Carolina Nairne

schottische Liedermacherin From Wikipedia, the free encyclopedia

Carolina Nairne, Lady Nairne, geborene Oliphant (* 16. Juli 1766[1][2] im Auld Hoose in Gask; † 26. Oktober 1845 ebenda), auch Baroness Nairne, war eine schottische Liedermacherin.

Carolina Nairne. Gemälde von John Watson Gordon (ca. 1818)
Lady Nairne and her songs
Das „Auld Hoose“ in Gask. Zeichnung von Carolina Nairne

Biographie

Carolina Oliphant war eine Tochter von Margaret Robertson und deren Ehemann Laurence Oliphant, 7. Laird von Gask. Sie war das vierte Kind und hatte sechs Geschwister. Carolina wurde nach Charles Edward Stuart – „Bonnie Prince Charlie“ – benannt, der 21 Jahre vor ihrer Geburt nach seiner Niederlage in der Schlacht bei Culloden im Haus ihrer Familie untergekommen war. Ihre Eltern Laurence und Margaret waren Cousins bzw. Enkel von William Murray, 2. Lord Nairne, der 1715 in der Schlacht von Preston Teile der jakobitischen Armee befehligt hatte und gefangen genommen worden war. Ursprünglich wegen Hochverrats zum Tode verurteilt, wurde er nach 19 Jahren im Exil begnadigt. Margaret Robertson entstammte dem ebenfalls jakobitisch gesinnten Clan Robertson.

Die Kinder der Oliphants wuchsen mit Berichten von den Jakobiten und der Überzeugung auf, dass die Stuarts die rechtmäßigen Thronfolger seien. In ihren Gebetbüchern waren die Namen der Mitglieder des regierenden Hauses Hannover mit den Namen der Stuarts überschrieben.[1] Die Mädchen hatten eine Gouvernante, die ihnen trotz ihrer jakobitischen Einstellung ihren breiten schottischen Dialekt aberziehen sollte, und einen Tanzlehrer, der von traditionellen Fiddlern wie Niel Gow unterstützt wurde.[3] Carolina Oliphant lernte Noten zu lesen, und sie spielte Cembalo und Pianoforte.[4]

Am 6. Juni 1806 heiratete Carolina Oliphant ihren Cousin zweiten Grades William Murray Nairne. Dessen Großvater war, wie anderen Jakobiten, nach dem Aufstand von 1745 Titel und Ländereien entzogen worden. Nach einem Besuch König Georgs IV. in Schottland 1822 verabschiedete am 17. Juni 1824 das britische Parlament ein Gesetz, das die früheren Titel wiederherstellte. William Nairne wurde zum 5. Lord Nairne ernannt und Carolina so Lady Nairne.[1] 1808 – Carolina Nairne war über 40 Jahre alt – wurde der einzige Sohn William Murray Nairne geboren, der zeit seines Lebens kränklich war.[1]

Im Juli 1830 starb William Nairne im Alter von 72 Jahren und wurde in der Kapelle von Holyroodhouse beigesetzt. Von nun an unternahm Carolina Nairne ausgedehnte Reisen mit ihrem Sohn und ihrer Großnichte. Ihr Sohn starb 1837 in Brüssel, und 1845 kehrte sie nach Schottland zurück. Sie starb am 26. Oktober 1845 im Alter von 79 Jahren im „Auld Hoose“ in Gask. Sie wurde in der Kapelle der Familie bestattet, die erst wenige Tage zuvor fertiggestellt worden war.[3]

Werk

Nach dem Tod ihres Vaters im Jahr 1792 begann Carolina Oliphant, Lieder zu schreiben und zu komponieren. Sie war eine Zeitgenossin von Robert Burns (1759–1796) und Walter Scott (1771–1832) und schrieb in der Tradition der Volksdichtung. 1787 veranlasste sie ihren Bruder Laurence, das Buch Poems, Chiefly In the Scottish Dialect mit Gedichten von Burns zu subskribieren.[5] Da sie Burns’ Werk The Ploughman („Der Pflüger“), als zu „unanständig“ empfand, schrieb sie eine eigene „zahmere“ Version des Textes.[6] Persönlich lernten sich Burns und Oliphant nie kennen.[5]

Zum Schutz ihrer gesellschaftlichen Stellung hielt Carolina Nairne ihre literarische Arbeit geheim. Selbst ihr Mann soll nicht eingeweiht gewesen sein, im Gegensatz zum rein weiblichen Redaktionskomitee der Zeitschrift The Scottish Minstrel. Den Verleger Robert Purdie hingegen soll sie nur verkleidet aufgesucht haben.[3] Ihre Texte wurden unter dem Pseudonym „Mrs. Bogan of Bogan“ in Edinburgh im The Scottish Minstrel zwischen 1821 und 1824 veröffentlicht.[1] Einige ihrer Werke wurden daher Burns zugeschrieben, was sie bedrückt haben soll. Insgesamt verfasste und bearbeitete sie im Laufe ihres Lebens rund 80 Lieder: Manchmal verwendete sie nur die Melodie und schrieb neue Texte dazu; manchmal war der Text eine Collage bestehender Versionen.[3] Erst im postum erschienenen Band Lays from Strathearn (1846) wurde ihre Urheberschaft der Werke schließlich offengelegt.[3]

