Christine Siegert
deutsche Musikwissenschaftlerin
From Wikipedia, the free encyclopedia
Leben und Wirken
Siegert studierte Schulmusik, Musikwissenschaft, Romanistik und Philosophie an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover und an der Université de Picardie Jules Verne in Amiens. Sie wurde durch Stipendien des DAAD, des Deutschen Historischen Instituts in Rom und der Gerda Henkel Stiftung gefördert. 2003 wurde sie in Hannover mit einer Arbeit über Luigi Cherubini promoviert.[2] Anschließend war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin im DFG-Projekt zu Joseph Haydns Arien-Bearbeitungen an der Universität Würzburg und von 2006 bis 2009 am Joseph-Haydn-Institut in Köln. 2009 bis 2010 leitete sie an der Universität Bayreuth die Arbeitsstelle des Akademie-Projekts OPERA – Spektrum des europäischen Musiktheaters in Einzel-Editionen.
2010 erhielt sie eine Juniorprofessur an der Universität der Künste Berlin. Dort leitete sie ab 2013 das von der Einstein Stiftung Berlin geförderte Verbundprojekt A Cosmopolitan Composer in Pre-Revolutionary Europe – Giuseppe Sarti, das sich am Beispiel des italienischen Opernkomponisten und seines Schaffens der Bearbeitungspraxis der italienischen Oper im 18. Jahrhundert und den Möglichkeiten der Darstellung in der digitalen Edition im Bereich der Musikwissenschaft widmete.
Am 1. September 2015 übernahm sie im Beethoven-Haus in Bonn die Leitung des Beethoven-Archivs und des Verlags und war in dieser Funktion bis zu ihrem Tod im August 2026 für die wissenschaftliche Arbeit des Hauses verantwortlich. In ihre Amtszeit fiel die Umsetzung einiger internationaler Tagungen sowie von Forschungsprojekten, darunter das DFG-Projekt "Beethoven in the House": Digitale Studien zu Bearbeitungen für Hausmusik (2019 bis 2023) und das von der Fritz Thyssen Stiftung geförderte Projekt Das Handwerk des Verlegers (2021 bis 2024) sowie Vorhaben zur Beethoven-Rezeption in der Zeit des Nationalsozialismus (u. a. Das Bonner Beethoven-Haus 1933–1945). Zudem rief sie das Bridgetower-Projekt ins Leben, das sich der historischen Aufarbeitung von Rassismus, Diskriminierung und Diversität im Musikbetrieb widmete. Ab 2016 war sie Generalherausgeberin der Neuen Beethoven-Gesamtausgabe.
Siegert starb im Alter von 55 Jahren nach schwerer Krankheit.
Ehrenämter
Am 19. August 2023 wurde Christine Siegert zur Präsidentin des Landesmusikrats Nordrhein-Westfalen gewählt. Ein Jahr später, am 5. September 2024, wurde sie in Kiel zur Vorsitzenden der Konferenz der Landesmusikräte gewählt. Als Entsandte der Länderkonferenz gehörte sie zudem spätestens ab 2025 dem Präsidium des Deutschen Musikrats an und engagierte sich im Beirat des Deutschen Musikinformationszentrums sowie im Bundesfachausschuss Musikwissenschaft des Deutschen Musikrats.
Darüber hinaus war sie Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für rheinische Musikgeschichte und fungierte seit Oktober 2023 als Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirats des Staatlichen Instituts für Musikforschung in Berlin.
Publikationen (Auswahl)
Monografien und Lexika
- Cherubini in Florenz. Zur Funktion der Oper in der toskanischen Gesellschaft des späten 18. Jahrhunderts. (= Analecta Musicologica, Band 41), Laaber-Verlag, Laaber 2008, ISBN 978-3-89007-683-6.
- Das Haydn-Lexikon. Hrsg. von Armin Raab, Christine Siegert, Wolfram Steinbeck, Laaber-Verlag, Laaber 2010, ISBN 978-3-89007-557-0.
Herausgeberschaften
- Giuseppe Sarti: Ästhetik – Rezeption – Überlieferung, hrsg. von Christin Heitmann, Dörte Schmidt und Christine Siegert (= Forum Musikwissenschaft, Band 12), Schliengen 2019.
- „Beethovens Vermächtnis“: Mit Beethoven im Exil. Bericht über das internationale Symposium Bonn 2018, hrsg. von Anna Langenbruch, Beate Angelika Kraus und Christine Siegert (= Schriften zur Beethoven-Forschung, Band 32), Bonn 2022.
Editionen
- Antonio Salieri: Prima la musica e poi le parole, Music Edition: Thomas Betzwieser, Text Edition: Adrian La Salvia, Editing Supervisor: Christine Siegert (= OPERA, Band 1), Kassel 2013.
- Ludwig van Beethoven: Ouvertüren zur Oper Leonore, hrsg. von Helga Lühning, Koreferat Christine Siegert (= Beethoven Werke, IX/1), München 2017.
- Ludwig van Beethoven: Symphonie Nr. 9 d-Moll op. 125, hrsg. von Beate Angelika Kraus, Koreferat Christine Siegert (= Beethoven Werke, I/5), München 2020.
- Ludwig van Beethoven: Leonore (Uraufführungsversion von 1805 in drei Akten), im Rahmen der Beethoven-Gesamtausgabe (in Vorbereitung zur Erstaufführung 2027).
Aufsätze
- Musikhistorische Positionen Ludwig Schiedermairs zwischen 1925 und 1950, in: Musikwissenschaft im Rheinland um 1930. Bericht über die Tagung der Arbeitsgemeinschaft für rheinische Musikgeschichte in Köln, September 2007, hrsg. von Klaus Pietschmann, Kassel: Merseburger, 2012 (= Beiträge zur rheinischen Musikgeschichte, Band 171), S. 194–207
- Ein neuer Cherubini-Brief und Neues zu einer alten Arie. Zwei Miszellen, in: Denn Musik ist der größte Segen... Festschrift Helen Geyer zum 65. Geburtstag, hrsg. von Elisabeth Bock und Michael Pauser, Sinzig: Studio-Verlag 2018, S. 115–120
- Ein „neuer Weg“ Vokalensembles zu komponieren? Zu Beethovens Terzett „Tremate, empi, tremate“ op. 116, in: Beethoven. Studien und Interpretationen, Band 7, hrsg. von Magdalena Chrenkoff, Kraków 2018, S. 225–238
- Materialisiertes Wissen und Wissensgenerierung im „Wissensspeicher“ Beethoven-Haus. Ein Beitrag aus der Praxis, in: Die Tonkunst, Jg. 13 (2019), S. 156–163
Weblinks
- Literatur von Christine Siegert im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Kurzbiografie auf der Website des Beethoven-Hauses
- Nachruf auf Prof. Dr. Christine Siegert auf der Website des Beethoven-Hauses
- Nachruf auf Prof. Dr. Christine Siegert auf der Website des Landesmusikrats NRW
