Carl Romme

niederländischer Politiker (RKSP, KVP), Rechtswissenschaftler und Journalist From Wikipedia, the free encyclopedia

Carl Paul Maria Romme (* 21. Dezember 1896 in Oirschot, Noord-Brabant; † 16. Oktober 1980 in Tilburg) war ein niederländischer Politiker (RKSP/KVP), Journalist und Jurist. Er war 1937–1939 Sozialminister der Niederlande, von 1945 bis 1953 politischer Chefredakteur der Tageszeitung de Volkskrant und von 1946 bis 1961 Fraktionsvorsitzender der Katholieke Volkspartij in der Zweiten Kammer des niederländischen Parlaments.

Carl Romme (1959)

Leben

Carl Romme, Sohn eines Richters, studierte von 1914 bis 1919 Jura an der Universität von Amsterdam und arbeitete anschließend zunächst als Anwalt. Er heiratete 1920 Antonia Maria Wiegman, mit der er zwei Söhne und drei Töchter bekam.

Für den römisch-katholischen Wahlverein (ab 1926 Roomsch-Katholieke Staatspartij, RKSP) wurde er 1921 in den Amsterdamer Gemeinderat gewählt, wo er ab 1925 der katholischen Fraktion vorstand. Parallel schrieb er auch für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften. Romme wurde 1933 in die Zweite Kammer des niederländischen Parlaments gewählt, legte das Mandat aber nach vier Monaten nieder. Ab 1933 hielt er Vorlesungen zum Sozialrecht an der katholischen Handelshochschule Tilburg, wo er 1935 zum außerordentlichen Professor für Sozialrecht sowie Staats- und Verwaltungsrecht ernannt wurde. Von 1935 bis 1937 gehörte er auch dem Provinzparlament von Noord-Holland an.

Von 1937 bis 1939 war Romme Minister für Soziales in der niederländischen Regierung unter Hendrikus Colijn. In der Zeit des Zweiten Weltkriegs und der deutschen Besetzung der Niederlande war er nicht politisch aktiv. Er praktizierte weiter als Anwalt und war von 1941 bis zur Auflösung des Gremiums durch die Besatzungsmacht im November 1942 Mitglied des Oorlogscollege van Rijksbemiddelaars, einer Einrichtung zur Beilegung arbeitsrechtlicher Streitigkeiten. Um den Jahreswechsel 1941/42 wurde Romme von den Besatzern interniert, im Mai 1942 wurde er kurzzeitig im Geisellager Sint-Michielsgestel gefangengehalten. Nach der Befreiung der Niederlande war er von 1945 bis 1946 Vorsitzender des College van Rijksbemiddelaars.

Romme war 1944 zusammen mit Adrianus Cornelis de Bruijn, dem Vorkriegsvorsitzenden des R.K. Werkliedenverbond (RKWV) (Römisch-Katholischer Arbeitnehmerverband), der Hauptinitiator zur Wiedergründung der Zeitung de Volkskrant. Da er nicht – wie ursprünglich vorgesehen – die Chefredaktion allein ausüben wollte, erhielt die Zeitung mit Joop Lücker einen zweiten Chefredakteur. De Bruijn wurde 1946 Vorsitzender der RKWV-Nachfolgeorganisation Katholieke Arbeiders Beweging (KAB), welche die Herausgeberschaft von de Volkskrant übernahm.

Nach Kriegsende gehörte Romme zu den Mitbegründern der Katholieke Volkspartij (KVP), der Nachfolgepartei der RKSP. Bei der ersten Nachkriegswahl im Mai 1946 wurde er in die Zweite Kammer und dort sogleich zum Fraktionsvorsitzenden der KVP gewählt, was er in viereinhalb Legislaturperioden bis 1961 blieb. Dadurch ergab sich in seiner Person eine enge Verbindung zwischen der Partei und der Zeitung de Volkskrant, deren politischer Chefredakteur Romme zunächst blieb.

In der „Indonesien-Frage“ lehnte er zunächst Verhandlungen mit der Republik Indonesien, die sich für unabhängig erklärt hatte, ab und beharrte auf einer „Einheit des Reiches“. Er wollte zugleich eine Abspaltung der kolonialen Hardliner auf dem rechten Flügel der KVP verhindern und die Koalition mit der sozialdemokratischen PvdA erhalten. Während er selbst das im November 1946 geschlossenen Abkommen von Linggadjati mit den indonesischen Republikanern ablehnte, arbeitete er mit an dessen abschwächender „Ausgestaltung“, um ihm schließlich eine Ratifizierung durch das Parlament zu ermöglichen. Bei der Regierungsbildung 1948 sorgte Romme dafür, dass Mitglieder seiner Partei in Schlüsselpositionen für die Indonesien-Frage kamen: Emmanuel Sassen als Minister für Überseegebiete und Louis Beel als Hoher Vertreter der Krone in Batavia. Er konnte jedoch weder die Abspaltung der Katholiek Nationale Partij (KNP) – die allerdings bei Wahlen unbedeutend blieb − noch die Anerkennung der Unabhängigkeit Indonesiens und Übertragung der Souveränität Ende 1949 verhindern.

Ein Streit um die Politik zu Niederländisch-Neuguinea (das auch nach der Unabhängigkeit Indonesiens noch bis 1962 unter niederländischer Herrschaft blieb) führte Anfang 1951 zu einer Krise des Kabinetts Drees/Van Schaik und einem Misstrauensantrag der bisherigen Koalitionspartei VVD. Anschließend beauftragte Königin Juliana Romme als Vorsitzenden der größten Parlamentsfraktion mit der Regierungsbildung. Es gelang ihm, die bisherigen Regierungsparteien zu einer erneuten Koalition zu bringen und der sozialdemokratische Premierminister Willem Drees blieb im Amt.

Richtungsstreitigkeiten zwischen der KVP und KAB schlugen sich auf das Verhältnis von Romme und Adrianus Cornelis de Bruijn nieder. Die Katholische Arbeiterbewegung beklagte sich, dass Romme seine Rolle als politischer Chefredakteur des Volkskrant nutzte, um in der Zeitung für die Politik seiner Partei zu werben. Nachdem die KVP die Parlamentswahlen im Juni 1952 nicht gewinnen und Romme dadurch nicht Ministerpräsident werden konnte, schied er zum Ende des Jahres 1952 aufgrund dieser Spannungen aus der Redaktion des Volkskrant. Auf Joop Lückers Initiative hin begann er, genau ein Jahr später, mit einer wöchentlichen Kolumne unter dem Titel „Politiek allerlei“ wieder für de Volkskrant zu schreiben (bis 1960).

Nach der Parlamentswahl 1956 – die PvdA war stärkste Kraft, die KVP zweitstärkste – und dem Scheitern des ersten Versuchs zur Regierungsbildung des bisherigen Premierministers Drees erteilte die Königin erneut Romme den Auftrag, den er aber nach nur neun Tagen zurückgab. Nach vier Monaten (der bis dahin längsten Regierungsbildungsphase) kam schließlich eine neue christlich-sozialdemokratische Koalition und das Kabinett Drees III zustande. Bei der Parlamentswahl 1959 – vorgezogen aufgrund des Zerbrechens der Koalition von Sozial- und Christdemokraten – wurde die KVP unter Rommes Führung stärkste Kraft. Er selbst stellte sich aber nicht für die Regierungsbildung zur Verfügung, neuer Premierminister wurde sein Parteikollege Jan de Quay. Aufgrund von Überarbeitung trat Romme im Februar 1961 nicht nur als Fraktionsvorsitzender zurück, sondern legte auch sein Parlamentsmandat nieder. Sein Nachfolger an der Fraktionsspitze war Wim de Kort.

Das Grab von Carl Romme und seiner Ehefrau Antonia Maria Wiegman (Inschrift links) im Familiengrab Wiegman auf dem katholischen Friedhof Buitenveldert in Amsterdam

Königin Juliana berief Romme 1962, nach seinem Ausscheiden aus dem Parlament, in den Raad van State, dem er bis Ende 1971 angehörte.

Ehrungen

1971 wurde Carl Romme der Ehrenrang eines Staatsministers verliehen.

Literatur

  • Theo Kroon: Romme. Carl Paul Maria Romme (1896–1980). Stichting IVIO, Lelystad 1991.
Commons: Carl Romme – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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