Chipfabrik Frankfurt (Oder)
ehemaliges Industrieunternehmen
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Die Chipfabrik Frankfurt (Oder) (Communicant Semiconductor Technologies AG) war ein Großprojekt der brandenburgischen Landesregierung, das im Herbst 2003 endgültig scheiterte. Ursprünglich wollte die Landesregierung eine im Frankfurter Institut für Halbleiterphysik (IHP) entwickelte Technologie verwerten und auf diese Weise Arbeitsplätze in der Region schaffen.

Die Chipfabrik war einer der Nachfolger des Halbleiterwerks Frankfurt (Oder) (HFO). Intel und ein arabischer Großinvestor (DAFZA=Dubai Airport Freezone Authority) konnten von der Landesregierung als Partner für eine Foundry gewonnen werden. Frankfurt (Oder) war durch das vorhandene gut ausgebildete Personal und vor allem durch die Nähe des IHP, wo die entscheidende Technologie entwickelt worden war, ein attraktiver Standort. Das Projekt scheiterte nach einer intensiven kritischen Prüfung durch den Patentrechtsspezialisten Wolfgang Winzer[1] schließlich daran, dass eine Bürgschaft des Bundes zur Besicherung des Fremdkapitals wegen mangelnder Erfolgsaussichten nach der DotCom-Blase und der Konkurrenz zur Dresdener Chipfabrik von Infineon nicht zustande kam.[2][3]
Für das gescheiterte Projekt der Chipfabrik Frankfurt (Oder) sind insgesamt 223 Millionen Euro als verlorene Investitionen zu werten: die vom Emirat Dubai eingezahlten 145 Millionen Euro[4] und die bis November 2003 aus dem Potsdamer Wirtschaftsministerium in den Bau der Fabrik eingeflossenen 78 Millionen Euro[5].
Im November 2006 kaufte das Hamburger Solarenergieunternehmen Conergy das Gebäude und errichtete eine Produktionsstätte für Solarzellen und -module für ca. 1000 Mitarbeiter. Anfang 2009 waren dort ca. 450 Mitarbeiter in einem Vierschichtbetrieb beschäftigt.[6]
Frank Geiser (Geiser & von Oppen), der als letzter Vorstand der Communicant Semiconductor Technologies AG die verfahrene Situation Ende 2004 übernahm, und den Standort durch den Verkauf an Conergy vor dem Aus rettete, konnte im zweiten Quartal 2013 die Abwicklung von Communicant erfolgreich abschließen und so einen Schlussstrich unter das Kapitel der „Chipfabrik“ ziehen.
Der Solarmodule-Hersteller Astronergy, der wiederum die Fabrik nach der Conergy-Insolvenz 2014 übernommen hatte, musste am 31. März 2019 seine Produktion einstellen, wodurch 181 Beschäftigte ihren Arbeitsplatz am Standort verloren. Die Solarmodule-Produktion wurde nach Asien verlagert.[7]
Literatur
- G. Valerius: Gleiche Chancen ungleich genutzt? : erwerbsbiographische Mobilitätspfade im ostdeutschen Transformationsprozeß zwischen 1990 und 1996 ; Studie zum beruflichen Verbleib einer ausgewählten Ingenieurgruppe des VEB Halbleiterwerk Frankfurt (Oder). (= Arbeitsberichte. No. 98,2). FIT / Europa-Universität Viadrina, Frankfurt (Oder) 1998, DNB 954110323.
Weblinks
- E-Mail-Aktion zur Brandenburger Chipfabrik. In: heise.de. 14. November 2003.
- Solarenergie : "Solarhauptstadt" Frankfurt (Oder). In: Zeit Online. 12. November 2006, archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 1. Februar 2008.
- A German Semiconductor Debacle auf YouTube, 9. Oktober 2023 (englisch).