberstufe unterrichteten Fächer können als Leistungskurs gewählt werden. Eine Besonderheit stellt die Möglichkeit für den Leistungskurs Sport dar, dieses Angebot ist eines der wenigen innerhalb Wiesbadens. Gleichzeitig werden Exkursionen oder Lesungen passend zu den Unterrichtsthemen vieler Leistungskurse veranstaltet. Es kann auch das DELF- und Cambridge-Sprachzertifikat erworben werden.[13] Eine weitere Besonderheit ist die Tradition der Mathematik-Nachhilfe, bei welcher sich die Schüler gegenseitig unterstützen.

Es gibt bei den Arbeitsgemeinschaften u. a. eine Theatergruppe (Stand 2026 ruhend), eine Schulband sowie einen Chor, welche bei Theaterstücken und öffentlichen Anlässen wie z. B. den Tagen der offenen Tür oder Sommerfesten gemeinsam auftreten.

Anti-Rassismus und Demokratiebewegungen

Die Schule ist in langer Tradition an dem Reichspogromnacht-Gedenken am Wiesbadener Michelsberg beteiligt. Die Schwerpunktsetzung eines „Lernziels Engagement“ sowie die russische und israelische Schulpartnerschaft sorgen für ein ständiges Bewusstsein über den Nationalsozialismus und dessen Folgen. Letztere werden durch die regelmäßige Ladung von Zeitzeugen sowie historisch-politischer Experten greifbar. Mithilfe der Mitgliedschaft im European School Network werden international Projekte gegen Rassismus (School against Racism) organisiert. Auch im regulären Unterricht wird dieses Thema aufgegriffen, seit 2019/20 gehört die Schule offiziell zum Netzwerk "Schulen ohne Rassismus".[14]

Die Schule engagiert sich mit vielfältigen Veranstaltungen, z. B. durch Literaturlesungen[15] oder auch besonders für demokratiefördernde Themen, indem vor Bundestags-, Landtags- und Europawahlen eine Podiumsdiskussion mit Politikern der antretenden Parteien veranstaltet werden.[16] So wurde auch z. B. der SPD-Politiker Martin Schulz als EU-Parlamentspräsident empfangen.[17] Des Weiteren wurde im Jahr 2021 vom ZDF an der CvO eine Preview zum ZDF-Film „Die Wannseekonferenz“ gezeigt.[18] Im Juni 2023 folgte die Preview des ZDF-Films „Fünf Anläufe“ zur Demokratiegeschichte.[19] Im März 2024 besuchte Kultusminister Armin Schwarz die Schule, um anlässlich einer Geschichtsstunde ein Statement gegen Antisemitismus sowie für die intensive Bearbeitung des Holocaust und der NS-Geschichte abzugeben.[20]

Sonstiges

Die Schulleitung hatte 1977–2007 Rainer Lorenz inne, ihm folgte 2007–2012 Helmut Nehrbaß. 2012–2026 führte Niko Lamprecht die CvO als Schulleiter.

Der 1996 gegründete Förderkreis unterstützt die Schule durch finanzielle Mittel oder juristisch mit der Möglichkeit Verträge abschließen zu können.

Die Schule stellt bei Bedarf den Kontakt zu einer psychologischen Beratungsmöglichkeit beim Staatlichen Schulamt her, eine sozialpädagogische Beratung ist durch eine unterrichtsbegleitende Unterstützung (UBUS-Kraft) vor Ort zu den Kernunterrichtszeiten gegeben. Diverse Förderkurse und Beratungsmöglichkeiten helfen den Schülern bei entsprechenden fachlichen Problemen oder persönlichen Fragen.

Es bestehen außerdem verschiedene Partnerschaften zu anderen Institutionen, wie beispielsweise den Zubringerschulen IGS Alexej von Jawlensky sowie der Sophie-und-Hans-Scholl-Schule. Seit 2016 besteht eine Kooperation mit der Hochschule RheinMain. Weitere Kooperationen gibt es mit externen Partnern wie dem Spiegelbild e. V. oder ArbeiterKind.de.

Commons: Carl-von-Ossietzky-Schule – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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