Chalkostibit

Mineral aus der Gruppe der Sulfosalze From Wikipedia, the free encyclopedia

Chalkostibit, veraltet auch als Kupferantimonglanz, Wolfsbergit oder Rosit bekannt, ist ein eher selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ mit der chemischen Zusammensetzung CuSbS2[2] und damit chemisch gesehen ein Kupfer-Antimon-Sulfid.

Schnelle Fakten Allgemeines und Klassifikation, Kristallographische Daten ...
Chalkostibit
Chalkostibit-Kristalle aus der Boldut Mine bei Cavnic in Rumänien
(Bildbreite: 2 mm)
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Symbol

Ccsb[1]

Andere Namen
  • Kupferantimonglanz
  • Wolfsbergit
Chemische Formel CuSbS2[2][3]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Sulfide und Sulfosalze
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

II/D.02
II/E.04-010[4]

2.HA.05
03.07.05.01
Kristallographische Daten
Kristallsystem orthorhombisch
Kristallklasse; Symbol orthorhombisch-dipyramidal; 2/m2/m2/m[5]
Raumgruppe Pnma (Nr. 62)Vorlage:Raumgruppe/62[2]
Gitterparameter a = 6,03 Å; b = 3,80 Å; c = 14,51 Å[2]
Formeleinheiten Z = 4[2]
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 3 bis 4
Dichte (g/cm3) gemessen: 4,95; berechnet: 5,011[6]
Spaltbarkeit vollkommen nach {010}, weniger gut nach {001} und {100}
Bruch; Tenazität uneben bis fast muschelig, spröde
Farbe bleigrau bis eisenschwarz; blau, grün oder bunt anlaufend
Strichfarbe bleigrau
Transparenz undurchsichtig
Glanz Metallglanz
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Chalkostibit kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem und entwickelt meist prismatische, parallel zu den Flächen der b-Achse abgeflachte und gestreifte Kristalle bis etwa 16 Zentimetern Länge. Er kommt aber auch in Form von körnigen oder massigen Mineral-Aggregaten vor. Das Mineral ist in jeder Form undurchsichtig und von bleigrauer bis eisenschwarzer Farbe bei bleigrauer Strichfarbe. Frische Proben zeigen einen starken metallischen Glanz auf den Oberflächen. Allerdings läuft das Mineral gelegentlich blau, grün oder auch buntfarbig an.

Mit einer Mohshärte von 3 bis 4 liegt Chalkostibit zwischen den Referenzmineralen Calcit (3) und Fluorit (4), lässt sich also mit einer Kupfermünze gerade noch, mit einem Taschenmesser dagegen leicht ritzen.

Etymologie und Geschichte

Erstmals entdeckt wurde Chalkostibit in der Graf Jost-Christian-Zeche bei Wolfsberg in Sachsen-Anhalt. Nach diesem Fundort erhielt das Mineral 1849 durch James Nicol auch seinen Beinamen Wolfsbergit.

Wissenschaftlich beschrieben wurde das Mineral erstmals 1835 durch Johann Ludwig Carl Zincken sowie Heinrich Rose, der die Analyse des Materials durchführte. Diese bezeichneten das neue Mineral aufgrund seines hohen Kupfer- und Antimongehaltes zunächst als Kupferantimonglanz. Roses Bruder Gustav ergänzte zusätzlich eine kurze Beschreibung der Kristallmorphologie, nachdem es ihm gelungen war, auch einige messbare Kristalle in den Proben zu finden. Demnach hatten diese die Form von „geschobenen, vierseitigen Prismen, die an den scharfen Seitenkanten sehr stark abgestumpft erscheinen.“

1841 wählte Jean Jacques Nicolas Huot in seinem „Manuel de Minéralogie“ zu Ehren der Brüder Gustav und Heinrich Rose den Namen Rosit. Sechs Jahre später übernahm Ernst Friedrich Glocker in seinem Werk „Generum et Specierum Mineralium Secundum Ordines Naturales digestorum Synopsis“ die Bezeichnung von Zincken, wandelte sie allerdings in seine bis heute gültige, griechisch-lateinische Form Chalkostibit (auch Chalcostibites) nach dem griechischen Wort Χαλκός für Kupfer und dem lateinischen Wort stibium für „(Grau-)Spießglanz“ bzw. Antimon ab.

Da der Chalkostibit bereits lange vor der 1958 gegründeten International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und der Chalkostibit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral bezeichnet.[3] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von MineralName lautet „Ccsb“.[1]

Ein Aufbewahrungsort für das Typmaterial des Minerals ist nicht dokumentiert.[7]

Klassifikation

Bereits in der zuletzt 1977 überarbeiteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Chalkostibit zur Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort zur Abteilung „Komplexe Sulfide (Sulfosalze)“, wo er zusammen mit Cuprobismutit, Emplektit und Wittichenit sowie im Anhang mit Berthierit die „Kupferspießglanz-Gruppe“ mit der Systemnummer II/D.02 bildete.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer II/E.04-010. Dies entspricht ebenfalls der Abteilung „Sulfosalze (S : As,Sb,Bi = x)“, wo Chalkostibit zusammen mit Cuprobismutit, Emplektit, Grundmannit, Hansblockit, Hodrušit, Kupčíkit, Pizgrischit, Příbramit und Quijarroit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer II/E.04 bildet.[4]

Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[8] 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Chalkostibit in die neu definierte Abteilung der „Sulfosalze mit SnS als Vorbild“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach den in der Verbindung vorherrschenden Metallen. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit Cu, Ag, Fe (ohne Pb)“ zu finden, wo es zusammen mit Emplektit die „Chalkostibitgruppe“ mit der Systemnummer 2.HA.05 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Chalkostibit die System- und Mineralnummer 03.07.05.01. Dies entspricht ebenfalls der Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort der Abteilung „Sulfosalze“, wo das Mineral zusammen mit Emplektit in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 03.07.05 innerhalb der Unterabteilung „Sulfosalze mit dem Verhältnis z/y = 2 und der Zusammensetzung (A+)i(A2+)j [ByCz], A = Metalle, B = Halbmetalle, C = Nichtmetalle“ zu finden ist.

Kristallstruktur

Chalkostibit kristallisiert isotyp mit Emplektit im orthorhombischen Kristallsystem in der Raumgruppe Pnma (Raumgruppen-Nr. 62)Vorlage:Raumgruppe/62 mit den Gitterparametern a = 6,03 Å; b = 3,80 Å und c = 14,51 Å sowie 4 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[2]

Eigenschaften

Vor dem Lötrohr schmilzt Chalkostibit sehr leicht, wobei die Kristalle knisternd in kleine Blättchen zerspringen (decrepitieren).

Chalkostibit ist spröde und weist aufgrund seines schichtartigen Aufbaus eine vollkommene Spaltbarkeit rechtwinklig zur b-Achse auf. Nach allen anderen Richtungen spaltet er weniger gut und bricht uneben bis schwach muschelig.

Bildung und Fundorte

Chalkostibit auf Siderit aus Saint-Pons, Alpes-de-Haute-Provence, Frankreich (Größe: 2,6 cm × 1,7 cm × 1 cm)
Buntfarbig angelaufener Chalkostibit zusammen mit Tetraedrit und Calcit aus der Boldut Mine bei Cavnic in Rumänien
(Größe: 9,9 cm × 5,2 cm × 3,1 cm)

Chalkostibit bildet sich in hydrothermal-Adern auf Erz-Gängen. Begleitminerale sind unter anderem Andorit, Baryt, Chalkopyrit, Dadsonit, Jamesonit, Pyrit, Quarz, Siderit, Stannit, Stibnit und Tetraedrit.

Als eher seltene Mineralbildung kann Chalkostibit an verschiedenen Fundorten zum Teil zwar reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er aber wenig verbreitet. Weltweit sind bisher etwas mehr als 200 Vorkommen dokumentiert (Stand 2026).[9] Neben seiner Typlokalität „Graf Jost-Christian-Zeche“ bei Wolfsberg in Sachsen-Anhalt trat das Mineral in Deutschland noch in der Grube „Segen Gottes“ bei Haslach im Kinzigtal-Schnellingen in Baden-Württemberg (der Fundort Sulzburg ist fraglich), bei Brandholz-Goldkronach und in der Grube „Bayerland“ bei Pfaffenreuth (Leonberg (Oberpfalz)) in Bayern, in der Grube „Bergmannstrost“ bei Sankt Andreasberg in Niedersachsen, in der Caspari-Zeche und bei Ramsbeck in Nordrhein-Westfalen sowie am Moschellandsberg bei Obermoschel in Rheinland-Pfalz auf.

In Österreich fand sich Chalkostibit bisher am Mischlinggraben bei Kliening in der Kärntner Gemeinde Bad St. Leonhard im Lavanttal, im Silberbergwerk „Knappenstube“ am Hochtor in Salzburg, bei Oberzeiring in der Steiermark sowie an mehreren Orten des östlichen und nördlichen Tirol (Inntal, Pustertal).

Erwähnenswert aufgrund außergewöhnlicher Chalkostibitfunde ist unter anderem Rar-el-Anz im Wadi Cherrat in der marokkanischen Präfektur Casablanca, wo mit Azurit und Malachit vergesellschaftete Chalkostibitkristalle von bis zu 10 cm Größe gefunden wurden.[10] Schön entwickelte Kristalle von bis zu 1,5 cm Größe und meist auf Siderit aufgewachsen fanden sich auch bei Saint-Pons im französischen Département Alpes-de-Haute-Provence.[11] In der „Boldut Mine“ bei Cavnic in Rumänien traten vor allem blättrige und rosettenförmige Aggregate auf Quarz oder Dolomit aufgewachsen zutage.[12]

Weitere Fundorte liegen unter anderem in Argentinien, Aserbaidschan, Australien, Bolivien, China, Kanada, Griechenland, Grönland, Italien, Japan, Kasachstan, Kirgisistan, Luxemburg, Mexiko, der Mongolei, Neuseeland, Peru, Russland, der Slowakei, Spanien, Südafrika, Tadschikistan, Tschechien, Tunesien, Ukraine, Ungarn, Usbekistan und den Vereinigten Staaten von Amerika (USA).[13]

Die bisher bekannten norwegischen Fundorte am Bjøllåga in Rana und „Jakobsbakken Mine“ bei Sulitjelma (Fauske) sind entweder fraglich oder konnten nicht bestätigt werden.

Siehe auch

Literatur

Commons: Chalkostibit – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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