Castello Longhi

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Das Castello Longhi ist eine Burg aus dem 11. Jahrhundert in der Gemeinde Fumone in der italienischen Region Latium. Sie liegt in der Via Umberto I, 27.

Schnelle Fakten
Castello Longhi
Castello Longhi in Fumone

Castello Longhi in Fumone

Staat Italien
Ort Fumone
Entstehungszeit 11. Jahrhundert
Burgentyp Höhenburg
Erhaltungszustand gut erhalten
Bauweise Bruchstein
Geographische Lage 41° 44′ N, 13° 17′ O
Höhenlage 781 m s.l.m.
Castello Longhi (Latium)
Castello Longhi (Latium)
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Geschichte

Die Burg von Fumone war die bedeutendste militärische Festung des Kirchenstaates im unteren Latium; sie wurde über 500 Jahre lang – vom 11. bis zum 16. Jahrhundert – als Ausguck genutzt. Die Rauchzeichen, die vom hohen Turm gesandt wurden, informierten die gesamte Provinz Campagna e Marittima, dass Feinde die Via Casilina betreten hatten, und riefen die Bevölkerung dazu auf, Schutz zu suchen. Daraus entstand das Sprichwort Quando Fumone fuma, tutta la campagna trema (dt.: Wenn Fumone raucht, zittert die gesamte Campagna) und auch der Name des Ortes ist davon abgeleitet. Dank seiner strategisch bedeutenden Lage erwies sich Fumone in der Geschichte als uneinnehmbare Festung und auch die Eroberungsversuche von Friedrich Barbarossa und Heinrich IV. blieben erfolglos; nur Papst Gregor IX. gelang die Einnahme im 13. Jahrhundert, aber friedlich und gegen Zahlung einer immensen Geldsumme.[1]

1121 war in der Burg von Fumone Maurizio Bordino, der französische Gegenpapst Gregor VIII. inhaftiert und starb dort; Papst Calixt II. hatte ihn dorthin geschickt; die Leiche des Gegenpapstes wurde in der Burg beerdigt und nie mehr wieder aufgefunden. Die bedeutendste Episode trug sich dort 1295 zu, als Papst Coelestin V. (unter dem Spitznamen „Pietro da Morrone“ bekannt) dort eingesperrt wurde. Nach einer Haftdauer von 10 Monaten starb er in Fumore am 19. Mai 1296; seit dieser Zeit begann das Herrenhaus auch ein bedeutender spiritueller Ort zu sein. Im Laufe des 16. Jahrhunderts aber verfiel die Festung, da sie ihre militärische Bedeutung verloren hatte und an ihr keine Erhaltungsarbeiten mehr durchgeführt wurden; aus diesem Grund entschied Papst Sixtus V. 1584, dass, weil Coelestin V. dort verstorben war, dieser Ort als historischer Erinnerungsort erhalten werden müsste, und vermietete ihn an eine römische Adelsfamilie, die Markgrafen ‚‚Longhi‘‘. Sixtus V. wählte genau diese Adelsfamilie, weil deren Vorfahr Guglielmo, der von Coelestin V. zum Kardinal ernannt wurde, den Kult um ihn zu verbreiten begann und die Cölestiner, die von ‚‘Pietro da Morrone‘‘ gegründet worden waren, protegierte.[2]

Die Burg von Fumone wurde im Laufe der Jahre von der Familie Longhi in eine richtige Residenz umgebaut.[3][4] Auch heute noch befindet sich die Burg in privater Hand und wird von den heutigen Erben der Familie bewohnt.

Beschreibung

Wappen der Familie Longhi
Der Eingang zur Burg

Im Museum in der Burg sind interessante archäologische Fundstücke zu sehen und es ist auch ein hängender Garten enthalten, der von der Familie Longhi im 17. Jahrhundert angelegt wurde. Der hängende Garten, der aus der Vereinigung des Wehrgangs, der Gräben und der vier großen, inneren Türme abgeleitet ist, ist eines der seltenen Beispiele seiner Art in Europa und typisch für die klassische, italienische Gartenkunst. Wegen seiner Ausdehnung (3500 m²) gilt er als der größte in Europa unter denen, die sich auf einer vergleichbaren Höhe von etwa 800 Meter über dem Meeresspiegel befinden.[5]

In der Burg sind im ersten Obergeschoss zwei Orte erhalten, die mit Papst Coelestin V. zusammenhängen. Einer davon ist die Kapelle, die im 18. Jahrhundert zur Erinnerung an ihn gebaut wurde. Neben der Kapelle liegt die Zelle, in der er inhaftiert war und wo der ehemalige Papst die letzten 10 Monaten seines Lebens verbracht hat, praktisch lebend eingemauert.

Beim Besuch kann man darüber hinaus die Geschichte des kleinen Markgrafen Francesco Longhi hören, der mit nur 5 Jahren aus Erbschaftsgründen von seinen sieben Schwestern ermordet wurde; seine Mutter (die Herzogin Emilia Caetani) wollte, von ihrem Schmerz vollständig in den Wahnsinn getrieben, ihn nicht begraben lassen und ließ ihn einbalsamieren: Die Leiche des Kindes wird heute noch in einem Secretaire im Familienarchiv aufbewahrt.[1]

1966 besuchte Papst Paul VI. diesen Ort und hat in der Burg ein Votivkreuz zum Gedenken und zu Ehren seines Vorgängers Coelestin V. hinterlassen.

1990 haben die derzeitigen Besitzer der Burg, Stefano und Fabio de Paolis, sie öffentlich zugänglich gemacht: Es werden geführte Touren im Gefängnis von Papst Coelestin V., im hängenden Garten und im ersten Obergeschoss durchgeführt.

Einzelnachweise und Bemerkungen

Quellen

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