Catrin Seeger
deutsche Aktivistin und Feministin
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Catrin Seeger, geb. Hälbig (geb. 27. August 1959 in Karl-Marx-Stadt) ist eine deutsche Aktivistin und Feministin. Sie engagiert sich seit 1995 im Netzwerk der brandenburgischen Frauenhäuser[1] für Einrichtungen, in denen Frauen und Kinder Schutz vor Gewalt erhalten. Von 1992 bis 2025 leitete sie das Beratungs- und Krisenzentrum für Frauen in Rathenow. 2025 erhielt sie den Verdienstorden des Landes Brandenburg.
Leben
Beruflicher Werdegang
Catrin Hälbig wuchs seit 1962 in Lehnitz auf. Nach der 10. Klasse absolvierte sie an der Fachschule für Gesundheits- und Sozialwesen „Prof. Dr. Karl Gelbke“ in Potsdam ein dreijähriges Krippenpädagogik-Studium. Danach arbeitete sie als Erzieherin in einer Kinderkrippe. 1982 heiratete sie, bekam einen Sohn und zog nach Rathenow.
Sie wurde schon früh sensibilisiert für Frauen und Kinder, die Gewalt erlebt hatten. Dazu trugen eigene Erfahrungen aus ihrer Kindheit bei. Auch nahm sie bei ihrer Arbeit in einer Rathenower Kinderkrippe Spuren von Misshandlungen an Müttern wahr. In der DDR war jedoch das Thema Gewalt an Frauen tabu.
Gründung eines Frauenhauses
Von der Eröffnung des Frauenhauses Neubrandenburg im Juli 1990 erfuhr Catrin Seeger aus der Gewerkschaftszeitung „Tribüne“. Dies war die Initialzündung für die Einrichtung eines solchen Hauses in Rathenow. Sie kündigte ihre Arbeit als stellvertretende Krippenleiterin. Gemeinsam mit drei anderen Frauen baute sie ab September 1992 auf ABM-Basis eine ehemalige Kinderkrippe zu einem Frauenhaus um. Die Trägerschaft übernahm zunächst der Westhavelländische Familienverband „Neue Erziehung e.V.“, in dem Seeger Mitglied war.[2] Das Haus eröffnete am 28. Januar 1993.[3] Seeger führte bis November 2025 die Geschäfte. Zudem war sie an der Gründung des nachfolgenden Trägervereins des Hauses, dem Unabhängigen Frauenverein Rathenow, am 15. Februar 1994 beteiligt. Hier war sie von Beginn an im Vorstand aktiv und hat den Vorsitz inne.[4] Viele Jahre kämpfte Seeger für ein größeres Frauenhaus in Rathenow, denn das alte kann den Bedarf nicht decken. Geld dafür wurde 2023 bewilligt. Seitdem hat sie zusätzliche Spenden akquiriert, den Umbau mitgeplant und die Baustelle mitbetreut – so wie schon 1992. Am 9. Dezember 2025 übergab die Stadt Rathenow das neue Haus an den Unabhängigen Frauenverein Rathenow.[5][6]
Ihren Abschluss als Sozialarbeiterin erwarb Catrin Seeger 1995 durch eine berufsbegleitende Ausbildung für Frauenhausmitarbeiterinnen in Brandenburg. Später ließ sie sich zur Systemischen Psychotherapeutin und Familientherapeutin ausbilden.
Ehrenamtliches Engagement
In Rathenow war sie Mitinitiatorin der Aktion „One Billion Rising“, mit der seit 2012 am Valentinstag weltweit auf die Gewalt gegen Frauen und Mädchen aufmerksam gemacht wird.[7][8]
Engagement im Netzwerk der brandenburgischen Frauenhäuser
Um den Aufbau von Frauenschutzeinrichtungen in den neuen Bundesländern voranzutreiben und eine adäquate Ausbildung für deren Mitarbeiterinnen durchzusetzen, gründeten sich ab 1991 Landesarbeitsgemeinschaften.[9] Die Landesarbeitsgemeinschaft der Frauenhäuser in Brandenburg fand sich 1992 zusammen, mitinitiiert von Catrin Seeger.[10] Daraus entstand am 14. März 1995 das Netzwerk der brandenburgischen Frauenhäuser e.V. Catrin Seeger gehört bis heute dem Vorstand an. Als die Stelle der Netzwerk-Koordinatorin jahrelang nicht mehr finanziert wurde, übernahm sie gemeinsam mit Vorstandskolleginnen von 2003 bis 2016 die ehrenamtliche Koordination – neben der Leitung des Beratungs- und Krisenzentrums für Frauen in Rathenow, wie das Frauenhaus seit 2006 heißt.
Kommunalpolitik
Catrin Seeger vertrat von 1998 bis 2003 die Wählergemeinschaft Pro Rathenow e.V. im Kreistag Havelland.[11][12]
Ehrungen und Auszeichnungen
2014 erhielt Catrin Seeger den Hexenbesen-Preis des Autonomen Frauenzentrums Potsdam.[13] Am 13. Juni 2025 verlieh ihr der brandenburgische Ministerpräsident Dietmar Woidke den Verdienstorden des Landes Brandenburg.[14] Im selben Jahr bekam Catrin Seeger den Bürgerpreis der Stadt Rathenow.[15]
Literatur
- Catrin Seeger (Hg.): 30 Jahre Beratungs- und Krisenzentrum für Frauen in Rathenow: Mehr als nur ein Dach über dem Kopf. Rathenow 2023.
- Jeanette Toussaint: Ein Besen für mutige Frauen. Siebenundzwanzig Gesichter und ein Preis. Potsdam 2016, S. 120/121.
- Jeanette Toussaint: Eigentlich wollen wir uns selbst abschaffen. Die Geschichte des Netzwerks der brandenburgischen Frauenhäuser. Potsdam 2025