Charlotte Sempell

deutschamerikanische Historikerin From Wikipedia, the free encyclopedia

Charlotte Sempell, verheiratet Charlotte Klenbort, (geboren 8. Februar 1909 in Osnabrück; gestorben 21. September 1998 in New London (Connecticut)) war eine deutschamerikanische Historikerin.

Leben

Charlotte Sempell war eine Tochter des Verwaltungsjuristen und Wirtschaftsmanagers Oscar Sempell[1] (1876–1942) und der Hedwig Hasenclever (1884–1964), sie hatte zwei Brüder. Sie machte 1928 das Abitur an der Städtischen Deutschen Oberschule in Berlin-Zehlendorf. Sie studierte Geschichte in Berlin, Göttingen und München und wurde 1931 bei Karl Alexander von Müller promoviert. Danach hielt sie sich als Postdoc an der Columbia University in New York auf und belegte 1932/33 einen Französisch-Kurs bei der Alliance Francaise in Paris.

Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten 1933 verließ sie Deutschland und ging nach Paris. Unter den Emigranten lernte sie Heinrich Blücher und Hanna Arendt kennen. Blücher setzte sie als Kurier zu im Deutschen Reich verbliebenen Kommunisten ein, so besuchte sie in Berlin Hilde Benjamin, Frau des seinerzeit von der Gestapo verhafteten Georg Benjamin. Für Arendt verfasste sie Übersetzungen und verhalf ihrer Mutter 1939 zur Flucht aus Königsberg nach Paris. Zu Heinrich Blüchers Freundeskreis gehörte auch der russische Emigrant und Schriftsteller Chanan Klenbort (1910–1992, Pseudonym Hanan J. Ayalti), den sie 1940 heiratete, die Psychoanalytikerin Irena Klenbort (1943–1991) war ihre Tochter. Nach der deutschen Besetzung Frankreichs flüchteten sie nach Uruguay. Von dort gelang ihnen 1946 die Einreise in die USA, wo sie 1951 die Staatsbürgerschaft erhielten.

Lotte Sempell Klenbort arbeitete zwischen 1947 und 1974 als Lehrbeauftragte am Brooklyn College und wurde vom Lecturer zur Associate Professorin befördert. Sie forschte zur Biographie Otto von Bismarcks. Klenbort schrieb außerdem Gedichte in deutscher und englischer Sprache.

Schriften (Auswahl)

Schleswig-Holsteinische Frage (1932)
  • England und Preussen in der Schleswig-Holsteinischen Frage. Berlin: Ebering, 1932
  • Maximilian Robespierre als doktrinärer Revolutionär. Berlin: Ebering, 1935
  • Eberhard Westerkamp: Briefwechsel mit Lotte Klenbort geb. Sempell, Jamaika. 1948
  • Flucht zu Flucht. Gedichte. Der Vier-Groschen-Bogen. Folge 47/48. Dülmen: Kreis der Freunde, 1964
  • Aus zwei Welten : Gedichte. Übersetzung der englischen Texte Jürgen Pescheck. München: Relief-Verlag, 1967
  • Unbekannte Briefstellen Bismarcks, in: Historische Zeitschrift, 207, 1968, S. 609–616
  • Briefe der Eltern Bismarcks an seinen Bruder Bernhard, in: Historische Zeitschrift, 214, 1, 1972
  • Otto von Bismarck. New York: Twayne, 1972
  • Bismarck's Childhood: A Psychohistorical Study, in: History of Childhood Quarterly, 1974, 1, S. 107ff.
  • The soul does not age. Gedichte. Madison, CT: Two Elms, 1996

Literatur

  • Charlotte Sempell, in: Catherine Epstein: A past renewed : a catalog of German-speaking refugee historians in the United States after 1933. Cambridge: Cambridge University Press, 1993, S. 295f.
  • Lotte Sempell, in: Georg Wiesing-Brandes: Walter Benjamin. Das Pariser Adressbuch. Eine Biographie des Exils im Spiegel. Wädenswil: Nimus, 2025, S. 477f.

Einzelnachweise

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