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China Stone

Gesteinstyp im Cornwall, Beischlagstoff für die Porzellanherstellung From Wikipedia, the free encyclopedia

China Stone (auch Cornwall Stone) ist ein mittel- bis feinkörniger Granit aus der Gegend von St Austell, Cornwall, Vereinigtes Königreich. Er wird auch als St. Stephen’s Stone bezeichnet. In früheren Zeiten wurde er als Baumaterial verwendet, dann ab dem 18. Jahrhundert wegen seiner mineralischen Zusammensetzung für die Herstellung von englischem Porzellan. Ab der Mitte des 20. Jahrhunderts ging die Abbaumenge stark zurück, weil für die Porzellanproduktion zunehmend synthetische Alternativen genutzt wurden; im frühen 21. Jahrhundert wurde der Abbau ganz eingestellt.

Benennung

Der Name China Stone bezieht sich auf die Verwendung als Grundstoff für die Herstellung von Porzellan (englisch china). Im bauhistorischen Zusammenhang ist auch der Name St Stephen’s Stone gebräuchlich.[1] Dieser bezieht sich auf die Gemeinde (Civil Parish) St Stephen-in-Brannel, auf deren Gebiet ein großer Teil der Vorkommen zu finden ist.

Ähnliche Gesteine, die in anderen Teilen Englands, Wales und China vorkommen, werden gelegentlich in einem weiteren Sinne ebenfalls als „China Stone“ bezeichnet.[2]

Zusammensetzung und Entstehung

China Stone besteht hauptsächlich aus Natronfeldspat, Kalifeldspat, Quarz und Glimmer; in kleineren Anteilen sind auch Fluorit, Topas und Apatit und in einigen Fällen Kaolinit enthalten. Die Eignung als Flussmittel für die Keramikproduktion ergibt sich vor allem aus dem Fehlen eisenhaltiger Mineralien.[3]

Der Granitpluton von St Austell, welcher heute die Hügellandschaft des Hensbarrow bildet, entstand vor rund 290–280 Millionen Jahren.[4] Damals intruierte an mehreren Orten Magma in das Variskische Gebirgsmassiv ein, ohne die Erdoberfläche zu erreichen, und erkaltete im Untergrund als Pluton. Im Bereich des St-Austell-Plutons fanden drei magmatische Schübe statt. Der älteste im Osten erzeugte Biotit-haltigen Granit. Zwei jüngere Vorstöße im westlichen Bereich hinterließen unterschiedliche Arten von Granit, bei denen anstelle des eisenhaltigen Biotit-Glimmers lithiumhaltige Glimmer wie Zinnwaldit vorherrschten. Teilweise sind auch Turmalin und Fluorit zu finden. Während diese Granite später teilweise kaolinisierten und zur Grundlage des intensiven Kaolinbergbaues in der Region wurden, gab es auch eng begrenzte Bereiche, in denen die Kaolinisierung weniger oder gar nicht stattfand.

Verwendung als Baumaterial

China Stone als Baustein: Die Kirche in Probus (2023)

Aufgrund seiner blassen, silbrig wirkenden Färbung, seiner Feinkörnigkeit und der daraus resultierenden verhältnismäßig guten Bearbeitbarkeit hatte China Stone eine bis in das Mittelalter zurückreichende Tradition als Baustoff in der Region. Beispiele sind die Kirchen in Probus und Charlestown oder die Innenausstattungen der Kirche von St Stephen-in-Brannel und der Kathedrale von Truro.

Aufgrund der engen Verzahnung kaolinisierter und nicht kaolinisierter Bereiche sind viele der ehemaligen Steinbrüche mittlerweile dem Kaolinbergbau zum Opfer gefallen. Die Herkunftsorte des für bestimmte Bauwerke verwendeten Granites können daher teilweise, wenn überhaupt, nur aus Überlieferungen erschlossen werden.

