Carl Hess (Orgelbauer)
deutscher Orgelbauer
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Carl Hess (auch Carl Heß oder Karl Hess) (* 1. August 1879; † 18. Januar 1943 in Durlach) war ein deutscher Orgelbauer und Intonateur mit Werkstattsitz im heute zu Karlsruhe gehörenden Durlach. Er wirkte von dort aus überwiegend in Mittel- und Nordbaden.
Leben und Werk
Hess lernte das Orgelbauhandwerk bei der Giengener Orgelmanufaktur Gebr. Link in Giengen an der Brenz. Er konnte sich durch die Mitarbeit in zahlreichen weiteren Orgelbauwerkstätten weiterbilden. So war er zunächst bei Friedrich Goll im Schweizer Luzern, dann in Belgien, Paris und bei Koulen in Oppenau tätig. Neun Jahre lang arbeitete er als Intonateur bei E. F. Walcker & Cie. in Ludwigsburg und bei Laukhuff in Weikersheim.
Später ermöglichte ihm diese umfangreiche Erfahrung eine achtjährige Anstellungszeit bei H. Voit & Söhne in Durlach; davon einige Jahre als Betriebsleiter. Nachdem das Unternehmen im Zuge des Ersten Weltkriegs erheblich in Schieflage geraten war, machte sich Hess im Jahr 1920 in Durlach selbstständig. Später übernahm er die Werkstatt Voits und führte sie als Hess & Binder weiter. In dieser Werkstatt war etwa der später selbstständige Orgelbauer Ernst Steuer beschäftigt. Das Unternehmen zeichnete sich u. a. durch die Verwendung eines selbstentwickelten elektropneumatischen Membranladensystems aus.[1] Nachdem Hess im Frühjahr 1943 gestorben war, führte seine Witwe Anni Hess-Meyer (1900–1981) den Betrieb noch bis zum Anfang des Jahres 1961 fort. Anschließend erlosch das Unternehmen.
Werkliste (unvollständig)
Diese Werkliste umfasst die bekannten Werke der Firma Hess & Binder. Das Jahr in der ersten Spalte meint das Jahr der Fertigstellung. In der fünften Spalte bezeichnet die römische Zahl die Anzahl der Manuale, ein großes „P“ ein selbstständiges Pedal. Die arabische Zahl gibt die Anzahl der klingenden Register an. Die letzte Spalte bietet Angaben zum Erhaltungszustand und zu Besonderheiten sowie Links mit weiterführender Information. Leere Felder zeigen an, dass die zugehörige Information nicht bekannt ist. Kursivschreibung zeigt an, dass das Instrument nicht mehr existiert.
| Jahr | Ort | Gebäude | Bild | Manuale | Register | Bemerkungen |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1929 | Krensheim | St. Ägidius | ||||
| 1930 | Mannheim | Jesuitenkirche | Umbau des Instruments im historischen Gehäuse des Kurpfälzischen Hofbildhauers Paul Egell. Das Instrument wurde zum Schutz des Pfeifenmaterials während des Zweiten Weltkriegs demontiert. | |||
| 1932 | Mannheim | St. Elisabeth | ||||
| 1932 | Stupferich | St. Cyriakus | Umfangreicher Umbau einer 1804 von Johann Ferdinand Balthasar Stieffell errichten Orgel. Erhalten.[2.1] | |||
| 1932 | Karlsruhe | Johanniskirche | III/P | 45 | ||
| 1932 | Möttlingen | Christliches Erholungsheim „Rettungsarche“ | II/P | 25 | [3] | |
| 1934 | Mannheim-Neckarstadt | St. Bonifatius | III/P | 51 | Die Orgel wurde später auf 60 Register und damit zur größten Orgel Mannheims erweitert. Wegen zu hoher Instandsetzungskosten ließ man sie 1993 von Orgelbau Link ersetzen.[4] | |
| 1935 | Baden-Baden | Spitalkirche | In historischem Gehäuse von Stieffell aus 1792. Bei einem umfangreichen Kirchenumbau zwischen 1965 und 1966 durch Orgelbau Vier ersetzt.[5] | |||
| 1936 | Fautenbach | Alte Kirche | II/P | 30 | Im Jahr 1957 von Hess & Binder erweitert. Heute ist die Kirche profaniert und dient als Veranstaltungsort. Die Orgel ist vor Ort nicht mehr vorhanden.[6] | |
