Kestos
antike Bezeichnung für geschmückte, im Brustbereich getragene Gürtel
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Das altgriechische Kestos (latinisiert Cestos und ab der Spätantike auch regulär lateinisch Cestus)[1] war bei den Griechen und Römern der Antike eine Bezeichnung für eine Art oder verschiedene Arten von Gürtel.
Sowohl im Griechischen als auch im Lateinischen gab es verschiedene Bezeichnungen für Gürtel, bei denen nicht immer klar ist, ob sie sich auf unterschiedliche Formen und Varianten des Kleidungsstücks bezogen oder dieselbe Sache bezeichneten.[2] Das altgriechische Wort κεστός (kestos) bedeutete ursprünglich lediglich „gestickt“ oder „bestickt“. In Homers Ilias als der ältesten Quelle findet sich das Wort zunächst in der zusammengesetzten Bezeichnung κεστός ἱμὰς ποικίλος („bestickter, bunter Riemen“) und bezeichnet dort den Gürtel der Aphrodite (lateinisch cestus Veneris), einen magischen Gegenstand, der den Liebeszauber der Göttin bewirkt.[3] Davon ausgehend wurde Kestos oder lateinisch Cestus in späteren Jahrhunderten der Antike auch in selbstständiger Form eine Bezeichnung für Gürtel, ohne vermutlich eine bestimmte konkrete Form des Kleidungsstücks zu meinen.[4] Allerdings wird aufgrund der Angaben zum homerischen Gürtel der Aphrodite angenommen, dass auch der spätere Begriff Kestos/Cestus in seiner allgemeineren Bedeutung eher einen um die oder direkt unterhalb der weiblichen Brust angelegten Gürtel bezeichnete – ähnlich dem Strophion und im Gegensatz zu anderen Gürtelformen wie dem Zingulum, die niedriger am Körper getragen wurden und das Gewand um die Taille gürteten.[5] Tendenziell scheint es sich bei den Gürteln, die als Kestos/Cestus bezeichnet wurden, um reich verzierte Gegenstände gehandelt zu haben, die mit Verführung und anmutiger Ausstrahlung bis hin zu magischen Kräften assoziiert waren.[6]
Der Philologe Christopher A. Faraone vermutete, dass das Anlegen eines Gürtels ähnlich dem homerischen Kestos zu einem traditionellen (vorhomerischen) Hochzeitsritual gehörte.[7]
Vom Cestus zu unterscheiden ist der Caestus, teilweise ebenfalls Cestus geschrieben, der Handschuh der antiken Faustkämpfer.
Literatur
- Robert Coleman: Cestum in Varro R. R. 1,8,6. In: Hermes. Band 86, 1958, S. 383–384.
- August Hug: Κεστός. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Supplementband IV, Stuttgart 1924, Sp. 902.
- Rolf Hurschmann: Gürtel II. In: Der Neue Pauly (DNP). Band 5, Metzler, Stuttgart 1998, ISBN 3-476-01475-4, Sp. 8–9.
- Edmond Saglio: Cingulum. In: Dictionnaire des Antiquités Grecques et Romaines. Band 1,2, Hachette, Paris 1887, S. 1174–1182, hier S. 1176 (online).
- Claudia Schopphoff: Der Gürtel. Funktion und Symbolik eines Kleidungsstücks in Antike und Mittelalter (= Pictura et poesis. Band 27). Böhlau, Köln/Weimar 2009, ISBN 978-3-412-20226-2.
- Wolfgang Speyer: Gürtel. In: Reallexikon für Antike und Christentum. Band 12, Anton Hiersemann, Stuttgart 1981, ISBN 3-7772-8145-X, Spalte 1232–1266, hier Spalte 1237–1238, 1241–1242 und 1254.