Christian Walti
Reformierter Pfarrer und Theologe (1982-)
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Christian Walti (* 1982 in Zürich) ist Pfarrer am Zürcher Grossmünster und ein evangelisch-reformierter Liturgiewissenschaftler.
Leben

Walti ist in Zollikon aufgewachsen. Als Jugendlicher war er Sänger der Rockband Naiv und Abteilungsleiter der Pfadfinderabteilung Morgestärn.[1] Er studierte Theologie in Zürich, Heidelberg und Kopenhagen. 2007 war er im Zuge eines Freiwilligeneinsatzes für den YMCA in der Republik Armenien. Sein Lernvikariat absolvierte er 2009 in Zürich-Altstetten.[2]
Nach dem Studium war er als Armeeseelsorger bei der Schweizer Luftwaffe tätig. 2010–2014 arbeitete er als Liturgiewissenschaftler und Ritualforscher am Kompetenzzentrum Liturgik und promovierte 2016 mit einer Doktorarbeit über den evangelisch-reformierten Gottesdienst. 2014–2025 arbeitete er als Pfarrer an der Berner Friedenskirche.[3] 2018–2022 war er Beauftragter der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn im Haus der Religionen.[4] Im Reformationsjahr 2017 wurde Walti in der Sendung SRF Reporter als junger Pfarrer portraitiert.[5]
Seit Februar 2025 ist er als Nachfolger von Christoph Sigrist am Grossmünster in Zürich tätig.[6] Dort teilt er sich das Pfarramt mit Martin Rüsch. Daneben arbeitet er als Seelsorger in der Bahnhofkirche im Zürcher Hauptbahnhof.[7] Seine Schwerpunkte liegen in der Jugendarbeit, der Seelsorge und Diakonie für Randständige und im interreligiösen Dialog.
Privates
Walti ist verheiratet und hat zwei Kinder. Seine Schwester Angela Walti ist als Sexualtherapeutin und Dozentin für Sexualpädagogik tätig.[8][9]
Gesellschaftliches Engagement
Walti ist Mitbegründer des sozio-kulturellen Restaurants Dock8, des Vereins brache.ch, der Ritualagentur Bern sowie Vorstandsmitglied der von Leonhard Ragaz gegründeten Zeitschrift Neue Wege.[10] In Bern hat er ein Death Café zum bewussten Umgang mit dem Lebensende mitinitiiert.[11] Er engagiert sich in den Vorständen der Gemeinnützigen Gesellschaft Zürich und Dietikon und der Sans-papiers-Anlaufstelle Zürich (SPAZ).[12] Er ist ein assoziiertes Mitglied des Kompetenzzentrums Liturgik.[13]
Walti hat sich gegen die Unterstützung der Grenzschutzagentur Frontex ausgesprochen.[14]
Er setzt sich für eine relevante und innovative Kirche,[15] für interreligiösen Dialog,[16] für öffentlich-rechtlichen Journalismus[17] und für soziale Gastronomie[18] ein.
Publikationen (Auswahl)
- Gottesdienst als Interaktionsritual. Eine videobasierte Studie zum agendenfreien Gottesdienst im Gespräch mit der Mikrosoziologie und der Liturgischen Theologie (APTLH 87), Göttingen 2016.
- GottesdienstKunst (hrsg. gemeinsam mit Angela Berlis und David Plüss), Zürich 2012.
- Taufe im Religionsgemisch. Ein Plädoyer für eine klient:innenzentrierte und kombinierende Kasualpraxis, in: Lars Hillebold und Claudia Kusch (Hrsg.), Taufe ist im Fluss : neue Ideen und Entwürfe für die Praxis, Neukirchen-Vluyn 2023, 73–79.
- «Wann wird das eigentlich fertig?» Arbeit mit nicht-kirchlichen und andersgläubigen Menschen am ekklesialen Nullpunkt, in: Ferenc Herzig und Christoph Wiesinger (Hrsg.), Zukunft der Kirche – Kirche der Zukunft, Leipzig 2020, 167–189.
- «Um nichts» Der Sinneswandel des Saulus und unser Umgang mit Meinungsverschiedenheiten. Meditation zu Apg 9,1–20 (12. Sonntag nach Trinitatis, 4.9.2022), Göttinger Predigtmeditationen, Göttingen 2021, 430–435.
- Digitalisierte Technik und liturgische Interaktion – Methodische Zugänge, Explorationen, Problematisierungen, in: Alexander Deeg (Hrsg.), Digitalisierung und Gottesdienst, Leipzig 2018, 127–141.