Christian-Dietrich-Grabbe-Gymnasium
Gymnasium in der Stadt Detmold, Nordrhein-Westfalen
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Das Christian-Dietrich-Grabbe-Gymnasium (kurz: Grabbe-Gymnasium) ist neben dem Leopoldinum und dem Stadtgymnasium eines von drei etwa gleich großen städtischen Gymnasien in der Bezirksregierungsstadt Detmold. Es trägt den Namen des Dichters und Dramatikers Christian Dietrich Grabbe (1801–1836) zur Erinnerung an einen der bedeutendsten Bürger der Stadt. Seine Bronzebüste steht vor dem Eingang zum Altbau im Schulhof.
| Christian-Dietrich-Grabbe-Gymnasium | |
|---|---|
| Altbau des Gymnasiums | |
| Schulform | Gymnasium |
| Schulnummer | 168695 |
| Gründung | 1925 / 1967 Vollgymnasium |
| Adresse | Küster-Meyer-Platz 2 |
| Ort | Detmold |
| Land | Nordrhein-Westfalen |
| Staat | Deutschland |
| Koordinaten | 51° 56′ 4″ N, 8° 53′ 4″ O |
| Träger | Stadt Detmold |
| Schüler | 720[1] |
| Lehrkräfte | 76[2] |
| Leitung | Claus Hilbing |
| Website | www.grabbe-gymnasium.de |
Geschichte

Das heutige Gymnasium geht zurück auf ein Lehrerseminar. Kasimire von Anhalt-Dessau ehelichte 1769 Simon August von Lippe und zog nach Detmold. Hier setzte sie sich sehr für das Volksschulwesen und die Bildung ein. Kasimire war offenbar vertraut mit den Ideen Johann Bernhard Basedows, der in ihrer Heimat Dessau das Philanthropinum gegründet hatte. Auch nach ihrem frühen Tod 1778 verfolgte Simon August ihre Pläne gegen den Widerstand des Landtags weiter. Am 30. November 1781 konnte das Lippische Lehrerseminar feierlich im Beisein des Landesherren eröffnet werden.[3]
Zu Beginn war die Schule im Waisenhaus am Bruchberg untergebracht. Einer der Förderer und Lehrer war der lippische Generalsuperintendent Ferdinand Weerth. Weerth beklagte die unzulänglichen Bedingungen des Schulgebäudes, noch zu seinen Lebzeiten wechselte das Lehrerseminar in die ehemalige Pflegeanstalt in der Schülerstraße.[4] Die Schule expandierte, und so entstand in den Jahren 1888/89 am sogenannten „Hambruch“ ein neues Gebäude. Architekt war der Detmolder Stadtbaumeister Karl Leopold Petri. Das Gebäude ist heute der Altbau des Grabbe-Gymnasiums und steht unter Denkmalschutz.[5]
Eine Änderung der Lehrerbildung durch die Reichsverfassung von 1919 läutete das Ende des Lehrerseminars ein. Nach den letzten Abschlüssen wurde die Schule 1925 zu einer Deutschen Oberschule (Aufbaugymnasium) umgewandelt. Dieselben Lehrkräfte, die zuvor Lehrer ausgebildet hatten, führten jetzt Schüler zum Abitur.[6] So konnten die Schule 1931 an den ersten Jahrgang das Abitur vergeben.[6] Der ab 1935 amtierende Schulleiter Betz versuchte Schüler und Lehrer voll in die Systemlinie des Nationalsozialismus einzureihen, sodass 1935 bis auf sechs Schüler alle einer Organisation der Nationalsozialisten angehörten.[6] Während des Zweiten Weltkriegs war Unterricht zeitweise nur eingeschränkt möglich: Zahlreiche Schüler meldeten sich zum Kriegshilfsdienst, im Schulgebäude wurde ein Lazarett eingerichtet. Wegen des Kohlemangels im Winter 1939/40 fiel der Unterricht komplett aus. 1944 wurde das Aufbaugymnasium zu einer Deutschen Heimschule. Im Mai 1946 nahm das Aufbaugymnasium wieder seinen regulären Betrieb als „Deutsche Oberschule für Jungen und Mädchen in Aufbauform (Staatliche Aufbauschule)“ auf. Als erstes Gymnasium in Nordrhein-Westfalen führte die Schule Ende 1958 einen musisch betonten Oberstufenzweig ein. Dafür wurden ab der 11. Klasse das Stundendeputat der Fächer Musik und Kunst erhöht und Mathematik und Chemie verringert.[6] Zur Herausstellung der Schulausrichtung entschied man sich 1966, zum 130. Todestag des Dichters, der Schule den Namen Christian-Dietrich-Grabbe-Gymnasium zu geben.[6][7] Seit 1967 startet das Gymnasium mit der 5. Klasse und wird somit als Vollanstalt geführt.[6][7]
Durch Erweiterungsmaßnahmen in den 1980er Jahren kamen zunächst der Neubau mit Fachräumen für die Sprachen und die Naturwissenschaften sowie die Konzertaula dazu. 1996 wurde der Erweiterungsbau mit Klassenräumen und einem modernen Physiktrakt eingeweiht.
