Christian Lendi

Schweizer reformierter Pfarrer und Kirchenfunktionär From Wikipedia, the free encyclopedia

Christian Lendi-Wolff (Allianzname; * 14. November 1899; † 11. Januar 1979) war ein Schweizer reformierter Pfarrer und Kirchenfunktionär. Er wirkte hauptsächlich in der Ostschweiz, insbesondere in St. Gallen, wo er als Pfarrer, Dekan und Präsident des Evangelischen Kirchenrates der Kantonalkirche tätig war. Lendi war der Bruder des Davoser Schriftstellers und Redaktors Fritz Lendi, der als Heimatschriftsteller und Chronist von Bad Ragaz und Graubünden bekannt wurde.

Die beiden Brüder Fritz Lendi und Christian Lendi (v. l. n. r.) in jungen Jahren

Leben

Christian Lendi wurde am 14. November 1899 geboren. Er entstammte einer bündnerischen Familie; sein älterer Bruder Fritz kam 1896 in Davos zur Welt. Nach dem frühen Tod der Eltern wuchsen Christian und Fritz Lendi bei Verwandten auf, wie biografische Skizzen zu Fritz Lendi hervorheben.

Nach dem Theologiestudium in Marburg und Basel trat er in den Dienst der reformierten Kirche ein und übernahm Pfarrämter in der Ostschweiz. Später lebte und wirkte er als Pfarrer in St. Gallen, wo er auch in kirchenleitende Funktionen aufstieg. Er heiratete Emmi Wolff aus Kassel, die er während seines Studiums in Marburg kennengelernt hatte. Lendi starb am 11. Januar 1979; der Nekrolog aus dem Bestand der Zentralbibliothek Zürich bezeichnet ihn als «Pfarrer, alt Dekan, alt Präsident des Evangelischen Kirchenrates des Kantons St. Gallen».[1]

Schulzeit und Ausbildung

Lendi besuchte die Primar- und Sekundarschule in Herisau, zeitweise auch das evangelische Institut Schmid, bevor er an die Kantonsschule St. Gallen wechselte. Nach der Matura nahm er das Studium der Theologie auf.[2]

Er studierte zunächst an der Universität Basel, wo er mit der historisch-kritischen Theologie und der dialektischen Theologie des frühen 20. Jahrhunderts in Berührung kam. Weitere Studiensemester verbrachte er an der Universität Marburg, die zu dieser Zeit ein wichtiges Zentrum theologischer und philosophischer Diskussionen war.[3]

Studienzeit in Marburg

Emmi Lendi-Wolff und Christian Lendi-Wolff in St. Gallen

Während seines Aufenthalts in Marburg engagierte sich Lendi neben dem Studium in sozialen Arbeitsgemeinschaften die den Kontakt zwischen Studierenden und Arbeiterschaft suchten. Diese Erfahrungen prägten sein späteres theologisches und kirchliches Selbstverständnis nachhaltig. In Marburg lernte er auch seine spätere Ehefrau Emmi Wolff kennen, mit der ihn eine lebenslange Partnerschaft verband.[4]

Abschluss des Studiums und Vikariat

Nach der Rückkehr in die Schweiz schloss Lendi sein Theologiestudium an der Universität Basel mit dem Staatsexamen ab. Anschliessend wurde er Vikar bei Pfarrer Rudolf Schwarz, womit der Eintritt in den kirchlichen Dienst erfolgte.[5]

Kirchliches Wirken

In den 1930er- und 1940er-Jahren gehörte Lendi einem Pfarrerkreis in St. Gallen-Bruggen an, der sich mit der dialektischen Theologie Karl Barths auseinandersetzte und kirchliche Stellungnahmen zu zeitgeschichtlichen Fragen vorbereitete.

Während des Zweiten Weltkriegs engagierte er sich kirchenpolitisch: Am 18. August 1942 war er einer der St. Galler Pfarrer, die einen Brief an den Präsidenten des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes, Alphons Koechlin, unterzeichneten, mit der Bitte, beim Bundesrat vorstellig zu werden.[6]

In der Folge stieg Lendi in die leitenden Gremien der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons St. Gallen auf und amtierte als Dekan sowie als Präsident des Evangelischen Kirchenrates. Predigten und gottesdienstliche Texte aus seinem Spätwerk sind in kirchlichen Archiven und im Nekrolog-Bestand der Zentralbibliothek Zürich überliefert.

Persönlichkeit und theologische Prägung

Lendi galt als theologisch reflektierte Persönlichkeit, die akademische Theologie, soziale Verantwortung und praktische Gemeindearbeit miteinander zu verbinden suchte. Seine biografischen Aufzeichnungen zeigen eine starke Sensibilität für soziale Fragen, politische Entwicklungen und persönliche Glaubensentscheidungen.[7]

Familie

Christian Lendi war mit Emmi Wolff verheiratet, die er während seines Studiums in Marburg kennengelernt hatte. Aus der Ehe ging unter anderem der Sohn Martin Lendi (* 1933), hervor, der als Schweizer Rechtswissenschaftler und Professor bekannt wurde.[8]

Tod

Christian Lendi starb am 11. Januar 1979. In kirchlichen Nekrologen wird er als «Pfarrer, alt Dekan und alt Präsident des Evangelischen Kirchenrates des Kantons St. Gallen» gewürdigt.

Rezeption und Quellenlage

In der kirchenhistorischen Literatur zur Ostschweiz wird Lendi vor allem im Zusammenhang mit der Geschichte des Evangelischen Kirchenrates des Kantons St. Gallen und mit Debatten um die Theologie Karl Barths erwähnt.[9] Darüber hinaus treten sein Name und seine Funktion in regionalen kirchlichen Publikationen, Protokollen und Predigtüberlieferungen in Erscheinung, während eine eigenständige biografische Monografie bislang nicht vorliegt.

Einzelnachweise

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