Caroline Stephen
englisch-britische Philantropin und religiöse Autorin des Quäkertums
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Caroline Emelia Stephen, auch Milly Stephen (* 8. Dezember 1834 in Kensington, London; † 7. April 1909 in Cambridge, Cambridgeshire), war eine englisch-britische Philanthropin und religiöse Autorin des Quäkertums. Sie war die Tante von Virginia Woolf.[1]

Leben
Stephen war die Tochter des Abolitionisten Sir James Stephen und seiner Frau Jane Catherine, geborene Venn. Der Vater war permanenter Unterstaatssekretär des britischen Colonial Office.[2]
Ihre Brüder waren der Jurist Sir James Fitzjames Stephen und Sir Leslie Stephen, der erste Herausgeber des Dictionary of National Biography und Vater von Virginia Woolf.[2] Sie wurde von Gouvernanten in einem literarischen und religiösen Elternhaus unterrichtet. Ihre Familie zog von London nach Brighton und zurück nach Windsor und dann nach Wimbledon.[1]
Ihr Vater zog sich aus dem Staatsdienst zurück, als sie noch ein Teenager war, und die Familie zog erneut um, als er Regius Professor für Geschichte an der Universität Cambridge wurde.[2] Stephen soll 1857 eine Liebesbeziehung gehabt haben, die unglücklich endete.[1] Laut ihrem Bruder Leslie verließ ihr Liebhaber sie und starb in Indien, wofür es jedoch keine Bestätigung zu geben scheint.[3]
Stephen begann in den 1860er Jahren mit wohltätigen Aktivitäten und veröffentlichte 1871 The Service of the Poor, nachdem sie ihre Hypothese mit Florence Nightingale diskutiert hatte.[4] Außerdem begann sie mit Robert Were Fox Gespräche über den Glauben zu führen. Sie beschloss, Quäkerin zu werden und wandte sich vom evangelikalen Christentum ihrer Eltern ab. Sie pflegte ihre Mutter bis zu deren Tod und gründete dann gemeinsam mit ihrer Cousine Sara Stephen (andere Gründerinnen wie Jane Senior werden an anderer Stelle genannt) die Metropolitan Association for Befriending Young Servants. 1877 organisierte sie ein Haus für Frauen in Chelsea. Dabei handelte es sich um die Hereford Buildings, die sich an der späteren Old Church Street befanden.[1]
1879 trat sie den Quäkern bei und wurde zu einer überzeugten Verfechterin ihrer Ansichten. 1890 veröffentlichte sie Quaker Strongholds, in dem sie ihren Standpunkt darlegte und das auch 100 Jahre nach seiner Veröffentlichung noch als „Quäker-Klassiker“ galt. Und das, obwohl ihr Bruder, der sie „Silly Milly“ oder „The Nun“ nannte, das Buch als „ein weiteres kleines Werk von ihr“ diffamierte.[3] Stephens Buch machte sie zu einer der bekanntesten Quäkerinnen unter den Lesenden.
Stephen war eine Gegnerin des Frauenwahlrechts, da sie der Meinung war, dass die schweigende Mehrheit der Frauen keine Veränderung des Status quo wünschte. Ihre Sichtweise gewann nach ihrem Tod etwas an Popularität, da die militanteren Suffragetten es den gewaltfreien Quäkern erschwerten, die populäre feministische Sichtweise zu unterstützen.[5]
Stephen zog 1895 nach Cambridge, wo sie Studenten am Newnham College und am Girton College von den Glaubensgrundsätzen der Quäker zu überzeugen versuchte. In Newnham wurde sie von ihrer Nichte Katharine Stephen unterstützt, die Direktorin des Newnham College war.[1] Als Virginia Woolf nach dem Tod ihres Vaters 1904 einen Nervenzusammenbruch erlitt, erholte sie sich im Haus einer Freundin und verbrachte anschließend einige Zeit bei ihrer Tante in Cambridge.[3][6]
Stephen starb 1909 in ihrem Haus in Cambridge. Sie hinterließ ihrer Nichte Virginia Woolf ein Vermächtnis von 2.500 Pfund. Dieses Geld wurde von Woolf als entscheidende Hilfe für ihre Karriere angesehen, da es ihr die Freiheit gab, sich ganz auf das Schreiben zu konzentrieren. Woolf schrieb
„Indeed my aunt’s legacy unveiled the sky to me, and substituted for the large and imposing figure of a gentleman, which Milton recommended for my perpetual adoration, a view of the open sky.“
„Tatsächlich hat mir das Vermächtnis meiner Tante den Himmel offenbart und die große und imposante Gestalt eines Gentleman, den Milton mir zur ewigen Verehrung empfohlen hatte, durch den Anblick des offenen Himmels ersetzt.“
Werke (Auswahl)
- The Service of the Poor. An Inquiry into the Reasons for and against the Establishment of Religious Sisterhoods for charitable Purposes. Macmillan & Co., London 1871 (archive.org).
- Mistress and Servant. In: James Knowles (Hrsg.): Nineteenth Century and After. Kegan Paul, Trench, & Co., London Dezember 1879, S. 1051–61.
- Quaker Strongholds. Kegan Paul, Trench, & Co., London 1890 (archive.org).
- Sir James Stephen: Letters, with biographical notes by his daughter. Eigenverlag, Cambridge 1906 (archive.org).
- Women and Politics. In: James Knowles (Hrsg.): Nineteenth Century and After. Band 61. Kegan Paul, Trench, & Co., London Februar 1907, S. 227–236.
- Light Arising: Thoughts on the Central. W. Heffer & Sons, Cambridge 1908 (archive.org).
- The Representation of Women: A Consultative Chamber of Women. In: James Knowles (Hrsg.): Nineteenth Century and After. Band 64. Kegan Paul, Trench, & Co., London Dezember 1908, S. 1018–24.
- The Vision of Faith, and Other Essays. W. Heffer & Sons, Cambridge 1911 (archive.org).