Christina Hemauer und Roman Keller
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Christina Hemauer (* 1973 in Zürich) und Roman Keller (* 1969 in Liestal), genannt Christina Hemauer und Roman Keller auch bekannt unter Hemauer/Keller sind ein Schweizer Künstlerduo und arbeiten seit 2003 zusammen.

Werdegang
Christina Hemauer studierte an der Zürcher Hochschule der Künste und an der Kunstakademie Gent (KASK) in Belgien[1], während Roman Keller nach dem Studium der Umweltnaturwissenschaften an der ETH Zürich, Fotografie in Zürich, New York und Karlsruhe studierte.[2] Sie leben und arbeiten in Zürich. Seit 2003 treten sie als festes Künstlerduo auf und entwickeln seither sämtliche Projekte gemeinsam. Hemauer/Keller beschäftigen sich kontinuierlich mit der Wechselwirkung von Kultur, Technologie und Umwelt, insbesondere im Kontext der Klimakrise. Grundlage sind archivalische und wissenschaftliche Recherchen, Interviews und Feldarbeiten, die sie in installative und filmische Formate übersetzen.[3]
Werk
Hemauer/Keller bedienen sich in ihrer Kunst einer breiten Palette künstlerischer Medien und Praktiken, die von Fotografie, Video, Installationen bis Performances reichen.
Viele ihrer Arbeiten reflektieren die Art und Weise, wie fossile Energie eine wichtige Rolle im Alltag, in der Geopolitik und in der Kultur spielt. So läuteten sie im Jahr 2006 mit einem Manifest und einer Performance im Kunsthof Zürich die Ära des Postpetrolismus ein.[4] Sie untersuchen insbesondere vergessene Innovationen, verpasste Chancen oder ungenutzte Alternativen, wie etwa in der mehrteiligen Arbeit No1 Sun Engine über das weltweit erste thermische Solarkraftwerk, das der amerikanische Ingenieur und Erfinder Frank Shuman 1913 in Ägypten entwickelte und Hemauer/Keller für die Internationale Kunstbiennale in Kairo 2008 realisierten.[5] Ihr Dokumentarfilm-Essay A Road Not Taken (2010)[6] befasst sich mit der Solaranlage,[7] die Präsident Jimmy Carter 1979[8] auf dem Dach des Westflügels des Weissen Hauses installierte, und die sieben Jahre später während der Präsidentschaft von Ronald Reagan wieder abgebaut wurde.[9]
Die Arbeiten von Hemauer/Keller beruhen auf Recherchen und sind durch eine enge Zusammenarbeit mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Geistes- und Naturwissenschaften inspiriert. In den meisten Werken wird dieser dokumentarische und wissenschaftliche Aspekt nahtlos mit poetischen Bildern und Praktiken kombiniert, oft mit einem humorvollen Augenzwinkern. Dies ist beispielsweise der Fall bei End of Life – Beitrag zur Ineffizienz der Poesie (2010)[10], das aus einer Serie von Fotografien besteht, die Glühbirnen[11] in ihren letzten Sekunden zeigen oder bei den verschiedenen Aufführungen ihrer Postpetrolistischen Internationale (2008), einer Hymne, die in Zusammenarbeit mit dem Musiker und Komponisten Mathias Vetter[12] entstanden ist. Ein Zyklus von Arbeiten untersucht das Blau des Himmels und die Wolkenbildung wie Voyages atmosphériques (2016),[13] Untitled, Blue (2017)[14] und Concerning the of the Blueness of the Sky (2021).