Cereulid

chemische Verbindung From Wikipedia, the free encyclopedia

Cereulid ist ein hitzestabiles emetisches Toxin, das von virulenten Bacillus cereus gebildet wird.[3] Es ist ein zyklisches Depsipeptid und ähnelt strukturell Valinomycin.

Schnelle Fakten Strukturformel, Allgemeines ...
Strukturformel
Allgemeines
Name Cereulid
Andere Namen
  • (D-Ala-D-O-Leu-L-Val)3
  • cyclo(D-O-Leu-D-Ala-L-O-Val-L-Val)3
  • cyclo(Leu-Ala-Val-Val)3
Summenformel C57H96N6O18
Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer 157232-64-9
PubChem 10057089
ChemSpider 8232646
Wikidata Q14949467
Eigenschaften
Molare Masse 1152 g·mol−1
Aggregatzustand

fest[1]

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung[2]
Gefahrensymbol

Gefahr

H- und P-Sätze H: 300+310
P: 262264270280301+310302+352310[2]
Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0°C, 1000 hPa).
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Wirkung

Cereulid wirkt wie Valinomycin als Ionophor und stört durch den Transport von Kaliumionen das Membranpotential von Zellen. Das Toxin kann bereits innerhalb von 30 Minuten nach Verzehr Übelkeit und Erbrechen auslösen, weil es auch an den 5-HT-3-Rezeptor bindet. Die Beschwerden klingen in der Regel innerhalb weniger Tage von selbst wieder ab. Sehr selten kommt es zu schweren Krankheitsverläufen durch Leber- und Hirnschäden.[4] Wegen der Thermostabilität kann das Toxin Erhitzungsvorgänge bei der Lebensmittelzubereitung überstehen und kann daher ein Problem für die Lebensmittelsicherheit insbesondere in prozessierten Lebensmitteln und Essensresten darstellen.[5] Eine Vergiftung durch Cereulid wird häufig im Zusammenhang mit dem Verzehr von falsch gelagerten stärkehaltigen, gekochten Lebensmitteln wie Reis oder Nudeln beobachtet (Fried Rice Syndrome).[6][4][5]

Biosynthese

In der Bakterienzelle wird es über eine nichtribosomale Peptidsynthetase gebildet.[7]

Nachweis

Der Nachweis kann in einem Bioassay mit Eberspermatozoen erfolgen.[8] Zudem existiert eine Methode mittels Flüssigchromatographie mit Massenspektrometrie-Kopplung nach DIN EN ISO 18465.[9] Der Schnelltest auf Cereulid erhielt den Otto-von-Guericke-Preis für das Jahr 2016.[10]

Grenzwerte

Im Zuge von Rückrufen von Säuglingsnahrung schlug die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit am 2. Februar 2026 eine zulässige Maximalkonzentration von 0,054 Mikrogramm pro Liter in Säuglingsnahrung bzw. 0,1 µg/L in Folgenahrung vor, um die empfohlene Tageshöchstdosis von 0,014 µg Cereulid pro kg Körpergewicht einzuhalten.[11][12]

Einzelnachweise

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