Chorloogiin Tschoibalsan

mongolischer Revolutionär und Staatsführer From Wikipedia, the free encyclopedia

Chorloogiin Tschoibalsan (mongolisch Хорлоогийн Чойбалсан, ᠬᠣᠷᠯᠤ᠎ᠠ ᠶᠢᠨ ᠴᠣᠶᠢᠪᠠᠯᠰᠠᠩ; * 8. Februar 1895 im späteren Dornod-Aimag; † 26. Januar 1952 in Moskau; meist nur Tschoibalsan) war ein mongolischer kommunistischer Politiker und von 1932 bis 1952 der stalinistische Diktator der Mongolischen Volksrepublik.

Chorloogiin Tschoibalsan

Leben

Süchbaatar und Tschoibalsan gründeten im Jahr 1921 die Revolutionäre Volksarmee

Tschoibalsan wurde im Osten des Landes geboren. Nach Jahren im Kloster San Beysiyn Khüree floh er nach Ulaanbaatar und besuchte später ein Gymnasium in Irkutsk (Russland) von 1914 bis 1917.[1]

Ab 1917 zählte er zu einer Gruppe von mongolischen Revolutionären. Die Revolutionäre Volksarmee wurde in der Äußeren Mongolei um 1921 von Damdin Süchbaatar und Chorloogiin Tschoibalsan geschaffen, um die Unabhängigkeit des Landes wiederherzustellen.

Tschoibalsan diente sowohl als Staatspräsident (Vorsitzender des Kleinen Staats-Chural, 1929–1930) wie als Regierungschef (Vorsteher des Rats der Volkskommissare, 1939–1952) und dominierte lange die Politik des Landes. Militärisch war er Mitbegründer der Mongolischen Revolutionären Volksarmee und hatte den Rang eines Marschalls.

Tschoibalsan war ein getreuer Anhänger des sowjetischen Führers Stalin und verwirklichte dessen Politik in vielfältiger Weise. Er kam mit sowjetischer Unterstützung an die Macht, wegen der Unzufriedenheit Stalins mit dem mongolischen Kommunistenführer und Premierminister Peldschidiin Genden. Stalin organisierte zusammen mit Tschoibalsan eine Plenarversammlung der Mongolischen Revolutionären Volkspartei in Ulan Bator, die ihn am 2. März 1936 seines Amtes enthob. Genden wurde zunächst unter Hausarrest gestellt und später auf die Krim abgeschoben. Unter dem Vorwand der Spionage für das Japanische Kaiserreich wurde Genden am 26. November 1937 in Moskau erschossen.[2] Gendens Amtsenthebung 1936 ermöglichte die vollständige Machtergreifung durch Tschoibalsan, der gewillt war, Stalins Befehle ohne Widerspruch auszuführen. Als Führer der Mongolischen Revolutionären Volkspartei übte Tschoibalsan ab 2. März 1936 die tatsächliche Exekutivgewalt in der Mongolischen Volksrepublik aus.

Als Staatschef
Tschoibalsan (links) mit Georgi Schukow während der Schlacht am Chalchin Gol

Die Herrschaft von Tschoibalsan, der ab 24. März 1939 auch Ministerpräsident des Landes war, gilt allgemein als die tyrannischste Phase der modernen mongolischen Geschichte. Unter seiner Führung wurden viele Säuberungen gegen „Volksfeinde“ durchgeführt. Diese konzentrierten sich auf religiöse Persönlichkeiten, die ehemalige Aristokratie und politische Dissidenten. Die Schätzungen über die Zahl der Opfer gehen stark auseinander, sind aber im Verhältnis zur Bevölkerungsgröße sehr hoch. Des Weiteren war Tschoibalsan Zentrum eines Personenkultes nach Stalins Muster. In seiner Zeit kam es zu wesentlichen Verbesserungen der Infrastruktur des Landes. So wurden mit sowjetischer Hilfe Straßen und Telefonlinien gebaut und die Alphabetisierung vorangetrieben.

Tschoibalsan starb 1952 in Moskau,[3] wo er zu einer Behandlung wegen Nierenkrebs weilte.

Nachwirken

Nach Vorbild des Lenin-Mausoleums errichtetes Mausoleum (2005 abgerissen)

Tschoibalsans Leichnam wurde von den Experten des Lenin-Mausoleums in Moskau konserviert. Er wurde in Ulaanbaatar in einem Mausoleum neben Süchbaatar beigesetzt; 2005 wurde das Mausoleum abgerissen und die sterblichen Überreste beider Staatsführer auf einen Gedenkfriedhof umgebettet. Bis heute trägt die ostmongolische Stadt Tschoibalsan den Namen des aus dieser Gegend stammenden Politikers, und vor der Nationaluniversität der Mongolei steht sein Denkmal.

Das Wirken Tschoibalsans ist in der modernen Mongolei umstritten. Manche sehen in ihm den mongolischen Helden, aber seine Kritiker schreiben dies der Wirkung seiner Propaganda und des Personenkultes zu. Einige Mongolen glauben, dass Tschoibalsan als Marionette Stalins wenig Handlungsfreiheit hatte.

Seine Partei, die Mongolische Revolutionäre Volkspartei, kritisierte ihn im Rahmen der Entstalinisierung 1956 für „Fehler“, wie seinen Personenkult. Sie gesteht heute ein, dass Tschoibalsan ein Tyrann war, beansprucht aber für sich die gleiche Opferrolle wie die übrigen Mongolen. Viele Parteimitglieder, besonders die Anhänger Gendens, waren während seiner Herrschaft den „Säuberungen“ zum Opfer gefallen.

In der DDR trug das Zentrale Pionierlager in Petzow den Namen Tschoibalsan.

Literatur

  • Shagdarijn Sandag: Poisoned arrows. The Stalin-Choibalsan Mongolian massacres, 1921–1941. Westview Press, Boulder, Colo. 2000, ISBN 978-0-8133-3710-4.

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI