Christian Bouchet
französischer Verleger, Essayist und politischer Aktivist
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Christian Bouchet (* 17. Januar 1955 in Angers, Département Maine-et-Loire) ist ein französischer Verleger, Essayist und politischer Aktivist. Er wird dem äußersten rechten Spektrum zugeordnet und gilt als wichtigste Figur der nationalrevolutionären Strömung in Frankreich.[1]
Von 1999 bis 2002 übernahm er Funktionen im Mouvement national républicain (MNR), später im Front National (FN), dem er seit 2008 angehörte.
Biografie
Jugend und Ausbildung
Christian Bouchet wurde am 17. Januar 1955 in Angers geboren und wuchs in einer Familie von Handwerkern und Einzelhändlern der „provinziellen Kleinbourgeoisie“ auf. Sein Vater war Offizier der Handelsmarine.[2]
Er besitzt ein Diplôme d’études approfondies in Wirtschaftsrecht, ein Zertifikat in Volkswirtschaftslehre, einen Masterabschluss in Geschichte sowie einen Doktortitel in Ethnologie. Seine Dissertation von 1994 behandelte Aleister Crowley.[3]
Politisches Engagement
Anfänge im nationalrevolutionären Milieu
Als Schüler an einem katholischen Collège gründete Bouchet 1969 eine antikommunistische Gruppe. 1970 war er kurzzeitig Mitglied der Restauration nationale (RN), bevor er sich 1971 der Nouvelle Action française (NAF) anschloss.[4]
1973 lebte er in Nantes und verließ das monarchistische Milieu. Unter dem Einfluss von Yves Bataille wurde er eines der ersten Mitglieder der Organisation lutte du peuple (OLP).[5] Diese aus einer Abspaltung der Bewegung Ordre nouveau hervorgegangene nationalrevolutionäre Organisation berief sich zugleich auf Jean Thiriart und Mao Zedong, auf Nietzsche und Che Guevara.[6] Sie trat für die aktive Unterstützung nationalistischer Bewegungen der Dritten Welt ein, insbesondere arabischer Parteien und Regime, die sich gegen den Zionismus und den „amerikanischen Imperialismus“ wandten.
Zu Beginn der 1980er Jahre erklärte Bouchet, er habe den 1979 gegründeten Mouvement nationaliste révolutionnaire (MNR) von Jean-Gilles Malliarakis verlassen, weil dessen Thesen „mit dem wirklichen Leben“ unvereinbar gewesen seien. Anschließend schloss er sich den Comités d'action républicaine (CAR) von Bruno Mégret an. Zugleich stand er der Neuen Rechten nahe und war Mitglied verschiedener Vorfeldorganisationen.[7][8]
Nach der Wahl Bruno Mégrets zum Abgeordneten bei den französischen Parlamentswahlen 1986, die durch ein Bündnis mit dem Front national (FN) ermöglicht worden war, nahm Bouchet auf Wunsch der CAR-Führung Kontakt zu den lokalen FN-Verantwortlichen auf. Er verließ die CAR und erklärte, zu seinen „ersten Lieben“ zurückzukehren, indem er sich Troisième Voie anschloss.
In der Folge wurde Bouchet zu einem führenden Kader der europäischen nationalrevolutionären Szene.[9] Er war nacheinander Generalsekretär der Bewegungen Troisième Voie (TV), Nouvelle Résistance (NR) und Unité radicale (UR),[5] gehörte zu den Gründern des Réseau radical und später des Vereins Les Nôtres[10] und war einer der Aktivisten des Front européen de libération.
Im MNR (1999–2002)
Von 1998 bis 2002 führte Bouchet die sogenannte „radikale“ Strömung innerhalb des Mouvement national républicain (MNR) von Bruno Mégret an. Er wurde in den Nationalrat der Partei aufgenommen und trat für sie bei verschiedenen Wahlen an: bei den Kantonalwahlen 2001 in Rezé, wo er 6,75 % der Stimmen erhielt, sowie bei den Parlamentswahlen 2002 im 4. Wahlkreis des Départements Loire-Atlantique, der unter anderem Rezé umfasst, wo er 0,54 % der Stimmen erreichte.
2002 verließ er Unité radicale, wenige Wochen vor dem Attentatsversuch von Maxime Brunerie auf Jacques Chirac.[11]
Im FN (2008–2015)
Nachdem er mit der MNR gebrochen hatte, unterstützte Bouchet die Kandidatur von Jean-Marie Le Pen bei der Präsidentschaftswahl in Frankreich 2007. Im Anschluss trat er im Mai 2008 dem FN bei. Dort übernahm er zunächst Funktionen auf Département-Ebene, bevor er von Oktober 2010 bis Mai 2011[12] sowie erneut von März 2013 bis Dezember 2015 zum stellvertretenden Département-Sekretär des FN in Loire-Atlantique ernannt wurde.
