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Christa Pike

US-amerikanische Mörderin From Wikipedia, the free encyclopedia

Christa Gail Pike (* 10. März 1976 in Beckley, West Virginia) ist eine US-amerikanische Mörderin. Im Januar 1995 folterte und erschlug die damals 18-Jährige aus Eifersucht ihre sechs Monate ältere Klassenkameradin Colleen Slemmer, wofür sie gut ein Jahr später zum Tode verurteilt wurde. Zu diesem Zeitpunkt war sie die jüngste Frau, welche die Todesstrafe in den Vereinigten Staaten erhielt, seit infolge des Furman-Urteils[1] von 1972 die Bedingungen hierfür insbesondere im Hinblick auf jugendliche Täter eindeutiger reglementiert wurden.[2] Zudem ist sie die erste Frau seit mehr als 200 Jahren, die im US-Bundesstaat Tennessee hingerichtet werden sollte. Pike überlebte am 30. September 2026 einen Vollstreckungsversuch per Giftspritze.

Familiärer Hintergrund und Kindheit

Christa Pike wurde 1976 als Tochter von Carissa Hansen und Emil Glenn Pike geboren. Ihre Eltern hatten eine instabile Beziehung. Nach zwei Jahren Ehe ließen sie sich wegen eines Seitensprungs der Mutter scheiden, heirateten jedoch ein Jahr später nach einem Suizidversuch der Mutter erneut und lebten weitere zwei Jahre zusammen.[3] Beide Elternteile vernachlässigten ihre Tochter. Eine Tante stellte fest, dass sie „durch das Haus über Hundescheiße krabbelte“ und ihre Mutter stets weiter Party feiern wollte, selbst wenn das kleine Mädchen schwere Verletzungen am Körper hatte.[4] Pikes Großmutter väterlicherseits war die Einzige, die sich regelmäßig um sie kümmerte; Pike glaubte, dass sie die Einzige war, von der sie je geliebt wurde.[4] Als ihre Großmutter 1988 starb, unternahm Pike im Alter von 12 Jahren ihren ersten Suizidversuch, für den sie geringe Aufmerksamkeit von ihren Eltern bekam.[4]

Pikes Lebenssituation blieb über ihre Teenagerzeit hinweg prekär, wobei sie sowohl Opfer von Gewalt war als auch selbst Gewalt ausübte. Einer der Lebensgefährten ihrer Mutter schlug sie ins Gesicht. Zudem war sie in dieser Zeit häufig in kriminelle Taten verwickelt.[3] Während Pike daraufhin bei der neuen Familie ihres Vaters lebte, beschuldigten ihre Halbschwestern sie, von ihr gemobbt zu werden, weswegen ihr Vater sie fortschickte.[3]

Pike gab an, mehrmals belästigt und sexuell missbraucht worden zu sein. Freunde und Familie zweifelten diese Anschuldigungen an und unterstellten ihr, eine pathologische Lügnerin zu sein.[3] Es existieren aber Indizien wie die Aussage einer Erzieherin, dass Pike im Kindergarten Bilder von Penissen gemalt habe, sowie die Verurteilung eines Nachbarn, der Pike im Alter von elf Jahren vergewaltigt hatte.[5] Im Alter von 17 Jahren wurde Pike von einem Unbekannten beim Spazierengehen im Dunkeln gepackt und missbraucht. Trotz klinischer Spurensicherung wurde kein Täter ermittelt. Pikes Mutter spielte beide Vorfälle herunter.[6]

Trotz hoher Intelligenz war Pike in der Schule erfolglos. Ihr instabiles Familienleben führte dazu, dass sie regelmäßig die Schule wechselte, wodurch sich ihre Noten mit zunehmendem Alter verschlechterten.[7] In der zehnten Klasse wurde sie für ein Jahr in eine Jugendanstalt geschickt, an der ihr Interesse am Job Corps, einem Regierungsprogramm zur Berufsvorbereitung sozial schwacher Jugendlicher, geweckt wurde.

1994 befand sich Pike in ihrem letzten Jahr des Job Corps in Knoxville, Tennessee. Sie war in diesem Zeitraum mit einem Mann namens Tadaryl Shipp liiert. Gemeinsam entwickelten sie Interesse an Okkultismus und Satanismus.[8]

Mord an Colleen Slemmer

Pike wurde auf eine Klassenkameradin im Job Corps, die 19-jährige Colleen Slemmer, eifersüchtig, da sie glaubte, diese versuche, ihr ihren Freund Tadaryl Shipp auszuspannen. Mit ihrer besten Freundin, der 18-jährigen Shadolla Peterson, plante Pike, Slemmer in ein abgelegenes, stillgelegtes Dampfkraftwerk in der Nähe des Campus der University of Tennessee zu locken, um sie dort zu quälen. Daher verließen am 12. Januar 1995 Pike, Shipp, Peterson und Slemmer den Schlaftrakt der Schule und machten sich in den Wald nahe dem Kraftwerk auf, unter dem Vorwand, gemeinsam Marihuana zu rauchen und Frieden zu schließen.[8]

Nach der Ankunft an der ausgewählten Stätte wurde Slemmer von Pike und Shipp angegriffen, während Peterson „Schmiere stand“. Späteren Ermittlungen zufolge wurde Slemmer in den folgenden 30 Minuten geschlagen und verprügelt sowie mit einem Messer verletzt. Zudem ritzte Pike ihr ein Pentagramm in die Brust. Zum Schluss schlug Pike Slemmers Schädel mit einem Stück Asphalt ein, wodurch sie schließlich getötet wurde. Pike packte sich ein Bruchstück von Slemmers Schädel als Trophäe in die Jackentasche.[9][10][8][11] Pike begann, das Schädelstück in der Schule herumzuzeigen. Die drei wurden 36 Stunden später verhaftet. Das Logbuch der Einrichtung belegte, dass Pike, Shipp, Peterson und Slemmer gemeinsam aufgebrochen waren, aber nur drei Personen zurückgekehrt waren. Ermittler fanden zudem das Schädelstück in Pikes Jackentasche. Bald nach der Verhaftung gestand Pike der Polizei, Slemmer gefoltert und getötet zu haben. Allerdings behauptete sie, sie habe Slemmer nur verängstigen wollen, die Sache sei aber außer Kontrolle geraten.[8] Pike bestritt auch, dem Opfer das Pentagramm eingeritzt zu haben.[12]

Prozessverlauf und Gesuche um Strafminderung

Pike wurde wegen Mordes und Verabredung zum Mord angeklagt. Im Prozess wurde die Anklage durch Beweise und Pikes Geständnis gestützt. Am 22. März 1996 wurde Pike von den Geschworenen nach nur wenigen Stunden Beratung für schuldig in beiden Anklagepunkten erklärt. Acht Tage später, am 30. März 1996, wurde sie für den Mord zum Tode verurteilt und wegen der Verabredung zu 25 Jahren Haft. Shipp erhielt eine lebenslange Freiheitsstrafe mit der Chance auf ein Freilassungsgesuch nach 25 Jahren.[8] Peterson, die als Kronzeugin auftrat, erhielt eine Bewährungsstrafe.[10]

In den Jahren nach dem Todesurteil versuchte Pike, durch Berufungs- und Revisionsverfahren in Tennessee einerseits das Urteil in eine lebenslange Freiheitsstrafe umzuwandeln, andererseits den Zeitraum bis zur Durchführung der Hinrichtung zu verkürzen.[13] Im Juni 2001 und im Juni 2002 entschied sich Pike, die Berufung ihrer Anwälte zurückzunehmen, um auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet zu werden, obwohl ihre Anwälte ihr von diesem Schritt abrieten. Das Gericht unter Leitung der Richterin Mary Beth Leibowitz entsprach diesen Anträgen und legte als Hinrichtungsdatum den 19. August 2002 fest. Pike änderte aber im Juli 2002 wieder ihre Meinung, sodass das Berufungsverfahren wieder aufgenommen wurde. Am 2. August 2002 entschied das Gericht, die Hinrichtung zu vertagen.[14] Im Dezember 2008 beantragte Pike abermals eine Abwandlung des Todesurteils in eine Haftstrafe, was allerdings abgewiesen wurde.[13] Im selben Monat waren ihre Möglichkeiten zur Berufung ausgeschöpft.[15]