Verwendung als Grundstoff für die Porzellanherstellung

William Cookworthy, einer der Pioniere der Porzellanherstellung in Europa, bereiste ab 1746 Cornwall und Devon auf der Suche nach mineralischen Vorkommen, die für die Herstellung von Porzellan verwendet werden konnten. Die theoretische Grundlage bildeten dabei zwei Berichte des französischen Jesuitenpaters Francois Xavier d’Entrecolles aus China aus den Jahren 1712 und 1722, in denen er die Herstellung von Porzellan beschrieb. Cookworthy fand einen Weg, das in Cornwall gefundene Material zu verarbeiten und damit Porzellan herzustellen, wobei er den (später so genannten) China Stone als Ersatz für das bei chinesischem Porzellan genutzte Petuntse einsetzte. Im Jahr 1768 ließ er diese Methode patentieren und gründete eine Porzellanfabrik in Plymouth.

Reste einer Wassermühle für China Stone im Carmears Wood oberhalb von St Blazey (2023)
Reste eines Mühlengebäudes für China Stone im Tregargus Valley bei St Stephen-in-Brannel (2018)

Der Abbau des China Stone in Cornwall nahm in den folgenden Jahrzehnten stark zu, zusammen mit dem ebenfalls dort zu findenden Kaolin (auch als „China clay“ bezeichnet).[5] Dies bedeutete auch für die Landschaft und die Ortschaften der Region eine enorme Entwicklung und Industrialisierung; die Abraumhalden insbesondere des China Clay dominieren dort weiterhin die Landschaft der ehemaligen Abbaugebiete.[6] Die Abbaumengen des China Stone waren geringer, da er nicht als Grundstoff der Porzellanherstellung, sondern nur als Zuschlagstoff genutzt wurde. Dafür wurde er im gängigen Tagebauverfahren in Steinbrüchen abgebaut, in Brocken zerteilt und dann in – oft durch Wasserräder angetriebenen – Mühlengebäuden zu einem feinen Pulver gemahlen.[7] Die dafür benötigten Mahlsteine wurden unter anderem im Steinbruch St Mewan Beacon in der gleichnamigen Gemeinde St Mewan abgebaut.[8] Der Höhepunkt der Abbautätigkeit des China Stone wurde in den 1950er Jahren erreicht, als etwa 70.000 Tonnen pro Jahr produziert wurden.[9] Lange wurde der Markt von der Firma English China Clay dominiert, die 1919 aus dem Zusammenschluss mehrerer Unternehmen entstanden war und 1999 von dem französischen Konzern Imerys aufgekauft wurde. English China Clay stieg jedoch schon 1973 aus dem Abbau von China Stone aus, womit Goonvean Ltd zum einzigen verbleibenden Produzenten wurde.

Der letzte Steinbruch, in dem China Stone abgebaut wurde, war Great Wheal Prosper[10] westlich des Ortes Nanpean.[11] Der dortige Abbau wurde 2006 eingestellt.[12] Die im United Kingdom Minerals Yearbook verzeichnete Produktion von China Stone, die 2001 noch knapp 3000 Tonnen jährlich betragen hatte, langte damit im Jahr 2008 bei Null an.[13] Während China Stone im überwiegenden Teil der Porzellanproduktion durch synthetische Alternativen ersetzt ist,[14] werden für spezielle Anwendungsfälle in der handwerklichen Keramikproduktion und für Restaurierungsarbeiten an historischen Bauwerken auch nach Schließung des letzten großen Steinbruchs noch kleine Mengen des Materials abgebaut.[15]

Literatur

  • Rita Margaret Barton: A history of the Cornish china-clay industry. Bradford Barton, Truro 1966.
  • Colin Bristow: Geology. In: Adrian Spalding, Stephen Hartgroves, John Macadam, Dave Owens (Hrsg.): The conservation value of abandoned pits and quarries in Cornwall. Historic Environment Service, o. O. 1999, ISBN 1-903798-00-0, S. 5–25, hier S. 12–13 (online).
  • P. A. Floyd, C. S. Exley, M. T. Styles: Igneous Rocks of South-West England. Springer, Dordrecht 1993, ISBN 0-412-48850-7, besonders S. 188–191.
  • R. C. Scrivener, D. E. Highley, D. G. Cameron, K. A. Linley, R. White: Mineral resource information for development plans phase one Cornwall. Resources and constraints. British Geological Survey, Nottingham 1997, S. 12 (online).

Einzelnachweise

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