| 1937 | Baden-Baden-Geroldsau | Heilig-Geist-Kirche | II/P | 23 | [7] | |
| 1938 | Bretten | Katholische Kirche | ||||
| 1939 | Waghäusel | Marienwallfahrtskirche | III/P | 35 | ||
| 1940 | Sandweier | St. Katharina | II/P | 29 | Erweiterung um zweites Manual und umfangreicher Umbau der 1845 von Stieffell gebauten Orgel. 1971 durch Vier erneut umgebaut und auf 24 Register reduziert. 1997 instandgesetzt.[8] | |
| 1943 | Wintersdorf | St. Michael | ' | 1960 von G. F. Steinmeyer & Co. ersetzt.[9] | ||
| 1947 | Mannheim | Liebfrauenkirche | III/P | 48 | 2012 durch Orgelbau Lenter originalgetreu restauriert.[10] | |
| 1947 | Ötigheim | St. Michael | Umfangreicher Umbau einer 1834 von den Gebrüdern Stieffel errichteten Orgel. Erhalten.[2.2] | |||
| 1949 | Sinsheim-Weiler | Katholische Kirche | II/P | 19 | ||
| ca. 1950 | Raich | Friedhofskapelle | I | 4 | Kleines Orgelpositiv, ursprünglich für einen Standort in Freiburg im Breisgau vorgesehen. 1992 von der Werkstatt Markus Graser nach Raich versetzt. Erhalten.[11] | |
| 1951 | Baden-Baden-Lichtental | St. Bonifatius | III/P | 1986 von Orgelbau Vier ersetzt.[12] | ||
| 1952 | Mannheim | Jesuitenkirche | II/P[13] | 18 | Im Zuge der massiven Bombardierung Mannheims während des Zweiten Weltkriegs lagerte man die Hauptorgel ohne das Gehäuse in Neckarelz ein. Hess baute das Instrument aus gesicherten Pfeifen provisorisch und in reduziertem Umfang wieder auf und konnte hierfür das historische Gehäuse nutzen. Das Instrument wurde später auf 16 Register reduziert und dient heute als Chororgel in einem kleineren Gehäuse aus den 1750er Jahren (Bild).[14] | |
| 1952 | Rauenberg | St. Peter und Paul | II/P | 26 | Für den Bau wurden Pfeifen und Windladen der 1910 von Mönch Orgelbau gebauten Vorgängerorgel verwendet. Im Jahr 2005 wurde sie zugunsten einer neuen Orgel von Karl Göckel demontiert.[15] | |
| 1954 | Baden-Baden | Stiftskirche | IV/P | 56 | 1990 von Johannes Rohlf ersetzt. Das von Hess gebaute Fernwerk (Bild) dient heute als selbstständige Evangelienorgel. | |
| 1954 | Schwetzingen | St. Pankratius | II/P | 29 | In verschnittenem Gehäuse von 1766.[2.3] Im Jahr 2005 von Mönch Orgelbau ersetzt.[16] | |
| ca. 1955 | Erlach | St. Anastasius und hl. Edith Stein | II/P | 15 | 2001 von Orgelbau Matz & Luge ersetzt.[17] | |
| 1955 | Wollbach | Evangelische Kirche | II/P | 9 | 1988 von Georges Heintz ersetzt.[18] | |
| 1958 | Bietigheim | Heilig Kreuz | III/P | 30 | Neubau bzw. Umbau mit Erweiterung. 2013 von Orgelbau Matz & Luge ersetzt im Hess-Gehäuse ersetzt.[19] | |
| 1958 | Waltersweier | St. Johannes Nepomuk | 1993 durch eine Elektronische Orgel im Hess-Gehäuse ersetzt.[20] | |||
| 1959 | Karlsruhe | St. Bernhard | III/P | 46 | Der Spieltisch war für ein potentielles Fernwerk mit einem vierten Manual ausgestattet. 2013 wurde die Orgel von Orgelbau Mühleisen ersetzt und 2023 als Teil der Insolvenzmasse eines kroatischen Orgelbauers zum Verkauf angeboten. Es ist davon auszugehen, dass sie an einem anderen Standort neu aufgestellt werden sollte.[21] | |
Literatur
- Hermann Fischer, Theodor Wohnhaas: Lexikon süddeutscher Orgelbauer. (= Richard Schaal [Hrsg.]: Taschenbücher zur Musikwissenschaft. Nr. 116). Florian Noetzel Verlag, Wilhelmshaven 1994, ISBN 3-7959-0598-2, S. 154 f.
Weblinks
- Hess, Carl auf Organ Index
- Liste von Werken Hess’ in der Orgeldatenbank orgbase.nl











