Chikly
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Die kleine Insel Chikly (auch Chikli, Chekly oder Schikli geschrieben; arabisch شكلي) liegt in einem flachen See unmittelbar östlich der tunesischen Hauptstadt Tunis. Im Laufe von annähernd zwei Jahrtausenden wurde sie von zahlreichen Völkern genutzt und trägt heutzutage ein restauriertes Fort, das ursprünglich Mitte des 16. Jahrhunderts erbaut wurde. Aus ornithologischer Perspektive kommt der Insel eine immense Bedeutung als Lebensraum zahlreicher Zugvogelarten zu.


Lage
Chikly hat eine Fläche von etwa 3,5 Hektar und gehört administrativ zum Gouvernement Tunis. Im See von Tunis, der Ende des 19. Jahrhunderts künstlich durch Bauarbeiten geteilt wurde, befindet sich die Insel im Westen des nördlichen Abschnitts. Das nächste Ufer ist etwas mehr als einen Kilometer entfernt, der Hauptterminal des Flughafens Tunis befindet sich 3,3 Kilometer Luftlinie nördlich der Insel und der Torbogen Bab al-Bhar, der den Eingang zur Medina der tunesischen Hauptstadt markiert, vier Kilometer Luftlinie südwestlich. Das Eiland ist über einen 8,5 Kilometer langen Damm mit dem Festland verbunden. Er ist für Fußgänger und Fahrradfahrer zugänglich und zieht sich über nahezu die gesamte Länge des nördlichen Sees gen Nordosten, wo er seinen Ausgangspunkt in der Stadt La Goulette hat.
Geschichte
Die Bebauung der Insel datiert zurück bis in die Antike, als dort während des römischen Reiches eine Zitadelle stand. Im Zuge der Eroberung der Region durch die Vandalen wurden die Gebäude vermutlich im 5. Jahrhundert geschleift.[1] Ungefähr ein Jahrtausend lang blieb Chikly dann mehr oder weniger ungenutzt.
Nachdem die Spanier Tunis im Jahr 1535 von den Osmanen erobert hatten, ließ Luis Pérez de Vargas, der Gouverneur von La Goulette, zwischen 1546 und 1550 das nach dem Apostel Jakobus dem Älteren benannte Fort Santiago auf den Fundamenten der römischen Ruinen errichten. Unter der Leitung von Don Juan Zamoguerra führte man 1574 weitere Arbeiten durch,[2] doch noch im selben Jahr wurde das Bauwerk während der osmanischen Rückeroberung Tunis’ zerstört. Es lag dann erneut über acht Jahrzehnte in Trümmern, ehe es 1660 von Hadj Mustapha Laz, dem damaligen Dey von Tunis, restauriert wurde. Sowohl er als auch mehrere Beys nutzten es anschließend als Gefängnis, ehe Hammuda al-Husain es in ein Hospital umwandeln ließ. Dieses diente aufgrund seiner abgeschiedenen Lage einerseits dazu, von der Haddsch zurückkehrende Pilger[2] sowie Schiffsbesatzungen, die durch den Suezkanal aus dem Fernost gekommen waren, unter Quarantäne zu stellen, und andererseits zur Behandlung von anderen Patienten mit ansteckenden Infektionskrankheiten.[3]
Schließlich wurden die Gebäude 1830 gänzlich aufgegeben und dem Verfall überlassen.[2] Anfang der 1990er Jahre plante die Trabelsi-Familie, die Insel zu erwerben und dort ein Casino, Restaurants und V. I. P.-Freizeitzentren zu errichten. Gegen diese Ideen regte sich Widerstand; sie wurden aber erst 2006 vollständig aufgegeben.[4] Mittlerweile wird Chikly vom tunesischen Kultusministerium verwaltet. Sie ist zwar seit den 1990er Jahren öffentlich zugänglich,[1][3] wird jedoch aufgrund fehlender Hinweisschilder und der isolierten Lage kaum besucht. Eine regulierte touristische Nutzung sollte ab 2014 erfolgen, wurde allerdings bislang (Stand: November 2025) nicht initiiert.
Denkmalschutz und Archäologie
Insel und Ruinen nahm man 1922 – zur jener Zeit war Tunesien ein französisches Protektorat – in die Liste der historischen Stätten des Landes auf. Im Dezember 1993 wurde die Insel zum nationalen Kulturerbe erklärt und in den darauffolgenden zwei Jahren 1994 und 1995 kam es dort zu umfangreichen Arbeiten im Rahmen einer tunesisch-spanischen Kooperation zwischen dem tunesischen Institut für Nationales Erbe und der Universität Madrid. Einerseits wurde das Fort auf der Grundlage des Denkmalschutzgedankens restauriert und andererseits förderten archäologische Grabungen unter anderem Mosaike und Wandgemälde aus dem 4. und 5. Jahrhundert zutage.[2] Tatsächlich konnten auf der Insel archäologische Fundstücke aus all ihren Nutzungs- und Besiedlungsperioden geborgen werden – von den Phöniziern, den Römern, den Byzantinern, den Puniern, den Arabern, den Spaniern sowie den Osmanen.[3]
Naturschutz
Die Salzwiesen[1] Chiklys sind ein international bedeutsames Rast- und Bruthabitat für zahlreiche Zugvogelarten. Siebenundfünfzig Arten überwintern entweder auf der Insel oder sogar im Schutz der Festungsmauern.[4] Besonders bedeutsam sind dort die Populationen von Seidenreihern, Rosaflamingos, Möwen und Falken. Per Erlass des Landwirtschaftsministeriums wurde die Insel am 18. Dezember 1993 zum Naturschutzgebiet erklärt und darüber hinaus ist sie zwischen März und September als ornithologisches Schutzgebiet mit beschränktem Zutritt ausgewiesen.
Nachdem der tunesische Minister für lokale Angelegenheiten und Umwelt, Mokhtar Hammami, im Juli 2019 Pläne veröffentlicht hatte, Chikly in ein Kultur-, Tourismus- und Umweltzentrum verwandeln zu wollen, erhoben Naturschützer – vertreten durch den Verein Tunisie Ecologie – Einspruch und starteten eine Petition gegen das Vorhaben.[4]