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Christian Fischer (Holzschnitzer)

Schweizer Holzschnitzer und Erfinder From Wikipedia, the free encyclopedia

Christian Fischer (* 30. Mai 1789 (Taufdatum) in Brienz; † 22. August 1848 oder 12. August 1849 ebenda) war ein Schweizer Holzschnitzer und Erfinder.

Leben

Familie

Die Familie Fischer geht auf einen Vorfahren namens Tschudi aus Glarus zurück. Dieser liess sich in Brienz als Fischer nieder, was schliesslich zum heutigen Familiennamen führte. Christian Fischer wuchs zusammen mit drei Schwestern in ärmlichen Verhältnissen bei seinen Eltern, Christian Fischer und Susann (geb. Wyss), auf. Infolgedessen blieb seine Schulbildung lückenhaft und beschränkte sich auf die Grundlagen im Lesen, Schreiben und Rechnen.

Fischer heiratete am 10. November 1809 Katharina (geb. Grossmann), von der er sich 1837 scheiden liess. Mit ihr hatte er zwei Kinder. In zweiter Ehe heiratete er Elisabeth (verw. Gräber, geb. Blatter), mit der er ebenfalls zwei Kinder bekam.

Ausbildung und berufliches Wirken

Aufgrund seiner körperlichen Konstitution war Fischer für das harte Arbeitsleben auf einer Alm ungeeignet, zeigte aber früh ein mechanisches Talent. Er trat daher als Lehrling bei seinem Vater in die Drechslerei ein und fertigte Tabakspfeifen aus Buchsholz sowie Regenschirmgriffe und ähnliche Gegenstände aus Horn an. In den wirtschaftlich schwierigen Jahren des frühen 19. Jahrhunderts erwies sich das Geschäft als unrentabel, da das benötigte Horn sowie das spezielle Buchsholz – das rötliche Reaktionsholz der Nadelhölzer – teuer von ausserhalb beschafft werden mussten. Die wirtschaftliche Bedrängnis (siehe Jahr ohne Sommer) führte zu einer entscheidenden Neuausrichtung: Mit dem aufkommenden Fremdenverkehr im Berner Oberland beim Giessbach um 1816 nutzte Fischer die Gunst der Stunde. Er stellte nun Eierbecher, Zuckerdosen und Bonbonnieren aus einheimischem Ahorn her, die er mit selbst entworfenen Schnitzmotiven, bestehend aus etwas Laubwerk oder primitiven Ornamenten, verzierte.

Fischers Erfindungsreichtum zeigte sich besonders in der Entwicklung spezialisierter Werkzeuge. Der sogenannte Geissfuss war ein angepasster Meissel und wurde zum Lieblingswerkzeug der Schnitzer. Die von seiner Ehefrau beim örtlichen Gasthof und gelegentlich beim Giessbach angebotenen Gegenstände fanden grossen Absatz unter Touristen, die kleine Andenken mitnehmen wollten.

Jägerskulptur und Skulptur einer Sennerin

Nach 1826 widmete sich Fischer ausschliesslich der Holzschnitzerei und schuf in den späten 1820er sowie frühen 1830er Jahren seine bedeutendsten Werke. Dazu zählten neben Darstellungen der Alpentier- und Menschenwelt sowie grossformatigen Kruzifixe in nahezu Lebensgrösse auch historische und literarische Figuren wie Napoleon und Wilhelm Tell. Zu seinen besonderen Arbeiten gehörten der Luzerner Löwe als Briefbeschwerer, was wohl seine erste Schnitzerei dieser Art darstellte, sowie aus dünnen Schindeln gefertigte Miniatur-Oberländerhäuser. Letztere waren wahrscheinlich seine Erfindung.

Schüler

Seit Mitte der 1820er Jahre nahm Fischer Schüler auf, zunächst in einem kleinen Lokal im Erdgeschoss des späteren Alpgass-Schulhauses. Mit Unterstützung einer Regierungssubvention baute er sich um 1825 ein geräumiges Haus am Fluhberg im Dorfteil Tracht in Brienz. Hier beschäftigte er zeitweise acht Arbeiter.

Seine wichtigsten Schüler waren aus Brienz Melchior Huggler und Kaspar Huggler-Schild (1806–1846)[1], sein Sohn Christian Fischer, Melchior Fuchs, Melchior Stähli (1808–1877)[2], Peter Flück, Peter Abplanalp, Johann Flück, Johann Schild, aus Schwanden Jakob Meder und aus Meiringen Johann Zurflüh und Melchior Kohler. Seine Lehrlinge und besonders begabten Schüler liess er die neue Handwerksschule (siehe Gibb Berufsfachschule Bern#1826–1899) in Bern besuchen.[3]

Diese Schüler trugen wesentlich zur Verbreitung der Holzschnitzerei über Brienz hinaus ins gesamte Oberland bei. Die Tradition setzte sich in verschiedenen Familien durch nachfolgende Generationen fort.[4] Laut einer kantonalen Untersuchung gab es 1867 im engeren Oberland 2000 Personen, die im Schnitzhandwerk tätig waren.[5][6]

Talente und Tätigkeiten

Fischers erfinderischer Geist beschränkte sich nicht auf die Holzschnitzerei. Er erlernte sämtliche Spengler- und Schmiedearbeiten, so konstruierte er unter anderem Schwarzwälder-Pendeluhren, musikalische Instrumente (Geigen, Flöten, Klarinetten) und ein Klavier sowie eine selbst konstruierte Presse zur Prägearbeit auf Leder.

Mit zunehmendem Alter widmete sich Fischer verstärkt der Medizin. Durch autodidaktisches Studium populärer Heilkunde-Schriften und seine Beobachtungsgabe erwarb er solch grosses Ansehen, dass er täglich 10–20 Patienten empfing. Die Regierung erteilte ihm die Bewilligung zur Ausübung des ärztlichen Berufes für Leibschäden und Knochenbrüche. Seine selbstgefertigten Bruchbänder wurden sogar von studierten Medizinern gekauft. Er war auch in der Geburtshilfe anerkannt.

Finanzielle Schwierigkeiten

Trotz seiner lukrativen Erfindungen verschlechterte sich Fischers finanzielle Lage im Alter erheblich. Seine Versuchsarbeiten in verschiedenen Bereichen banden Zeit und Mittel ohne nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg. Zudem war er wenig gewinnorientiert und übte grosszügig Wohltätigkeit, indem er seine Dienstleistungen oft unter Wert anbot. Ohne das Wohlwollen seiner Gläubiger wäre er in Konkurs geraten.

Vermächtnis und Bedeutung

Obwohl Fischer selbst in Armut starb, schuf er ein wirtschaftliches und kulturelles Erbe von unschätzbarem Wert. Die von ihm ins Leben gerufene Holzschnitzerei schuf eine Existenzgrundlage für hunderte Familien.[7]

Der Brienzer Pfarrer Heinrich Baumgartner (1846–1894)[8] verfasste seinen Nachruf in der Sammlung bernischer Biographien.

Fischerbrunnen in Brienz

Ehrungen und Auszeichnungen

In Brienz wurde Christian Fischer mit dem Fischerbrunnen, nach einem Entwurf von Hans Huggler-Wyss, 1923 ein Denkmal gesetzt.

Literatur

  • Hermann Wartmann: Fischer, Christian. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 7, Duncker & Humblot, Leipzig 1877, S. 50 f.
  • Heinrich Baumgartner: Christian Fischer. In: Sammlung bernischer Biographien, 1. Band. Bern, 1884. S. 382–387 (Digitalisat).
  • Christian Fischer. In: Industrielle Rundschau vom 22. März 1888. S. 101 (Digitalisat).
  • Christian Fischer. In: Das Berner Oberland. In: Deutsche Alpenzeitung, VI. Jahrgang, 1906/1907, 1. Halbband, 1906. S. 108 (Digitalisat).
  • Christian Fischer. In: Franziska Nyffenegger: Das Schweizerhaus als Andenken. In: Museum Holzbildhauerei, 2022 (Digitalisat).

Einzelnachweise

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