Christo Temelski
bulgarisch-orthodoxer Kirchenhistoriker
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Christo Iwanow Temelski (bulgarisch Христо Иванов Темелски; * 20. Juli 1948 in Sewliewo, Volksrepublik Bulgarien; † 11. April 2025 in Sofia, Republik Bulgarien) war ein bulgarischer Historiker. In seinem Fachgebiet, der bulgarischen Kirchengeschichte, gilt er als einer der bedeutendsten Spezialisten seiner Zeit. Von 1986 bis zu seinem Tode leitete er das Kirchenhistorische und Archivarische Institut beim bulgarischen Patriarchat. Er war Autor und Herausgeber von über 30 Büchern und über 600 Publikationen.
Leben
Christo Temelski wurde am 20. Juli 1948 als Christo Iwanow Christow in der zentralbulgarischen Stadt Sewliewo geboren. Seine Kindheit verlebte er im 12 km südsüdwestlich davon gelegenen Dorf Schumata (с. Шумата).[1] Nach Besuch der Grundschule wechselte er in das Polytechnische Gymnasium „Zwjatko Ganew“ (Политехническа гимназия „Цвятко Ганев“) in Sewliewo über, das er 1966 beendete. Vom 22. Oktober 1966 bis zum 5. Oktober 1968 leistete er seinen Wehrdienst in Plowdiw ab. Am 5. Dezember 1968 trat er eine Stelle als Chemiearbeiter im Vereinigten Industriebetrieb „Friedrich Engels“ (Обединено промишлено предприятие „Фридрих Енгелс”) in Kazanlăk an. Bald darauf war er im Werk als Fotograf tätig und wurde schließlich Mitarbeiter im Werksmuseum.[1]
Am 15. September 1973 nahm er ein Studium der Geschichtswissenschaft an der Sofioter Universität „Kliment Ohridski“ auf.[1] Dabei spezialisierte er sich auf die Fachrichtung Kirchengeschichte.[2] 1975, noch während seines Studiums, bekam er die Stelle des Kurators am Regionalhistorischen Museum Sewliewo. Am 27. Januar 1977 schloss er sein Studium erfolgreich ab. In seiner Diplomarbeit beschrieb er die Geschichte des Klosters Batoschewo zwischen dem 13. und dem 19. Jahrhundert. Gleichzeitig begann er ein Promotionsverfahren als externer Doktorand, das von Wassil Gjuselew betreut wurde. 1982 legte er seine Dissertation Die Klöster von Weliko Tarnowo während der Bulgarischen Wiedergeburt (Великотърновските манастири през Възраждането) vor und verteidigte sie mit großem Erfolg. Danach blieb er als Teilzeitmitarbeiter an der Universität.
Ab 1982 erweiterte er seinen Nachnamen um den alten Namen seiner Familie zu Christow-Temelski. Später benutzte er nur noch den Namen Temelski.[1]
Im Jahre 1985 ging er zur Spezialisierung an das Ostkirchliche Institut Regensburg.[2] Ein Jahr später kehrte Christo Temelski nach Bulgarien zurück. Durch Entscheid des Heiligen Synods wurde er am 1. Februar 1985 als wissenschaftlicher Mitarbeiter in das Kirchenhistorische und Archivarische Institut des bulgarischen Patriarchats aufgenommen.[1][2] Ein Jahr später erhielt er die Ernennung zum stellvertretenden Direktor. 1989 habilitierte er sich.[3] Nachdem am 1. April 1995 der Direktor des Instituts, Todor Sabew, in den Ruhestand ging, rückte Christo Temelski zu dessen Nachfolger auf.[1] Er hatte diese Stelle bis zu seinem Tod 2025 inne. Seine kritische Arbeitsweise drückte dem Institut ihren Stempel auf. Von Seiten der Kirchenleitung erfuhren er und seine Arbeit hohe Wertschätzung.[2]