Im Mai 2014 zogen Pikes Anwälte vor das zuständige Bundesgericht.[16] Sie hinterfragten ihr Todesurteil und wollten es aus folgenden Gründen in eine lebenslange Freiheitsstrafe umwandeln: wirkungslose Unterstützung durch ihre Strafverteidiger, ihre psychische Störung und die Verfassungswidrigkeit der Todesstrafe gemäß neueren Gesetzen. In einem 61-seitigen Papier wurden am 11. März 2016 vom District Judge Harry Sandlin Mattice Jr. alle diese Gründe zurückgewiesen und eine Strafminderung verneint.[17][18] Ein weiteres Gesuch um Strafminderung vom 22. August 2019 wurde am 1. Oktober 2019 ebenfalls abgewiesen.[19]

Mordversuch in Haft

Im August 2001 griff Pike gemeinsam mit einer weiteren Inhaftierten die Mitinsassin Patricia Jones an und versuchte, sie mit einem Schnürsenkel zu erdrosseln, womit sie fast erfolgreich war.[20] Pike wurde daraufhin wegen versuchten Mordes verurteilt.[21]

Fluchtversuch

Im März 2012 wurde bekannt, dass es Fluchtpläne von Pike gab, in die der Vollzugsbeamte Justin Heflin und der Personal Trainer Donald Kohut aus New Jersey involviert waren.[22] Obschon aus Sicherheitsgründen kaum Details der genauen Pläne und ihrer Vorgeschichte veröffentlicht wurden, ist Folgendes über den Verlauf bekannt: Es begann wohl damit, dass Kohut Anfang 2011 einen Briefwechsel mit Pike begann. Im Juli desselben Jahres fuhr Kohut schließlich rund 1000 km mit dem Auto von Flemington, New Jersey nach Nashville, Tennessee, um Pike persönlich kennenzulernen. Fortan besuchte er sie ein- bis zweimal im Monat. Wahrscheinlich entwickelte er in dieser Zeit mit ihr oder für sie einen Fluchtplan. Dabei wurde der Vollzugsbeamte Heflin einbezogen, der gegen Geld und Geschenke einwilligte. Ein Teil des Plans war, einen Gefängnisschlüssel nachzumachen.[23][24] Anfang 2012 bekam ein Gefängniswärter einen Teil der Fluchtpläne mit und leitete die Informationen an die zuständigen Behörden weiter.[23][25] Dadurch wurde das Vollzugsamt aufmerksam, sodass es zu Ermittlungen des Tennessee Bureau of Investigation (TBI) und der New Jersey State Police kam. Zum Zeitpunkt der Ermittlungen waren die Pläne allerdings noch nicht besonders weit fortgeschritten.[22][23]

Im März 2012 wurde Kohut wegen Bestechung und Unterstützung bei einem Fluchtversuch verhaftet; gleichzeitig wurde Heflin wegen Bestechlichkeit, Amtsmissbrauchs und Unterstützung bei einem Fluchtversuch verhaftet.[26] Pike wurde nicht bestraft, weil Unklarheit herrschte, inwieweit sie selbst in die Verabredung involviert war oder im Endeffekt nur Nutznießerin gewesen wäre.[23]

Am 31. März 2012 wurde Kohut zu sieben Jahren Gefängnis im Tennessee State Northeast Correctional Complex verurteilt.[27] Heflin kooperierte während der Verhandlung mit den Behörden und wurde deswegen nicht bestraft. Allerdings verlor er seine Stelle bei der Vollzugsbehörde.[23]

Hinauszögerung der Hinrichtung

Am 27. August 2020 beantragte der Generalstaatsanwalt von Tennessee Herbert Slatery beim Obersten Gerichtshof von Tennessee, ein Hinrichtungsdatum für Pike festzusetzen. Durch die COVID-Maßnahmen und aus diversen weiteren Gründen erwirkten Pikes Anwälte einen Aufschub und nutzten diese Zeit, um weiterhin für eine Strafminderung zu kämpfen. Der Bundesstaat lehnte eine Verlängerung der Verhandlungen allerdings ab. Am 21. Juli 2021 stellte Pikes Anwalt dennoch ein Gesuch um Verschiebung des Hinrichtungsdatums, aber auch dieser Versuch wurde abgelehnt.

