Chris Moser

österreichischer Künstler, Autor, Restaurator From Wikipedia, the free encyclopedia

Chris Moser (* 1976 in Innsbruck) ist ein österreichischer Künstler, Autor, Restaurator archäologischer Bodenfunde, Natur- und Wildnistrainer sowie Betreuer an der „Freien Schule Lernwerkstatt Zauberwinkl“. Internationale Bekanntheit erlangte Chris Moser auch durch sein Engagement als Tierrechtsaktivist. Moser war eine zentrale Figur der Austrian 10 den Repressionen gegen Tierschützer in Österreich, die zum sogenannten Wiener Neustädter Tierschützerprozess führten. Die Ereignisse rund um diesen Prozess wurden im Jahr 2011 in dem mehrfach preisgekrönten Dokumentarfilm „Der Prozess“ des österreichischen Regisseurs Gerald Igor Hauzenberger thematisiert.[1]

Leben

Geboren ist Chris Moser im Jahr 1976 in Innsbruck, dort wuchs er auch auf; in einem klassischen Reihenhaus mit Garten, gemeinsam mit seiner Mutter, seinem Vater und zwei jüngeren Geschwistern. Kirchgänge sowie das sonntägliche gemeinsame Essen bei Schweinebraten und Co. gehörten zum Alltag. Mit der Trennung der Eltern und dem Umzug nach Landeck im Alter von acht Jahren änderte sich dieses familiäre Umfeld grundlegend.[1]

Die Jahre in Landeck verbrachte Moser oft in der Natur, umgeben von einer großen Verwandtschaft mit vielen Kindern, mit denen er spielte.

Nach der Volksschule setzte er seine schulische Laufbahn an einem lokalen Gymnasium fort, das er jedoch nach der 5. Klasse abbrach.[1]

Bereits während dieser Zeit gründete er zusammen mit anderen Jugendlichen eine Deathmetal-Band. Die Band erzielte durchaus Erfolg, nicht nur aufgrund ihrer musikalischen Qualität, sondern auch wegen ihrer kritischen und sozial engagierten Inhalte, und spielte Gigs bis nach Polen.

Während einige seiner Bandkollegen und andere Jugendliche nach den Konzerten durchaus reichlich Alkohol oder andere Drogen konsumierten, blieb Moser konsequent nüchtern. Dies führte zu Missverständnissen und Irritationen in seinem Umfeld und veranlasste ihn, über seine eigenen Entscheidungen nachzudenken. Ein prägendes Erlebnis war, als Moser im Alter von ca. 15 Jahren einen bewunderten Konzertbesucher sah, dessen Wirkung jedoch schwand, als er ihn Stunden später betrunken am Bahnhof liegen sah. Erst Jahre später lernte Moser die straight-edge-Bewegung kennen, die ein drogenfreies und nüchternes Leben propagiert, seitdem fühlt er sich dieser Subkultur verbunden.[1]

Seine künstlerische Tätigkeit begann ebenfalls in der Gymnasialzeit. Moser sprayte Graffitis mit sozialkritischem Inhalt, zunächst illegal, was zu ersten Konflikten mit der Polizei führte. Gleichzeitig fiel seine Kunst der Galeristin Monika Lami von der Galerie „Elefant“ auf, die ihn über eine Presseaussendung kontaktierte. Auf den Rat seiner Mutter hin nahm Moser Kontakt auf, und 1995 fand seine erste Einzelausstellung statt. Von 1995 bis Ende 1996 fertigte er zudem Auftragsarbeiten für Hotels, Autohäuser und Versicherungen an, vor allem, um gegen mögliche finanzielle Konsequenzen seiner illegalen Graffitis gewappnet zu sein.

Nach dem Abbruch des Gymnasiums begann Moser eine Lehre als Kunstschmied, die er jedoch abbrach, da ihn die wiederkehrenden Auftragsarbeiten nicht erfüllten, obwohl ihn die Arbeit mit Feuer und Metall durchaus faszinierte. Anschließend begann er eine Ausbildung als Bildhauer, die er 1997 mit Auszeichnung abschloss. Geplante Ausbildungen an der Kunsthochschule in Linz und an der Akademie der Bildenden Künste in Wien trat er nicht an: Linz passte nicht zu seinem Stil, Wien ließ er aus privaten Gründen aus, da sein erstes Kind unterwegs war.

Bereits 1998, mit 22, wurde Moser zum ersten Mal Vater; im Laufe der Zeit kamen zwei weitere Kinder hinzu. Die Erziehung der Kinder erfolgte stets nichtdirektiv auf Augenhöhe. Die Familie zog in ein über 400 Jahre altes Bauernhaus im Tiroler Unterland, das sich im Besitz seiner Familie befand, um ein familiengerechtes Umfeld zu schaffen.[2]

Mit der Geburt des ersten Kindes begannen Moser und seine Frau Karin, sich vegan zu ernähren. Moser, der bereits in seiner Jugend teilweise vegetarisch lebte („Ich wollte nicht, dass wegen mir ein Lebewesen leiden muss.“), stieß dabei auf Unverständnis und Kritik, ähnlich wie bei seinem Verzicht auf Alkohol.

1999 begann Moser seine Tätigkeit bei der Stadtarchäologie Hall als Restaurator, wobei ihm insbesondere die Wertschätzung archäologischer Funde und das Verständnis für historische Zusammenhänge am Herzen lagen.[3][4]

2006 war er, vor allem aber seine Frau an der Gründung der „freien Schule Lernwerkstatt Zauberwinkl“ beteiligt, einer Privatschule mit Öffentlichkeitsrecht, in der Kinder selbstbestimmt lernen können und der gesamte Lernprozess als Ganzes betrachtet wird.[5]

Neben seiner regen und stetigen Ausstellungstätigkeit in Österreich und den Nachbarländern seit 1994 erlitt Moser 2008 eine dreimonatige Untersuchungshaft und durchlief einen vierzehnmonatigen Gerichtsprozess, in dem ihm vorgeworfen wurde, ein führendes Mitglied der österreichischen Animal Liberation Front (ALF) und »... einer der Hauptakteure der militanten Tierrechtsszene« (Zitat Polizeibericht) zu sein. Ungeachtet dieser Anschuldigungen setzte er seine künstlerische und auch aktivistische Arbeit fort und hielt seither zudem zahlreiche Lesungen und Vorträge im gesamten deutschsprachigen Raum.

2012 veröffentlichte er sein erstes Buch »Die Kunst Widerstand zu leisten« im Kyrene Literaturverlag, das seine Erfahrungen mit Aktivismus und künstlerischem Ausdruck zusammenführt. 2013 folgte »m.E (meines Erachtens)«, 2014 »Galerie des Entsetzens« in Kooperation mit dem Lyriker T. Hainer, und 2016 »viva la rebellion – ein Aufruf zum Widerstand!«.[6]

Wiener Neustädter Tierschützerprozess

Die meisten der Angeklagten hatten durch den Prozess persönliche und finanzielle Einbußen zu verkraften, wie den Verlust ihrer Arbeitsstelle, Verdienstausfälle oder Verzögerungen von Bildungsabschlüssen. Besonders im Fokus der medialen Berichterstattung stand Chris Moser, der jede Woche rund 700 km aus Tirol nach Wiener Neustadt pendelte und dadurch seine Anstellung als Restaurator verlor. Da er regelmäßig vor Gericht erscheinen musste, galt er zudem für das Arbeitsamt nicht als jobsuchend und erhielt kein Arbeitslosengeld. Um die Betreuung der drei Kinder sicherzustellen, kündigte auch seine Frau ihre Stelle. Die Familie finanzierte ihren Lebensunterhalt während dieser Zeit teilweise über Spenden, die unter anderem über eine Unterstützergruppe auf Facebook gesammelt wurden.[7][8][9][10]

Chris Moser war einer der 13 Angeklagten in diesem Prozess. Am 21. Mai 2008 wurde er verhaftet, saß dreieinhalb Monate in Untersuchungshaft und wurde schließlich in allen Anklagepunkten freigesprochen.[11][12]

Weitere Tätigkeiten

2010 begann Moser, verstärkt öffentliche Vorträge zu halten, unter anderem an Universitäten und Pädagogischen Hochschulen, und wird regelmäßig als externer Referent an Schulen eingeladen.

2019 war er Spitzenkandidat für Tirol für die Parlamentspartei Jetzt.[13] Seine letzten Ausstellungen fanden 2022 beim internationalen Tierrechtskongress im Skydome in Wien, 2023 in Schloss Sigmundsried in Ried im Oberinntal, 2024 in der Innsbrucker Galerie kooio, Forum für Kunst und Kommunikation, 2025 im Museum im Ballhaus, Imst und im Museum Vinschger Oberland, Graun (Alto Adige) statt.

„Es wäre und ist so viel zu tun, überall - auch ausserhalb der Tierbefreiungsidee! Ich versuche mich da auch irgendwie einzubrigen wo immer es zeitlich geht: Ich war im Winter auf den Camps für Moria um mich für Geflüchtete zu egangieren, zuletzt auch im Rahmen vom "langen Tag der Flucht" in innsbruck, sei es auf antifaschistischen Demos oder Aktionen gegen patriarchale Strukturen, sei es im Ethikunterricht an Schulen oder wie 2019 sogar als tiroler Spitzenkandidat der Parlamentsliste JETZT.“

Chris Moser [14]

Kunst und Aktivismus

Bereits in seiner Kindheit lernte Moser von seiner weltoffenen und alleinerziehenden Mutter, Frauen wertzuschätzen und niemanden aufgrund von Geschlecht, ethnischer Herkunft oder Religion zu diskriminieren.

Diese Werte führten dazu, dass er sich neben seinem antifaschistischen Engagement auch aktiv mit dem Thema Tiernutzung auseinandersetzte und Mitglied beim Verein gegen Tierfabriken (VGT) wurde. Der Verein erlangte Aufmerksamkeit durch provokante Aktionen, darunter auch die Verhaftung Mosers 2008 und den darauffolgenden Prozess 2010–2011. Seine Unschuld wurde in allen Punkten festgestellt.[15]

Während seiner Haftzeit begann Moser mit dem Schreiben seines ersten Buches. Seit rund 20 Jahren betreibt er Aktivismus beim VGT mit konfrontativen Methoden, in letzter Zeit hinterfragt er auch Beweggründe anderer und geht manchmal einen Schritt zurück, ohne diese notwendigerweise gutzuheißen.

„Ich kritisiere, verurteile und bekämpfe gesellschaftliche Zustände und Taten, keine Menschen - auch wenn das leider viele glauben!“

Chris Moser [16]

Typische Aktivismusstufen des VGT beinhalten zunächst die Aufdeckung eines gesellschaftlich relevanten Themas, gefolgt von kontinuierlichen Aktionen über mehrere Jahre, um Aufmerksamkeit zu erzeugen und schließlich eine Gesetzesreform zu erreichen.

Ein ähnlicher Leitgedanke ist auch in seiner Kunst spürbar:

„Ich mache Kunst, um die Welt zu verändern. Mit meiner Radikalkunst als Waffe. Zuerst gibt es das Thema, dann die adäquate Art, darauf zu reagieren. Das kann nahezu klassisch plastisch passieren, in Form von Assemblagen oder auch mit der Spraydose; früher direkt auf das Gebäude, heute eher auf Leinwand. Das kann in Form von Performances oder auch klaren politischen Aktionen des Zivilen Ungehorsams passieren.“

Chris Moser [17]

Moser nutzt seine Kunst als Mittel, um Ungerechtigkeiten und Ausbeutung sichtbar zu machen. Auf den Einwand „Kunst muss gar nichts, Kunst ist frei!“ antwortet er: „Aber bitte nicht frei von Inhalt!“

Publikationen

Als Autor

Monografien
Buchbeiträge
  • 2018: Kunst als gesellschaftskritisches Medium - Wissenschaftliche und künstlerische Zugänge von Michaela Bstieler / Lena Ganahl / Elisabeth Hubmann / Denise Pöttgen / Siljarosa Schletterer (Hg.) - POLITISCHE KUNST ZWISCHEN GALERIE, GERICHT UND GEFÄNGNIS, S. 197–206, Transcript, ISBN 978-3-8376-4283-4

Ausstellungen (Auswahl)

  • 1995: Galerie Elefant, Tirol
  • 2022: Internationaler Tierrechtskongress im Skydome, Wien
  • 2023: Schloss Sigmundsried, Ried im Oberinntal
  • 2024: Galerie KOOIO, Forum für Kunst und Kommunikation, Innsbruck[18]

Einzelnachweise

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