[15] Die letztgenannten Werke machen deutlich, wie die Menschheit die Farbe des Himmels bereits verändert hat und wie sie sich aufgrund des Klimawandels künftig verändern wird. Hemauer/Keller arbeiten meist ausserhalb kommerzieller Kunstgalerien und haben ihre Werke in führenden Museen wie der Fri Art Kunsthalle (2007), dem San Francisco Museum of Modern Art (2008), der Kunsthalle Aarhus (2011), dem Kunstmuseum Olten (2015), dem Centre culturel Suisse, Paris (2016), dem CAPC musée d’art contemporain de Bordeaux (2016) und dem Aargauer und Zürcher Kunsthaus ausgestellt. Werke von Hemauer/Keller befinden sich in den Sammlungen des Aargauer Kunsthauses,[16] der Kunstsammlung der Stadt Zürich,[17] des CAPC Musée d'art contemporain de Bordeaux,[18] des Kunstmuseums Olten,[19] des Kunsthauses Zürich,[20] der Kunstsammlung des Kantons Zürich,[21] der Eidgenössischen Kunstsammlung[22] oder des Kunstmuseums des Kantons Thurgau.[23]
Auszeichnungen
- 2007: Werkbeitrag des Kantons Zürich[24]
- 2008: Eidgenössischer Preis für Kunst
- 2008: UBS Kulturstiftung
- 2009: Eidgenössischer Preis für Kunst, Swiss Art Awards[25]
- 2011: Werkbeitrag des Kantons Zürich[24]
- 2012: Preis der Dr. Georg und Josi Guggenheim-Stiftung[26]
- 2013: Stipendium für Bildende Kunst der Stadt Zürich[27]
- 2014: Kulturelle Auszeichnung der Stadt Zürich[28]
- 2018: Werkbeitrag des Kantons Zürich[29]
- 2019: Collide Pro Helvetia Residency Award am CERN[30]
- 2023: Zuger Kulturstiftung Landis & Gyr[31]
Ausstellungen
- 2006: An diesem Ort wurde am 27. April 2006 der Postpetrolismus eingeläutet, Kunsthof Zürich, Einzel[32]
- 2007: A Curiosity, a Museum piece and an Exemple of road not taken. Kunsthalle Fribourg, Fri-Art Centre d'art contemporain[33]
- 2008: A Moral Equivalent of War, Gruppenausstellung ECOMEDIA. Ecological Strategies in Today’s Art, Edith-Russ-Haus für Medienkunst, Oldenburg.[34]
- 2008: L'Energia siamo noi - Studio Frauenfeld, Shed im Eisenwerk Frauenfeld, Einzel, Frauenfeld[35]
- 2008–2009: Moralische Fantasien. Aktuelle Positionen zeitgenössischer Kunst in Zusammenhang mit der Klimaerwärmung, Kunstmuseum des Kantons Thurgau, Kartause Ittingen, Warth und Museum Morsbroich, Leverkusen
- 2008–2009: Sun of 1913, International Cairo Biennale, Einzel, Kairo[36][37]
- 2009: Swiss Art Awards 2009, Messe Basel, Basel
- 2011: Territoires, Bex & Arts, Bex[38]
- 2011: Spaghetti Junctions, Cubitt Gallery and Studios, Einzel, London[39]
- 2012: Track – A Contemporary City Conversation, S.M.A.K. Gent, Belgien[40]
- 2012: The Black Whale, Museo de Arte Contemporánea de Vigo, Spanien[41]
- 2013: Schwache Ölspuren im Sandstein – Days of an Elapsed Future, Kunstraum Walcheturm, Zürich[42]
- 2016: Stand der Hoffnung, Kunsthalle Arbon[43]
- 2016: Christina Hemauer & Roman Keller, Einzelausstellung im Kunsthal Aarhus, Aarhus; die Schau versammelt mehrere zentrale Projekte zur Geschichte von Energie und atmosphärischen Phänomenen.[44]
- 2017: 4.543 Billion. The Matter of Matter, CAPC musée d’art contemporain de Bordeaux[45]
- 2018: Wärme tauschen, Gesellschaft der Freunde junger Kunst e.V., Einzel, Baden-Baden[46]
- 2022: Teilnahme an der Ausstellung Beyond Water, Reconnecting.earth, Genf, deren Projekte sich mit Wasser, Klimakrise und ökologischen Fragen auseinandersetzen.[47]
- 2022: Uossa o mai. Now or Never, Fundaziun Nairs, Einzel, Scuol[48]