Pädagogische Angebote
Zu Beginn der Schullaufbahn wählen die Schüler einen Schwerpunkt aus Musik, Kunst und Sport oder Naturwissenschaft/MINT. Gemäß der Vereinbarung zwischen den in der Oberstufe kooperierenden städtischen Gymnasien in Detmold werden Leistungskurse in den Fächer Musik, Kunst und Sport zuerst am Grabbe-Gymnasium eingerichtet.
Das Detmolder Jugendorchester war 1954 gegründet worden. Nachdem die Leitung an die Musiklehrer des Grabbe-Gymnasiums übergegangen war, wurde das Ensemble zunehmend von Schülern dieses Gymnasiums gebildet. Der schulübergreifende Name des Orchesters wurde beibehalten, weil auch Schüler anderer Schulen mitwirken.
Das Gymnasium nimmt am Schulversuch „NRW-Profil-Schulen“ der Landesregierung teil, um die Erprobung, die Evaluation und die Weiterentwicklung organisatorischer Standards für ein künftiges Label „NRW-Musikprofil-Schule“ zu ermöglichen.[8]
Profilfächer
Über den regulären Unterricht hinaus bietet das Grabbe-Gymnasium Arbeitsgemeinschaften (AGs) in den Profilfächern an. Schüler können in Chören und Instrumentalgruppen mitwirken, die von der Kooperation mit der Hochschule für Musik profitieren. Zudem gibt es AGs wie die Comic-AG und das Kunstlabor.
Die Schule engagiert sich als „Partnerschule des Sports“ und bietet spezielle Sportklassen an. Schüler haben die Möglichkeit, an Sport-AGs für Kunstturnen, Fußball, Leichtathletik und Volleyball teilzunehmen.
In der „Forscherwerkstatt“ wird eigenständiges Experimentieren und Entdecken in den MINT-Fächern Biologie, Chemie und Physik gefördert. Zusätzlich steht die Nawi-AG zur Verfügung.
GrabbeAI
Im Jahr 2025 hat das Gymnasium das schuleigene KI-Sprachmodell GrabbeAI eingeführt, basierend auf der GPT-4 Architektur von OpenAI. Das Projekt soll die Kommunikation sowie den Informationsaustausch zwischen der Schule und den Besuchern der Homepage, hauptsächlich Eltern, verbessern. Als Chatbot auf der Schulwebsite soll es Fragen beantworten, die sich auf den Schulalltag, das Lehrpersonal und schulorganisatorische Themen beziehen.
Partnerschulen
Das Gymnasium pflegt mehrere internationale Schulpartnerschaften:
- „Lycée Notre-Dame-de-Sion“, Saint-Omer, Frankreich
- „MOR High School“, Modiʿin Makkabim Reʿut, Israel
- „McLean High School“, McLean, Virginia, USA
Zudem kooperiert das Grabbe-Gymnasium bei Leistungskursen und anderen Bildungsangeboten mit den beiden anderen städtischen Gymnasien Leopoldinum und Stadtgymnasium Detmold.
Persönlichkeiten (Schüler)
- Volker Banfield (* 1944), Pianist
- Peter Orloff (* 1944), Schlagersänger, Komponist, Liedtexter und Musikproduzent
- Barbara Hammann (1944–2018), Kunsthistorikerin und Hochschullehrerin
- Jürgen Klein (1945–2025), Anglist
- Edgar Selge (* 1948), Schauspieler und Schriftsteller
- Klaus Ehl (* 1949), Leichtathlet
- Matthias Kirschnereit (* 1962), Pianist
- Matthias Opdenhövel (* 1970), Fernsehmoderator
- Kay-Sölve Richter (* 1974), Journalistin und Fernsehmoderatorin
- Florian Weber (* 1977), Pianist
- Dirk Liesemer (* 1977), Journalist und Autor
- Vera Ludwig (* 1978), Lyrikerin
- Stefan Westerwelle (* 1980), Filmregisseur
- David Salomon Jarquín (* 1986), Trompeter
- Nadine Jarosch (* 1995), Kunstturnerin
Liste der Schulleiter
- Lange (1925–1931)
- Klingler (1931–1933)
- Betz (1933–1945)
- Bernard (1946–1949)
- Klingler (1949–1952)
- Hopmeier (1952–1964)
- Thomas (komm. 1964–1965)
- Werner Broer (1965–1984)[9]
- Friedrich Kenter (1985–1999)
- Walter Hunger (1999–2009)[10]
- Werner Klapproth (2009–2018)
- Anja Vothknecht und Gundel Niedermeyer (komm. 2018–2019)
- Daniela Faude[11] (2019–2022)
- Anja Vothknecht und Claus Hilbing (komm. 2022–2025)
- Claus Hilbing und Tanja Brentrup-Lappe (seit 2025)[12]
Weblinks
- Website des Christian-Dietrich-Grabbe-Gymnasiums
- Christian-Dietrich-Grabbe-Gymnasium auf der Website Ministeriums für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen