Carlo Biffi

italienischer Bildhauer, Zeichner, Kupferstecher und Radierer From Wikipedia, the free encyclopedia

Carlo Biffi (* um 1605 in Mailand; † spätestens 1675, wahrscheinlich ebenda) war ein italienischer Bildhauer, Zeichner, Kupferstecher und Radierer. Er folgte seinem Vater Gian Andrea Biffi als Meister der Bauhütte des Mailänder Doms und lieferte Vorlagen für Druckgrafiken mit religiösen und weltlichen Motiven.

Porträt des Schauspielers Francesco Gabrielli, Kupferstich, 1633
Vier Charakterköpfe, Radierung, ca. 1635–1650

Leben und Werk

Einem Status animarum der Mailänder Pfarre San Giovanni in Laterano zufolge wurde Biffi 1605 oder 1606 dort geboren. Er war der Sohn und Schüler von Gian Andrea Biffi, ab 1621 auch unter dessen Leitung in der Skulpturenklasse der Accademia Ambrosiana. 1622 erhielt er zusammen mit Melchiorre Gherardini einen Preis für die beste Zeichnung.[1]

1631 erteilte ihm die Dombauhütte den Auftrag, einen Engel, ähnlich dem seines verstorbenen Vaters, anzufertigen (Bezahlung 1631 und 1638); die Marmorstatue wurde jedoch erst 1640 von Gaspare Vismara vollendet. Ab 1632 führte er weitere durch Gian Andrea begonnene Arbeiten für den Dom zu Mailand fort. Ende 1631 zahlte die Bauhütte ihm und seinem Bruder Filippo das noch ausstehende Honorar ihres Vaters für dessen Tätigkeit als Protostatuario aus. Mit der Übergabe des Auftrags an Vismara endete Biffis Tätigkeit für die Dombauhütte im Juni 1640.[2]

Ab 1630 trat der Bildhauer auch als Zeichner und Graveur in Erscheinung. So entstanden u. a. 1633 das datierte und signierte Porträt des Schauspielers Francesco Gabrielli sowie ein mit „Biffius“ signiertes und ihm zugeschriebenes Blatt mit Vier Charakterköpfen. 1669 illustrierte er (zusammen mit seinem Sohn Andrea) den zu Ehren von Herzog Paolo Spinola Doria erschienenen Text Amore e gloria, festa d'armi a cavallo celebrato in Milano nel 1669 mit vier Allegorische Kämpfe darstellenden Tafeln.[3][1]

Biffi wohnte in der Pfarre Santo Stefano in Brolo. 1648 wurde er in einem Notariatsakt der Banco di Sant’Ambrogio als Universalerbe seines Bruders Filippo erwähnt. Er war verheiratet mit Cecilia Figini und hatte mit ihr mindestens drei Kinder: Andrea (Architekt), Filippo (Grafiker) und Giuseppe (Autor, der um 1705 einen Mailänder Kunstführer publizierte). 1691 entwarf Andrea Biffi ein Grabmonument, das in Sant’Antonio Abate errichtet wurde.[1]

Werkauswahl

Im Appendix-Band III der Annalen[4] sind die von Biffi ausgeführten Arbeiten für den Mailänder Dom gelistet. Darunter finden sich:

  • 1631 Wachsmodelle für 10 Symbole für den Chorumgang
  • 1632–1635 Relief mit Esther und Ahasver für eine Fassaden-Lünette (Carrara-Marmor, Tonmodell im Dommuseum)

Außer den oben genannten Grafiken sind im AKL folgende aufgeführt:

  • 1630 Feierlichkeiten zur Geburt des spanischen Infanten Balthasar auf dem Mailänder Domplatz (Zeichnung, Mailand, Raccolta delle Stampe Bertarelli)
  • 1630 Festapparat von Francesco Maria Ricchino (Zeichnung, Mailand, Racc. delle Stampe Bertarelli, gestochen von Cesare Bassano)
  • 1632 Titelblatt für Sacri ragionamenti di Federico Borromeo (Zeichnung, Mailand, Biblioteca Ambrosiana, gestochen von Cesare Bassano)
  • um 1660 Madonna del Suffragio mit dem heiligen Andreas von Avellino und dem seligen Gaetano von Thiene (Zeichnung nach einem in der Mailänder Kirche San Antonio Abate verehrten Bild, Mailand, Raccolta delle Stampe Bertarelli, gestochen von Giacomo Cotta).
  • 1668 Schmutztitel für das erste Mailänder Arzneibuch Prospectus Pharmaceuticus ... von G. O. Castiglioni (Zeichnung, gestochen von Simone Durelli)

Die Datenbank der Region Lombardei bildet acht von Carlo Biffi entweder gezeichnete oder gravierte Blätter ab.[5]

Literatur

Commons: Carlo Biffi – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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