Castel Frères

Französischer Getränkeproduzent From Wikipedia, the free encyclopedia

Castel Frères ist ein französisches Weinhandels- und Weinbauunternehmen mit Sitz in Blanquefort im Département Gironde. Es wurde 1949 von Pierre Castel gemeinsam mit seinen Brüdern und Schwestern in Bordeaux gegründet und bildet den Ursprung der heutigen Groupe Castel, eines der größten Getränkeunternehmen Europas.[1] Das Unternehmen entwickelte sich aus einem regionalen Negociant-Betrieb zu einem vertikal integrierten Konzern mit eigenen Weinbergen, Abfüllanlagen und einem umfangreichen Markenportfolio.

Castel Frères ist in allen großen französischen Weinbaugebieten tätig, darunter Bordeaux, Languedoc, Rhône, Provence und Loire. Es gilt als führender Weinvermarkter Frankreichs und vertreibt jährlich mehrere hundert Millionen Flaschen.[2] Nach Angaben des Marktforschungsinstituts International Wines and Spirits Record (IWSR) war das Unternehmen 2016 die weltweit meistverkaufte Weinmarke mit 24,9 Millionen Kartons à 9 Liter.[3]

Zum Markenportfolio gehören unter anderem Baron de Lestac, Roche Mazet und Malesan.[2] Im Jahr 2014 schloss Castel eine Kooperation mit der Champagnergruppe Vranken-Pommery Monopole, um mit der Marke Listel den weltweit größten Anbieter von Roséweinen zu bilden.[4] In späteren Jahren kamen Beteiligungen an weiteren Kellereien und Abfüllbetrieben hinzu; so besitzt Castel Frères Produktionsstandorte in Bordeaux, im Languedoc und an der Rhône.[5]

Das Unternehmen ist unter der Handelsregisternummer SIREN 482 283 694 eingetragen und beschäftigte 2023 rund 1000 Personen bei einem Umsatz von etwa 653,9 Millionen Euro.[6] Im März 2025 wurde die Schließung des Abfüllstandorts in Saint-Priest bei Lyon bekanntgegeben, als Reaktion auf einen deutlichen Nachfragerückgang im französischen Weinmarkt.[7]

Geschichte

Gegründet wurde Castel Frères von Pierre Castel (* 1926 in Berson), der bis ins hohe Alter eine zentrale Rolle im Familienunternehmen behielt. Er gilt als eine der einflussreichsten Persönlichkeiten der französischen Getränke- und Weinwirtschaft und leitete die internationale Expansion der Gruppe, insbesondere nach Afrika.[2] Die Familie Castel hält weiterhin die Mehrheitsanteile des Unternehmens; mehrere seiner Neffen, darunter Alain Castel, Philippe Castel und Jean-Bernard Castel, bekleiden Führungspositionen im Weinbereich.[8] Zur Familie gehört außerdem der 2017 gegründeten Fonds Pierre Castel, eine Stiftung zur Förderung von Unternehmertum und nachhaltiger Entwicklung in Afrika.[9]

Castel Frères hat in den letzten Jahren verstärkt auf Nachhaltigkeit und Innovation gesetzt. Ein Großteil der eigenen Rebflächen ist nach dem Umweltstandard Terra Vitis zertifiziert, einem französischen Nachhaltigkeitssiegel für Weinbau, das auf umweltverträgliche Bewirtschaftung, Rückverfolgbarkeit und den Schutz von Boden und Wasser zielt.[10] Zudem wurde 2017 mit „Graine d’Envie“ eine alkoholfreie Weinlinie eingeführt, um jüngere Zielgruppen anzusprechen.[11]

Neben dem Weinsektor ist die Gruppe, deren Kern Castel Frères bildet, auch in anderen Getränkebereichen aktiv. Über die Tochtergesellschaft Brasseries Castel gehört sie zu den größten Brauereibetreibern Afrikas und produziert bzw. vertreibt Marken wie Flag, Castel Beer, 33 Export und Stella. Der Konzern ist in über 20 afrikanischen Staaten vertreten und kontrolliert zahlreiche lokale Brauereien, die teils aus Übernahmen des französischen Konzerns Brasseries et Glacières Internationales hervorgingen.[12] Neben alkoholischen Getränken vertreibt Castel Frères auch Mineralwasser und Erfrischungsgetränke – häufig in Kooperation mit The Coca-Cola Company, für die die Gruppe in mehreren afrikanischen Ländern die Abfüllrechte hält.[13] Diese Aktivitäten machen den Familienkonzern zu einem der größten Getränkeanbieter des afrikanischen Kontinents.

Im Laufe der Jahrzehnte wuchs Castel Frères durch den Erwerb zahlreicher Weingüter, darunter Château Barreyres (Cru Bourgeois), Château du Lys (Languedoc) und Château d’Arcins (Haut-Médoc).[2] Diese strategischen Zukäufe stärkten die Präsenz des Unternehmens im Qualitätssegment. Parallel dazu expandierte die Gruppe im Bereich des Handels mit Markenweinen, insbesondere über die Vertriebslinien von Castel Vins & Châteaux.[14]

Trotz seines globalen Engagements fühlt sich Castel Frères in Frankreich verwurzelt. Das Unternehmen zählt dort zu den wichtigsten Akteuren des Weinsektors, der von einem anhaltenden Strukturwandel geprägt ist. Der Konzern steht für die Verbindung industrieller Weinproduktion mit einer weitgehend familiären Eigentümerstruktur – ein Modell, das im französischen Weinhandel selten geworden ist.[15]

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI