Chaïma Issa
tunesische Dichterin, Schriftstellerin, Journalistin und Menschenrechtsaktivistin
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Chaïma Issa (arabisch شيماء عيسى, DMG Šaimāʾ ʿĪsā; * 13. Dezember 1979) ist eine tunesische Dichterin, Journalistin und Menschenrechtsaktivistin. Sie ist eine prominente Kritikerin des tunesischen Präsidenten Kais Saied und befindet sich seit Ende November 2025 wegen „Verschwörung gegen den Präsidenten“ in Haft. Sie gilt als erste Frau, die während der Amtszeit Saieds aus politischen Gründen inhaftiert wurde.[1][2]

Leben
Chaïma Issa ist Tochter eines Mitglieds der Mouvement de la Tendance Islamique (deutsch „Bewegung der Islamischen Tendenz“), Vorgängerin der heutigen tunesischen Partei Ennahda. Ihr Vater wurde aufgrund seines politischen Engagements in den 1990er Jahren inhaftiert. Issa studierte zunächst vergleichende Religionswissenschaft an der Universität Ez-Zitouna, bevor sie ihr Studium in Frankreich fortsetze und in Soziologie promovierte.[2]
Nach der Revolution in Tunesien 2010/2011 kandidierte sie bei der Parlamentswahl in Tunesien 2014 erfolglos für einen Sitz in der Volksrepräsentantenversammlung. Im Jahr 2020 arbeitete sie im Frauen- und Familienministerium Tunesiens.[2]
Nachdem Tunesiens Präsident Kais Saied im Juli 2021 das Parlament auflöste und seitdem einen Großteil der Macht auf sich konzentriert, trat Issa zunehmend als politische Aktivistin in Erscheinung. Sie wurde Mitglied der Oppositionspartei Front de salut national (FSN). Im Dezember 2022 gab Issa während eines Radiointerviews an, damit zu rechnen, dass das tunesische Militär auf Saieds zunehmend autoritären Führungsstil reagieren werde. Einige Wochen später wurde sie vor Gericht geladen, weil ihr vorgeworfen wurde, das Militär zur Meuterei angestiftet zu haben. Nach der Anhörung wurde sie allerdings zunächst wieder freigelassen.[1] Drei Monate später, am 22. Februar 2023 wurde Chaïma Issa verhaftet. Nachdem sie sich bei einer Veranstaltung mit ausländischen Diplomaten und tunesischen Oppositionellen getroffen hatte, um die politische Lage im Land zu diskutieren, wurde ihr eine „Verschwörung gegen die Sicherheit des Staates“ vorgeworfen.[3] Einschüchtern ließ sich Issa allerdings nicht. Eine Tirade gegen ihren Richter in dessen Büro, die heimlich mitgefilmt wurde, brachte ihr eine gewisse Berühmtheit in den sozialen Medien. Hierbei fragte sie den Richter unter anderem:
« C’est ça la Tunisie ? C’est ça la Tunisie où nous avons étudié vous et moi ? C’est ça la Tunisie dont on a rêvé ? »
„Ist das Tunesien? Ist das das Tunesien, in dem Sie und ich studiert haben? Ist das das Tunesien, von dem wir geträumt haben?“[2]
Im Juli 2023 wurde Issa gemeinsam mit dem ehemaligen Minister Lazhar Akremi, ebenfalls ein Gegner Saieds, aus der Untersuchungshaft entlassen.[4] Im Dezember desselben Jahres wurde sie von einem Militärgericht zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Issa durch mediale Äußerungen den Präsidenten beleidigt hatte.[5]
Am 29. November 2025 wurde Issa während einer Demonstration für Frauenrechte in Tunis festgenommen und inhaftiert. Am Tag zuvor war sie in einem der größten Prozesse der jüngeren tunesischen Geschichte wegen „Verschwörung gegen den Präsidenten“ zu 20 Jahren Haft verurteilt worden. Neben Issa wurden 33 weitere Personen zu Haftstrafen zwischen fünf und 45 Jahren verurteilt, darunter Ahmed Najib Chebbi, Vorsitzender des FSN, und der Menschenrechtsaktivist Ayachi Hammami.[6][7] Der Prozess führte zu Protesten in Tunis, das Europäische Parlament forderte die Freilassung aller politischen Gefangenen.[8]