- 2022: Hemauer/Keller: Über den menschgemachten Himmel – Concerning the human-made sky, Nidwaldner Museum, Stans[49]
- 2024: Art Safiental Biennale 2024, Art Safiental[50]
- 2024: Apropos Hodler – Aktuelle Blicke auf eine Ikone, Kunsthaus Zürich[51]
- 2025–2026: Alberi arrabbiati, Museo Villa dei Cedri, Bellinzona[52]
Filmografie
A Road Not Taken, Präsentation des Projekts zur Solaranlage auf dem Dach des Weissen Hauses, in Institutionen und auf Festivals.[53]
- 2010: A Road Not Taken (Dokumentarfilm Essay)[54]
Künstlerbücher
- 2008: Sun of 1913. Christina Hemauer, Roman Keller. Mit einem Text von Wageh George in Englisch und Arabisch. Hrsg. Bundesamt für Kultur, Bern: 2008, ISBN 978-3-9523148-6-9
- 2011: United Alternative Energies, herausgegeben von Latitudes (Max Andrews & Mariana Canepa Luna), Kunsthalle Aarhus, Aarhus.[55]
- 2012: A Road Not Taken – The Story of the Jimmy Carter White House Solar Installation, Eigenverlag, Zürich 2012, ISAN 0000-0002-5973-0000-A-0000-0000-7
- 2013: A Chronology of Energy- and Art-Related Developments, herausgegeben von Christina Hemauer und Roman Keller mit Texten von Barbara Basting, Bice Curiger, Hemauer/Keller et al., Edizioni Periferia, Luzern 2013, ISBN 978-3-906016-24-5
Literatur
- 2007: Ökomedien: ökologische Strategien in der Kunst heute = Ecomedia : ecological strategies in today's art, Ausstellungskatalog, ISBN 978-3-7757-2048-9
- 2008: In: Moralische Fantasien. Aktuelle Positionen zeitgenössischer Kunst in Zusammenhang mit der Klimaerwärmung, herausgegeben von Markus Landert, Dorothee Messmer, Kunstmuseum Thurgau, mit Texten von Markus Heinzelmann, Patrick Hofstetter, Markus Landert, Dorothee Messmer, Raimar Stange und Harald Welzer, Verlag für moderne Kunst, Nürnberg 2008, ISBN 978-3-940748-25-6
- Christina Hemauer, Roman Keller: Unter der Sonne Ägyptens, in: zenith – Zeitschrift für den Orient, 11. Jhg., 2/2010, S. 46–47.
- 2010: In: Portscapes. Lara Almarcegui, Maria Barnas, Bik van der Pol, Jan Dibbets, Marjolijn Dijkman, Fucking Good Art, Ilana Halperin, Christina Hemauer & Roman Keller, Markus Miessen, Jorge Satorre, Hans Schabus, herausgegeben von Latitudes, Port of Rotterdam Authority und SKOR, Rotterdam 2010.
- 2011: In: Territoires. Bex & Arts, herausgegeben von Noémie Enz, Pascal Häusermann et al., Art & fiction, Lausanne 2011, ISBN 978-3906016245
- 2012: In: Eindeutigkeiten sprengen. Subverting disambiguities: Kuratorische Praxis / Curatorial Practice, Shedhalle 2009-2012, herausgegeben von Anke Hoffmann und Yvonne Vorlkart, Verlag für moderne Kunst, Nürnberg 2012, ISBN 978-3-86984-355-1
- 2015: Über die Blauheit des Himmels (Concerning the Blueness of the Sky). In: Invent the Future with Elements of the Past herausgegeben von Hans Ulrich Obrist und Adrian Notz, Scheidegger & Spiess, Zürich 2015, ISBN 978-3858814876
- 2022: Hemauer/Keller: Über den menschgemachten Himmel – Concerning the human-made sky, Kunstheft Nº17 Nidwaldner Museum, Stans 2022, ISBN 978-3-9525079-6-4
- 2024: What if? Letters to the future, Ausstellungskatalog, Hrsg.: ILEA, Institute for Land and Environmental Art, Johannes M. Hedinger, Vexer Verlag St. Gallen/Berlin, ISBN 978-3-907112-87-8