Charles Cullis
US-amerikanischer Arzt, Seelsorger, Autor und Führer der Heiligungsbewegung in Nordamerika
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Charles Cullis (* 7. März 1833 in Cambridge (Massachusetts), Massachusetts, Vereinigte Staaten; † 18. April 1892 in Boston, Massachusetts, USA) war ein US-amerikanischer Arzt, Seelsorger, Autor und Führer der Heiligungsbewegung in Nordamerika.
Leben und Wirken
Cullis war ein Sohn von John Cullis und Ann Saunders Cullis, die von England her in die Vereinigten Staaten ausgewandert waren. Die Familie besuchte die Episkopalkirche, wo er auch an deren Sonntagsschule teilnahm. Als Kind war er oft krank und einsam, mit 16 Jahren begann er in einem Laden für Trockenwaren zu arbeiten. Mit 19 Jahren konnte er nur noch wispern und musste seine Arbeit aufgeben. Orren Strong Sanders, ein befreundeter Arzt, öffnete seine Bibliothek für ihn und nahm ihn mit auf seine Arztbesuche. Dieser veranlasste, dass Cullis schließlich Medizin studieren konnte. Nach dem Studium behandelte Cullis viele Patienten, die Tuberkulose oder Schwindsucht hatten.
Er verließ 1861 nach dem Tod seiner ersten Frau Sanders Haus und eröffnete eine eigene Arztpraxis, mit der er schnell erfolgreich wurde. Von seinem verdienten Geld gab er viel weiter, und er begann auch ernsthaft Gott zu suchen. 1862 besuchte er Dienstagstreffen zur Förderung der Heiligung, die von der Methodistin Phoebe Palmer gegründet worden waren. Er studierte gründlich die Texte der Bibel, und er entdeckte dabei die Gnade Gottes, die Rechtfertigung durch Jesus Christus und einen damit verbunden persönlicheren Glauben. Er fühlte sich von Gott her berufen, ein Haus für unheilbar kranke, hilflose, arme und einsame Menschen zu führen. 1864 konnte er ein erstes Haus eröffnen, und bald darauf folgten drei weitere Häuser, die den Namen Habe Glauben in Gott (englisch: Have Faith in God) trugen. In den nächsten dreißig Jahren wurden dort etwa 2000 kranke Personen behandelt.
In den nächsten Jahren konnte Cullis weitere Häuser gründen, so je eines für Arbeiter, für Krebskranke, für Behinderte und für Waisen. Es folgten ein Missionshaus, eine Kapelle und eine Schule für Personen, die ein Glaubenstraining absolvierten. Er unterstützte auch die Beacon Hill−Kirche an der Bowdoin Street in Boston. Das Willard Tract Repository wurde geschaffen, um seine und weitere Publikationen zu drucken. Cullis gab ab 1869 den jährlichen Consumptives Home Report und den monatlichen Times of Refreshing heraus. Er förderte die Heiligungs- (englisch: Holiness) und die Abstinenzbewegung, er sprach häufig an Treffen der Women's Christian Temperance Union (WCTU). Er arbeitete auch im Vorstand der Massachusetts Homeopathic Medical Society, die das New England Homeopathic Hospital und das New England Homeopathic College gründeten. Das College erhielt später den Namen Boston University School of Medicine.
1870 zog er von der Stadt Boston aufs Land hinaus, weil er erkannt hatte, dass gute Luft, gesunde Ernährung und Gebet zur Heilung von Tuberkulosekranken beitrugen. Im gleichen Jahr gab er die Faith Hymns (deutsch: Glaubenslieder) heraus, ein Jahr später die Kinderzeitschrift Loving Words (Geliebte Worte). Im Sommer 1873 reisten Cullis und seine Frau mit William Edwin Boardman und seiner Frau nach Europa. Sie besuchten verschiedene Personen, Einrichtungen und Orte, wo für Kranke gebetet wurde, so auch Dorothea Trudel in Männedorf bei Zürich, um von ihrem Glauben zu lernen.
1874 schrieb er The King of Love, und Boardman Faith Works, wo er auf Cullis Publikationen Bezug nahm und ihn dadurch international bekannter machte. 1875 veröffentlichte Cullis das Buch Work for Jesus: the Experience and Teachings of Mr. and Mrs. Boardman, 1879 folgte Faith Cures, or Answers to Prayer in the Healing of the Sick, worin es um Gebet und Glaubensheilung ging. In Boston war Cullis eine umstrittene Figur, weil einige Theologen und Kirchen gegensätzliche Haltungen zu seinen Glaubensheilungen einnahmen. 1881 begann Cullis mit sogenannten Treffen von Glaubenskuren (faith cures), 1882 wurde ein entsprechendes Heim erbaut, das dem Beispiel von Dorothea Trudel entsprach.
Ab 1885 führte er Glaubenskonferenzen (Faith Conventions) in Massachusetts, Maine und New Hampshire durch. Pastor Albert Benjamin Simpson besuchte eine dieser Konferenzen in Old Orchard Beach in Maine, R. Kelso Carter wurde durch Cullis Gebet geheilt und wurde daraufhin sein Freund und Unterstützer. In Intervale Park in New Hampshire erwarb er Land, damit er seine eigenen Konferenzen durchführen konnte, wozu er auch Gastredner einlud und wo am Schluss für viele Kranke gebetet wurde. Vor 1890 gab es in den USA über 25 Glaubensheime (faith homes), die meisten waren mit der Christian and Missionary Alliance verbunden. 1889 veröffentlichte er Songs of Victory, deren Lieder seinen Konferenzen dienen sollten. Im Todesjahr 1892 konnte er noch die Predigtserie Tuesday Afternoon Talks publizieren.
Seine Gebets- und Glaubenshäuser blieben auch nach seinem Tod für ungefähr 25 Jahre bestehen, und über 4000 Patienten wurden dort behandelt.[1]
Familie
Cullis heiratete 1857 Huldah Chastina Morse Wentworth (1836–1861), eine Schwägerin des Arztes Orren Strong Sanders, und sie wohnten zuerst in Sanders Haus. Seine Frau wurde jedoch bald krank, und sie starb vier Jahre nach der Heirat, was ihn in eine Sinn- und Lebenskrise stürzte. 1866 heiratete Cullis die Witwe Lucretia Ann Bramhall Reed (1832 – 1921)[2], die eine Tochter namens Marie in die Ehe brachte. Im August 1867 wurde der gemeinsame Sohn Fred Huntington Cullis geboren, der jedoch knapp ein Jahr später starb. Es folgten noch drei weitere Kinder mit den Namen Charles, Elizabeth und Edith. Seine Frau unterstützte ihn maßgeblich in seinem geistlichen Dienst.[3]
Schriften (Auswahl)
- Consumptives Home Report. Jahreszeitschrift ab 1869.
- Times of Refreshing. Monatszeitschrift.
- Loving Words. 1871 (Kinderzeitschrift).
- The King of Love. 1874.
- Work for Jesus: the Experience and Teachings of Mr. and Mrs. Boardman. 1875.
- Faith Cures, or Answers to Prayer in the Healing of the Sick. 1879.[4]
- More Faith Cures: or Answers to Prayer in the Healing of the Sick. 1881.
- Other Faith Cures; or Answers to Prayer in the Healing of the Sick. 1885.
- Dorothea Trudel, or, The Prayer of Faith. 1885.
- Tuesday Afternoon Talks, 1892 (Predigten).
Liedersammlungen
- Faith Hymns. 1870.
- Songs of Victory. 1889.
Literatur
- Heather D. Curtis: Houses of Healing: Sacred Space, Spiritual Practice, and the Transformation of Female Suffering in the Faith Cure Movement, 1870–90, Church History, Vol. 75, N° 3, 2006, S. 598–611, Cambridge University Press, Cambridge 2006[5]
- William E. Boardman: Faith Work: Under Dr. Cullis in Boston. Willard Tract Repository, Boston 1874.
- W. H. Daniels: Dr. Cullis and his work. Willard Tract Repository, Boston 1885, ISBN 978-0-8240-6410-5.
- Heather D. Curtis: Faith in the Great Physician: Suffering and Divine Healing in American Culture, 1860–1900. Johns Hopkins University Press, 2007, ISBN 978-1-4214-0201-7.
- Oliver Lutz: Dorothea Trudel (1813–1862). Pionierin mit Charisma und Heilungsgabe, Theologischer Verlag Zürich (TVZ), Zürich 2024, S. 269–288.[6]
- Wilhelm Otto Roesermueller: Die göttliche Heilkunst Jesu, Hermann Bauer Verlag, Freiburg 1960, S. 3.[7]
- Roy Williams, George Thomas Kurian und Mark A. Lamport, eds: Encyclopedia of Christianity in the United States. Rowman & Littlefield, Lanham 2016, S. 670. ISBN 978-1-4422-4431-3.
Weblinks
- Benjamin Hartley: Charles Cullis, Gaetano Conte, and the Reconfiguration of the Evangelical Holiness Movement in Boston, 1860-1905, College of Christian Studies College of Christian Studies, George Fox University, Website digitalcommons.georgefox.edu (2011, englisch).
- Cullis, Charles (1833–1892), Website Hahnemann House Trust (englisch).
- The Man Who Believed God, Website healing and revival (2006, englisch).
- Grundinformationen zum Neupietismus, Forschungsstelle Neupietismus, Evangelische Hochschule Tabor Marburg, Website eh-tabor.de.
- Oliver Lutz: Healing and Discipleship Practised by Dorothea Trudel (1813–1862): The Transfer of Abilities in a Role Model of the Divine Healing Movement, Studia Historiae Ecclesiasticae, 50, 1, 2024, University of South Africa, Website unisapressjournals.co.za (2024, englisch, doi:10.25159/2412-4265/11587).