Daneben agierte er als Mitglied des wissenschaftlichen Rats des Zentrums für Slawisch-byzantinische Studien „Prof. Iwan Dujtschew“ der Sofioter Universität „Hl. Kliment Ohridski“. Eine enge Zusammenarbeit verband ihn mit der Staatlichen Agentur „Archive“.[2] Über viele Jahre hielt er regelmäßig Gastvorlesungen an der Universität Weliko Tărnowo „Hll. Kiril und Methodi“. Dort betreute er auch die Gruppe der Doktoranden der Fakultät für orthodoxe Theologie. Ferner betätigte er sich als Gastdozent der Filiale Kărdschali der Universität Plowdiw „Paisii Hilendarski“.[2] Er gehörte des Weiteren dem Mazedonischen Wissenschaftlichen Institut an.[4]
Auch auf publizistischem Gebiet engagierte er sich. Er war Redaktionsmitglied der Zeitschrift "Духовна култура" ("Spirituelle Kultur") bis zu deren Einstellung. Zusätzlich steuerte er regelmäßig Beiträge für die halbmonatlich erscheinende "Kirchenzeitung" ("Църковен вестник") sowie das Internetportal "Двери на Православието" ("Tore zur Orthodoxie") bei.[2]
Christo Temelski starb am 11. April 2025 nach kurzer, schwerer Krankheit. Er wurde am 14. April 2025 auf dem Friedhof seines Heimatdorfs Schumata beigesetzt.[2]
Monographien (Auswahl)
- Великотърновските манастири в националноосвободителната борба (Исторически очерци) (bulgarisch, Übersetzung: Die Klöster von Weliko Tărnowo im nationalen Befreiungskampf (Historische Skizzen)). 272 S., Университетско издателство »Свети Климент Охридски«, Sofia 1992.
- Самоков през Възраждането (bulgarisch, Übersetzung: Samokow während der Wiedergeburt). 492 S., Издателство Фондация Елена и Иван Дуйчеви, Sofia 2000.
- Храмът св. Николай Нови Софийски} (bulgarisch, Übersetzung: Die Kirche »Hl. Neumärtyrer Nikolaj Sofijski«). 216 S., Издателство »Синева«, Sofia 2000, ISBN 954-9983-07-2.
- Соколският манастир »Св. Успение Богородично« край Габрово (bulgarisch, Übersetzung: Das Kloster Sokol »Hl. Entschlafung der Gottesmutter« bei Gabrowo), 124 S., Издателство »Фабер«, Weliko Tărnowo 2004, ISBN 978-954-7753-41-9.
- Батошевски мъжки манастир »Успение Пресвятие Богородици« (bulgarisch, Übersetzung: Mönchskloster Batoschewo »Entschlafung der Allerheiligsten Gottesmutter«). 186 S., Издателство »Синева«, Sofia 2006, ISBN 978-954-9983-60-9.
- Екзарх Йосиф I. (bulgarisch, Übersetzung: Exarch Josif I.). 128 S., Кама, Sofia 2006.
- Поздрав от Севлиево (bulgarisch, Übersetzung: Gruß aus Sewliewo). 271 S., Издателство »Синева«, Sofia 2006, ISBN 978-954-9983-57-9.
- Дипломатът в расо, Екзарх Йосиф I — живот и дейност (bulgarisch, Übersetzung: Der Diplomat im Talar, Exarch Josif I. - Leben und Wirken). 156 S., Издателство »Ариадна 93«, Sofia 2015, ISBN 978-954-8565-08-0.
- Храмът св. Николай Нови Софийски (bulgarisch, Übersetzung: Die Kirche »Hl. Neumärtyrer Nikolaj Sofijski«). 2. erweiterte Aufl., 334 S., Издателство »Ариадна 93«, Sofia 2019, ISBN 978-954-8565-10-3.
- Българската екзархия. 150 години от учредяването ѝ (bulgarisch, Übersetzung: Das Bulgarische Exarchat - 150 Jahre seit seiner Gründung). 83 S., Синодално издателство, Sofia 2020, ISBN 978-619-7306-12-5.