Während es in Oliphants Jugend üblich war, anzügliche Lieder zu spielen und zu singen, griff nach dem Jakobitenaufstand von 1745 eine evangelikale Erweckungsbewegung unter dem schottischen Landadel um sich,[7] „die die hochgeschürzten Musen in Stall und Küche verbannte und die unbeschwerte und musikalische Carolina Oliphant in die prüde und fromme Lady Nairne verwandelte“.[3] Das New Oxford Dictionary of National Biography schreibt: „Im Schottland des 18. Jahrhunderts war das populäre Kunstlied die vorherrschende literarische Form und eng mit der umgebenden mündlichen Kultur verwoben. Doch die Aufführung eines Großteils des traditionellen Repertoires wurde in der feinen Gesellschaft aufgrund seines explizit sexuellen Inhalts und der abnehmenden sozialen Trennung von Männern und Frauen zunehmend problematisch.“[3] Das Leben von Lady Nairne verdeutlichte den kulturellen Wandel: Carolina Nairne wurde zur Dichterin der aufstrebenden und viktorianischen Gesellschaft Schottlands, die sich sogar bemühte, „die fröhlichen Musen mit moralischer Strenge zu zügeln“. „Manchmal sage ich mir“, schrieb sie 1840, „das bin nicht mehr ich, so sehr haben sich meine Gefühle und Denkweisen seit ‚alten Zeiten‘ verändert.“[3]

Populäre Lieder von Nairne sind unter anderem Charlie Is My Darling, The Hundred Pipers und The Land o’ the Leal (das viele Jahre lang Burns zugeschrieben wurde.[6]) Als eines ihrer bekanntesten Lieder gilt Bonnie Charlie (Will Ye Not Come Back Again?),[8] das etwa zwischen 1960 und 2022 in mindestens 25 Versionen von verschiedenen Künstlern veröffentlicht wurde.

Bonnie Charlie’s noo awa
Safely o’er the friendly main;
He’rts will a’most break in twa
Should he no’ come back again.

Bonnie Charlie ist nun fort,
Sicher über das freundliche Meer;
Die Herzen würden fast entzweibrechen,
Sollte er nicht wieder zurückkehren.

Die Encyclopædia Britannica schreibt über Carolina Nairne: „Ihre Lieder trugen dazu bei, den Mythos zu schaffen, dass die Sache der Stuarts die Sache des einfachen Volkes sei.“ Ihr sanftes Pathos und ihr gelegentlicher Witz hätten jeden Geschmack angesprochen und die Lieder daher bald Eingang in das Volksliedrepertoire gefunden. Sie dienten als symbolischer Ausdruck des anhaltenden schottischen Widerstands gegen die Union.[3]

Erinnerungen

Krater „Nairne“ auf dem Planet Merkur

In Wester Duddingston, einem Ortsteil von Edinburgh, lebten die Eheleute Nairne im „Caroline Cottage“, einem Haus, das teilweise von ihrem Onkel Alexander Robertson (1670–1749) erbaut und finanziert worden war. Das Haus wurde 1822 nach den Plänen des schottischen Architekten James Gillespie Graham erweitert. Es ist auch als „Nairne Lodge“ bekannt, existiert noch heute und dient als Hotel. Die umliegenden Straßen sind nach Lady Nairne benannt, wie etwa die „Lady Nairne Loan“, der „Lady Nairne Place“ und die „Lady Nairne Grove“.[1][9] Weitere Straßen sind in Perth und Dunfermline nach ihr benannt.[10]

Nairnes Klavier, von dem englischen Klavierbauer Robert Wales geschaffen, befindet sich in der „Eric Feller Early Keyboard Instruments Collection“ in Bad Harzburg.[4]

2022 wurde ein Krater auf dem Planeten Merkur von der Internationalen Astronomischen Union nach Carolina Nairne „Nairne“ benannt.[11]

Literatur

  • Lady Margaret Stewart Barbour Simpson: The Scottish Songstress, Caroline, Baroness Nairne (1894). Cornell University Library, 2009 (electricscotland.com [PDF]).
  • David Hunter: The Secret Songs of Lady Nairne. Scottish Studies Foundation, 2015 (scottishstudies.com [PDF]).
  • Freeland Barbour: The White Rose of Gask: The Life and Songs of Carolina Oliphant, Lady Nairne. Birlinn, 2019, ISBN 978-1-78027-611-3.
  • Charles Rogers: Life and Songs of the Baroness Nairne With a Memoir and Poems of Caroline Oliphant the Younger. Legare Street Press, 2022, ISBN 978-1-01-564031-3.
  • George Henderson: Lady Nairne And Her Songs. Hutson Street Press, 2025, ISBN 978-1-02-492159-5.
Commons: Carolina Nairne – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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