Während der internen Kampagne um den Vorsitz des FN unterstützte Bouchet aktiv die Kandidatur von Marine Le Pen und trat im November 2010 ihrem Unterstützungskomitee bei.
Er kandidierte außerdem für die Partei bei verschiedenen Wahlen: als Ersatzkandidat von Oriane Borja in Rezé bei den Kantonalwahlen 2008; als Zweiter der FN-Liste im Département Loire-Atlantique bei den Regionalwahlen in den Pays de la Loire 2010; sowie bei den Kantonalwahlen 2011 in La Baule-Escoublac, wo er 12,80 % der Stimmen erhielt.[13]
Für die Parlamentswahl in Frankreich 2012 erhielt er die FN-Nominierung im 3. Wahlkreis des Départements Loire-Atlantique, nachdem er seine Mitarbeit bei Vox NR eingestellt hatte.[14] Er kandidierte noch mehrmals erfolglos bei Regionalwahlen.[15][16]
Im Dezember 2015 trat Bouchet von seinen Funktionen innerhalb der Partei zurück.[17]
Verleger und Journalist
Christian Bouchet leitete die Zeitschriften Lutte du peuple (1991–1996) und Résistance (1997–2010). Er war Leitartikler der Website Vox NR, bis 2011 Frankreich-Korrespondent der italienischen Tageszeitung Rinascita sowie stellvertretender Chefredakteur für internationale Seiten der zweiwöchentlich erscheinenden Zeitung Flash (2008–2011).[5] 2018 arbeitete er an der Zeitschrift Réfléchir & Agir mit.[1]
Er verwendete die Pseudonyme „Loïc Baudoin“ und „Lionel Placet“.[18] Er gründete und leitet den Verlag Ars, der später in Ars magna umbenannt wurde.[19]
Bouchet gilt als Freund des russischen Autors Alexander Dugin, dessen Bücher er übersetzen und verlegen ließ und zu dem er Konferenzen organisierte. Bouchet erklärte, der russische eurasistische Theoretiker habe „Perspektiven auf den Islam, die Orthodoxie, das Judentum, nicht zu vergessen die Verbindungen zwischen Tradition und Geopolitik“ eröffnet.[1]
Arbeiten zu „spirituellen Randbereichen“
Von Dezember 1980 bis August 2012 unternahm Bouchet nach eigener Darstellung „elf Reisen von einigen Wochen bis zu mehreren Monaten nach Nordindien und in die Täler der Himalaya-Kette“. Sein Interesse an Indien erklärte er mit der Lektüre von Pèlerinage aux sources von Lanza del Vasto im Alter von vierzehn Jahren.[20] Während seines ersten Aufenthalts[21] wurde er nach eigener Aussage sowohl vom Dalai Lama – der, so Bouchet, „noch keine Medienikone geworden und sehr leicht zugänglich“ gewesen sei – als auch von Kalou Rinpoché in Privataudienz empfangen.[22] Dort traf er auch die „Priesterin Hitlers“, Savitri Devi. Später erklärte er, von dieser „Katzenmutter“ sehr enttäuscht gewesen zu sein,[23] und bezeichnete ihre Positionen als „parodistischen und phantasmatischen“ Neonazismus.[22]
Bouchet verfasste eine Masterarbeit in Geschichte sowie eine ethnologische Dissertation über den britischen Magier Aleister Crowley (1875–1947). Außerdem schrieb er mehrere Werke über Anthroposophie, Islamismus, Neopaganismus, Okkultismus, Spiritismus und Wicca sowie Biografien über Georges I. Gurdjieff, Allan Kardec, Rudolf Steiner und Karl Maria Wiligut.
1991 war er Gründungsmitglied des Centre international de recherche et d'études martiniste, unter anderem gemeinsam mit Robert Amadou, Massimo Introvigne und Serge Caillet, und arbeitete an dessen Zeitschrift L'Esprit des choses mit.[24] Von 1997 bis 2008 war er Mitglied des Cercle Ernest-Renan und von 2005 bis 2008 redaktioneller Berater von dessen Zeitschrift. Er ist Freimaurer und Mitglied des Memphis-Misraïm-Ritus und war eigenen Aussagen zufolge Leiter des Ordo Templi Orientis in Frankreich, eine okkulte Organisation, die von Theodor Reuss gegründet und von Aleister Crowley neu gestaltet wurde.[25]
Diese Aktivitäten waren Gegenstand verschiedener Kritik. Ihm wurde die Zugehörigkeit zu verschiedenen heidnischen, paramasonischen oder sektiererischen Strukturen unterstellt. In dem Buch Entretiens avec des Hommes remarquables erklärte Bouchet: „Ich war nie Thelemit, nicht einmal Crowleyaner. [...] Wenn ich nach einem hypothetischen Mentor suchen müsste, dann verdanke ich nicht Aleister Crowley etwas, sondern Julius Evola und, in diskreterer Weise, René Guénon“, und schloss mit der Aussage, dass „jede Zivilisation ihre eigene Tradition besitzt und diese Tradition für die Westeuropäer katholisch ist“.[26] Er wurde als jemand beschrieben, der „eine ausgeprägte Bindung an einen nichtliberalen katholischen Glauben“ zeige.[27]
Der Historiker Nicholas Goodrick-Clarke warf Bouchet vor, ein Anhänger von Nazi-Esoterik zu sein und er sich mit Savitri Devi getroffen zu haben, um sich mit dem Kali Yuga und ihren Vorstellungen von Adolf Hitler als Hindu-Avatar auseinanderzusetzen.[28] Bouchet stritt dies ab.
Privatleben und berufliche Laufbahn
Bouchet war ab 1995 Witwer einer Lehrerin und heiratete später erneut.[4]
Er ist der Vater von Gauthier Bouchet, dem Département-Delegierten des Rassemblement National in Loire-Atlantique, Regionalrat der Pays de la Loire und ehemaligen Kommunalpolitiker in Saint-Nazaire.[29][30]
Beruflich war Bouchet nacheinander Abteilungsleiter im Rathaus von Vertou, Immobilienmakler sowie Lehrer für Wirtschaftswissenschaften und Marketing in einer Section de technicien supérieur[2] am landwirtschaftlichen Lycée von Angers.[31]
Außerdem ist er Reservehauptmann.[32]
Am 26. Oktober 2021 wurde Bouchet wegen einer Beleidigung aufgrund der sexuellen Orientierung zu einer Geldstrafe von 500 Euro verurteilt.[33] 2018 hatte er den kommunistischen stellvertretenden Bürgermeister von Paris, Ian Brossat, auf Twitter unter Bezugnahme auf dessen Homosexualität angegriffen.[34] Dieses Urteil wurde am 22. Dezember 2022 in der Berufung aufgehoben.[35]
Positionen
In den 1990er Jahren vertrat Bouchet eine ethnopluralistische Linie, insbesondere durch die Unterstützung arabischer oder muslimischer antiimperialistischer Kreise und durch die Ablehnung der Assimilation von Einwanderern. Er verwendete Parolen und Argumente, mit denen er den Kommunitarismus fördern, den westlichen Imperialismus kritisierte und die Islamische Republik Iran unterstütze.[36]
2002 veröffentlichte er eine Studie über den Islamismus, in der er dessen Unfähigkeit kritisierte, eine Alternative zur Moderne zu bieten. Auf der Sommeruniversität von Égalité et Réconciliation im Jahr 2008 bekannte er sich zu einer langen Tradition der französischen extremen Rechten, die dem Islam nicht feindlich gegenüberstehe. Gleichzeitig gab er dort den radikalen Ethnopluralismus auf und befürwortete fortan einen republikanischen und assimilationistischen Islam in Frankreich.[36]
Bouchet kritisiert die Theorie vom Kampf der Kulturen, die seiner Ansicht nach darauf abziele, die Herausbildung einer multipolaren Welt zu verhindern.[36]
Veröffentlichungen
- Aleister Crowley (1875–1947): approche historique d'un magicien contemporain (1990)
- Aleister Crowley et le Mouvement thélémite (Doktorarbeit, 1998)
- Crowley (Reihe "Qui suis-je?", 1999)
- Occultisme (2000)
- Wicca (2000)
- Gurdjieff (2001)
- Néo-paganisme (2001)
- Les Nouveaux Nationalistes (2002)
- Islamisme (2002)
- Kardec (2003)
- Les Liaisons dangereuses de Julius Evola : Aleister Crowley, Gerald Brousseau Gardner et Maria de Naglowska (2003)
- Spiritisme (2004)
- Les Nouveaux Païens (2005)
- Steiner (2005)
- Anthroposophie (2006)
- Karl Maria Wiligut le Raspoutine d'Himmler (2006)
- Islam et Combat national : pour une approche pragmatique (2008)
- Jeunes nationalistes d'aujourd'hui : qui sont-ils, que veulent-ils? (2008)
- Enquête sur les nouveaux païens (2020)
- Le devoir de mémoire (2021)
- De Nouvelle Résistance au Bastion Social : Tracts, déclarations, manifestes, programmes - Anthologie du nationalisme-révolutionnaire français (1991–2002) (2023)
- 1793-2019, des Sans-culottes au Bastion social : histoire du nationalisme-révolutionnaire français (2023)
- Paroles de rebelles : Entretiens avec une jeunesse dissidente (2024)
- Nationaliste et révolutionnaire:un itinéraire rouge-brun (2025)