Bis November 2022 hatte Pike alle Rechtsmittel vollständig ausgeschöpft. Gleichzeitig stellte der Oberste Gerichtshof des Bundesstaates fest, dass das Gesetz des Bundesstaates Tennessee, das für Jugendliche automatisch lebenslange Haft ohne Möglichkeit der Bewährung vorsieht, verfassungswidrig sei. Aufgrund dessen versuchten Pikes Anwälte, diesen Fall (State v. Booker[28]) als Versuch zu nutzen, um das 1996 verhängte Todesurteil abzumildern. Sie argumentierten, ihr junges Alter und ihre psychischen Probleme zum Tatzeitpunkt seien Gründe, derentwegen sie von der Hinrichtung verschont werden könne.

Im Oktober 2023 wies der Knox County Criminal Court Judge Scott Green Pikes Gesuch zurück, mit dem sie geltend machte, dass im November 2022 der Supreme Court ihrem Ruf nach Strafminderung kein Gehör geschenkt habe. Der Richter stellte fest, dass der von Pike als Beispiel herangezogene Booker-Fall nur jugendliche Täter in Tennessee behandelte. Laut Richter Green war Pike zum Zeitpunkt ihrer Tat rechtlich gesehen bereits erwachsen.[29]

Gescheiterter Vollstreckungsversuch

Am 30. September 2025 bestimmte der Oberste Gerichtshof von Tennessee den 30. September 2026 als Hinrichtungsdatum.[30] Das Bundesberufungsgericht setzte die Hinrichtung jedoch eine Stunde vor der Vollstreckung aus. Die Begründung lautete, dass zu prüfen sei, ob die Aussagen über sexuellen Missbrauch in der Kindheit und Vergewaltigung Pikes bei dem Todesurteil ausreichend berücksichtigt wurden.[31] Den Hinrichtungsstopp hob der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten kurz vor 18 Uhr Ortszeit auf.[32] Der rund zwei Stunden danach in der Hinrichtungskammer der Riverbend Maximum Security Institution in Nashville durchgeführte Vollstreckungsversuch per Giftspritze scheiterte, da Pike die Verabreichung zweier Dosen Pentobarbital überlebte.[33][34] Pike erhielt im Anschluss eine medizinische Notfallversorgung und wurde in ein Krankenhaus gebracht. Nach Aussage ihrer Anwälte war sie zunächst bewusstlos und wurde künstlich beatmet;[35] seither sei sie jedoch wieder bei Bewusstsein und ansprechbar.[36]

Die gescheiterte Hinrichtung erfuhr international breite Beachtung in Nachrichtensendungen, Printmedien und auf diversen Social-Media-Plattformen. Volker Türk, Hoher Kommissar der Vereinten Nationen für Menschenrechte, forderte die Aussetzung von Pikes Hinrichtung und erklärte, die Todesstrafe habe in keiner Gesellschaft einen Platz.[37]

Bill Lee, der Gouverneur von Tennessee, setzte nach dem misslungenen Vollstreckungsversuch alle noch 2026 geplanten Hinrichtungen aus und ordnete eine Überprüfung durch eine unabhängige Stelle an.[34] Frank Strada, Leiter der Strafvollzugsbehörde von Tennessee, gab wenige Tage später seinen Rücktritt bekannt.[38]

Laut einem Bericht der New York Times hatte Pike am Vorabend der gescheiterten Hinrichtung auf ihre Henkersmahlzeit verzichtet und stattdessen darum gebeten, die dafür vorgesehenen 20 US-Dollar für Obdachlose in der Innenstadt von Nashville zu spenden.[39]

Rezeption in der Populärkultur

Der Mord an Colleen Slemmer war Thema verschiedener Fernsehproduktionen wie Snapped: Killer Couples, Mean Girl Murders oder World’s Most Dangerous Criminals.[40]

Literatur

Einzelnachweise

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