Carmen Polo y Martínez-Valdés

Ehefrau von General Francisco Franco (1900-1988) From Wikipedia, the free encyclopedia

María del Carmen Polo y Martínez-Valdés (* 11. Juni 1900 in Oviedo; † 6. Februar 1988 in Madrid) war die Ehefrau von General Francisco Franco, der von 1936 bis 1975 Diktator Spaniens war.[1] Ihre gemeinsame Tochter war Carmen Franco y Polo. Als private Geschäftsfrau war sie hauptsächlich im Immobilienbereich aktiv. Carmen Polo hatte keine offiziellen politischen Aufgaben, die über die äußere Repräsentation hinausgingen, galt aber zunehmend als einflussreiche Mittlerin für Einflussnahmen auf ihren Mann.[2]

Carmen Polo y Martínez-Valdés mit Francisco Franco, 1968

Leben

Carmen Polo war die Tochter von Felipe Polo y Flórez de Vereterra und Ramona Martínez-Valdés y Martínez-Valdés (gestorben am 8. Februar 1914) und Schwester von María Isabel, Felipe und Ramona, genannt Zita, die mit Ramón Serrano Súñer verheiratet war. Sie begegnete Francisco Franco vermutlich zum ersten Mal im Zeitraum zwischen 1917 und 1920[3] in Oviedo. Am 22. Oktober 1923 heirateten sie in der Kirche San Juan el Real in Oviedo, die Hochzeitsfeier verlief pompös, da ihr Angetrauter bereits als „Kriegsheld“ galt.[2]

Die Versetzung ihres Mannes auf einen mit wenigen Verpflichtungen verbundenen Posten als Kommandant der 15. Infanteriebrigade in A Coruña im März 1932 ermöglichte ihnen den gemeinsamen Umgang mit der dortigen Elite. Dazu gehörte, dass Polo zu den Stammgästen des exklusiven Club Náutico zählte.[2]

Polo hatte als First Lady Spaniens maßgeblichen Einfluss auf das Regime ihres Mannes, insbesondere bei der Ernennung von Carlos Arias Navarro zum Ministerpräsidenten (während ihr Mann bereits erkrankt war) sowie der Zensur der Presse.[4] Sie war unumstritten die einflussreichste Frau im Franquismus, insbesondere in Bezug auf dem Umgang mit der römisch-katholischen Kirche sowie in Fragen der öffentlichen Sittlichkeit.[5] Nach Ansicht von Sozialwissenschaftlern war ihre sittenstrenge Erziehung ausschlaggebend für die weitreichende Zensur bezüglich erotischer Aspekte in der spanischen Literatur, dem Theater und dem Kino.[6]

Der deutsche Historiker Eberhard Straub sieht Polo als ausschlaggebend für Francos sehr bewusste, innerliche Frömmigkeit, die für Militärs eher ungewöhnlich war.[7] Auch dem französischen Historiker und Franco-Biograf Bartolomé Bennassar zufolge hat Polo eine Hinwendung ihres Mannes zum Katholizismus herbeigeführt. Bennassar vermutet aber, dass Francisco Franco sich mehr aus Konformität den kirchlichen Kulthandlungen unterzogen hat.[3] Bereits in der Frühphase der Diktatur beklagte der Faschist Serrano Súñer ernüchtert gegenüber dem gleichgesinnten Italiener Galeazzo Ciano einen unheilvollen Einfluss, den Carmen Polo auf ihren Mann ausübe.

Im Zusammenhang mit Franco wurde häufig über Nepotismus in seinem Umfeld geschrieben, der nicht zuletzt auf Polo zurückgeführt wurde.[8] Ihr Mann verdiente 1940 den Jahreslohn von 50.000[9] Pesetas, dennoch lebte Polo aufwändig, denn das Familienvermögen der Franco betrug kurz nach dem Spanischen Bürgerkrieg 34[9] Millionen Pesetas (heute sind dies etwa 374 Millionen Euro). Polo ließ sich unberechtigt den Palast Pazo de Meirás[9] in Sada nahe von A Coruña kostenlos überschreiben. Im Mai 1950 erhielt sie eine Privataudienz bei Papst Pius XII.[2] 1953 war sie an Geschäften mit dem Immobilienunternehmen Valdefuentes S. A.[9] beteiligt. Diese Firma kaufte in Móstoles ein großes Gelände für 4 Millionen Pesetas, ließ es umzonen und es galt 1975 als mit 2 Milliarden Pesetas bewertet.[2]

Polo stand im Verdacht, Schenkungen von Schmuck und Antiquitäten für sich erzwungen zu haben. Ihre Vertraute, die Marquésa de Huétor de Santillán diente als Mittlerin, um bei ihr Fürsprachen zu erkaufen. Insgesamt bereicherte sich die Familie Franco, die in mindestens 50[2] Unternehmen agierte, in der Diktatur erheblich, was manche Historiker auf die Durchlässigkeit staatlicher und privater Finanzen in Francos Regierungsapparat zurückführen.[9] Die Unternehmen agierten oft steuerfrei und mit illegalen Praktiken.[2] Die Familie besaß zuletzt ein geschätztes Vermögen von rund 500[9] Millionen Euro.

Nach dem Tode ihres Mannes wurde Polo zur Identifikationsfigur von Francos politischen Anhängern im El Movimiento. Zu jedem Jahrestag von Francos Tod nahm sie an der von Tausenden von Faschisten besuchten Beerdigungsmesse im Gedächtnis ihres Mannes in der unterirdischen Basilika im Valle de los Caídos teil, wo Tausende von Kämpfern beider Seiten, die 1936–1939 im Spanischen Bürgerkrieg getötet wurden, begraben sind.

Verfilmungen

Literatur

  • Carmen Enríquez: Carmen Polo, señora de El Pardo: amor, lujo, poder e influencia: historia de la mujer más poderosa de la España franquista. La Esfera de los Libros, Madrid 2012, ISBN 978-8-499-70458-6.
  • Antje Windgassen: Im Bund mit der Macht: die Frauen der Diktatoren. Campus-Verlag, Frankfurt am Main 2002, ISBN 978-3593-36900-6.
Commons: Carmen Polo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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