Christoph Bals

deutscher Theologe, Volkswirt und politischer Geschäftsführer der Umweltorganisation Germanwatch From Wikipedia, the free encyclopedia

Christoph Bals (* 1960) ist Geschäftsführender Vorstand Politik der deutschen Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch.[1] Er nimmt regelmäßig Stellung zu klima-, energie- und entwicklungspolitischen Themen.[2][3][4][5][6]

Christoph Bals, 2009

Studium

Christoph Bals absolvierte ein Grundstudium in Jura (LMU München) und studierte Theologie (Diplom), Volkswirtschaft und Philosophie an der LMU München, in Belfast, Erfurt und Bamberg.[7] Studienbegleitend absolvierte er eine dreijährige Journalistenausbildung beim Institut zur Förderung Publizistischen Nachwuchses.

Engagement

Friedensarbeit Nordirland: Seit 1981 bis Ende der 1980er-Jahre baute er in Süddeutschland ein Unterstützungsnetzwerk für die erste Schule in Nordirland („Lagan College“) ein, in der katholische sowie protestantische Schülerinnen und Schüler gleichberechtigt lernen konnten. 1986/87 schrieb er in Belfast seine Diplomarbeit zur Rolle der Kirchen in den Unruhen und zu friedenspolitischen Ansätzen in Nordirland. Er veröffentlichte ein Taschenbuch: Nordirland: Zwischen Konflikten und Versöhnung – Beiträge und Anregungen für die Begegnung mit Nordirland.[8]

Engagement in der DDR: 1984 studierte er ein Semester an der katholischen Fakultät in Erfurt. Da Christoph Bals mit einer Gruppe von Freunden und Freundinnen 1984 einen persönlichen Friedensvertrag mit einer Gruppe in Erfurt geschlossen hatte, verbrachten er und seine (spätere) Frau Christiane bis 1990 jedes Jahr zwei Monate in der DDR, vor allem in Erfurt und in Jeßnitz. In der Frankfurter Rundschau veröffentlichte er unter Pseudonym einen viel wahrgenommenen Artikel über die im neuen Lehrplan für Kindergärten in der DDR vorgesehene Militarisierung. In Kooperation mit Global Challenges Network arbeitete er 1990 in Ostberlin zwei vom Runden Tisch in das letzte DDR Kabinett unter Hans Modrow vom runden Tisch entsandten Ministern zu. Für Sebastian Pflugbeil erstellte er die Dokumentation zweier Energiewendekongresse in Ostberlin, deren Ergebnisse maßgeblich zum Abschalten der Atomkraftwerke russischer Bauart und zum Runterfahren der Braunkohle in Ostdeutschland beitrugen. Bals unterstützte das Team von Michael Succow als Mitarbeiter von Global Challenges Network bei der Vorbereitung einer wichtigen Entscheidung vom 12. September 1990 im Ministerrat der DDR. Auf dieser letzten Sitzung vor seiner Auflösung beschloss der Ministerrat das Nationalpark-Programm, mit dem sieben Prozent der Fläche der DDR als Nationalpark oder Biosphärenreservat unter strengen Naturschutz gestellt wurden.

Journalistische Arbeit: Bals initiierte 1987 mit zwei Kollegen das Münchener Journalistenbüro „Concept Publizisten“ und publizierte u. a. zu Umwelt- und Klimaschutz- sowie zu entwicklungspolitischen Themen. Daneben engagierte er sich beim Global Challenges Network, geleitet vom Quantenphysiker und alternativen Nobelpreisträger Hans Peter Dürr.

Germanwatch: Bals trat bei der Gründungsveranstaltung am 24. Februar 1991 bei Germanwatch ein. Seit September 1992 ist er dort Mitarbeiter. Sein Ziel: ein dem Gemeinwohl verpflichteten Beitrag zu leisten, dass Deutschland nach der deutschen Einheit nicht eine nationalistische Politik, sondern eine verantwortliche Politik für eine gerechte Entwicklung und den Schutz der ökologischen Lebensgrundlagen sowie der Menschenrechte international, in der EU und zuhause vorantreibt.

Ende 1997 unterstützte er Klaus Milke, seit der Gründung Vorstandsmitglied, später Vorsitzender und Ehrenvorsitzende bei Germanwatch, bei der Gründung der Stiftung Zukunftsfähigkeit. Dort ist er seitdem zunächst im Vorstand und später bis heute als Kuratoriumsvorsitzender ehrenamtlich tätig. Bals hat angekündigt nach seinem Ausscheiden als Geschäftsführender Vorstand bei Germanwatch Ende 2026 eine tragende Rolle bei der Stiftung zu übernehmen.[9]

2005 wurde er bei Germanwatch politischer Geschäftsführer,[10] seit 2025 ist er Geschäftsführender Vorstand Politik. Unter der Führung von ihm und seinem für Administration und Öffentlichkeitsarbeit zuständigem Mit-Geschäftsführer Gerold Kier wuchs die Organisation Germanwatch von 15 auf fast 120 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen.

Er hat zudem wichtige zivilgesellschaftliche Initiativen mit auf den Weg gebracht oder von Anfang an unterstützt, u. a.

  • die Klima-Allianz Deutschland, wo er bis heute im Sprecher:innenrat ist.
  • bis Ende 2024 saß er für viele Jahre in der Politischen Koordination des internationalen Climate Action Network.
  • Er hat seit der Gründung 2014 eine wichtige Rolle im ICPH und seinem Vorgänger CBS gespielt.
  • Atmosfair, das von Dietrich Brockhagen innerhalb von Germanwatch initiiert, dann aber schnell als gemeinnützige GmbH ausgegründet wurde. Seitdem ist Bals im Fachbeirat von atmosfair.

Zudem hat er wichtige Kooperationen zwischen Zivilgesellschaft und Wirtschaft bzw. Gewerkschaften mit auf den Weg gebracht. Dazu gehören:

  • Der Unternehmensverband European Business Council for Sustainable Energy and Materials (e5), der 1996 gegründet wurde und sich für die Zukunftsfähigkeit der europäischen Wirtschaft einsetzt.
  • Emission 55 – Gemeinsam mit e5 und dem WWF international initiierte Germanwatch eine internationale Unternehmensgruppe von 120 Unternehmen, die sich wirkungsvoll und erfolgreich dafür einsetzte, dass ausreichend viele Staaten trotz des Scheiterns des UN-Klimagipfel in Den Haag und der endgültigen Ablehnung der US-Regierung, das Kyoto-Protokoll zu ratifizieren (2001), ihre Bereitschaft erklärten, das Kyoto-Protokoll in Kraft zu setzen. Die Deutsche Telekom spielte eine Schlüsselrolle, diese kurzfristig sehr wirkmächtige Allianz zusammenzuführen.[11]
  • Die Renewable Grid Initiative (RGI), eine Plattform, die im Kontext Stromnetze den Dialog zwischen Übertragungsnetzbetreibern (TSOs) und Nichtregierungsorganisationen (NGOs) fördert. Bals hat diese mitbegründet und war dann bis 2018 im Vorstand.
  • die Stiftung KlimaWirtschaft (früher Stiftung 2° – Deutsche Unternehmer für Klimaschutz), die Bals seit ihrer Gründung beratend begleitet hat und deren Beirat er heute angehört.
  • Kooperationen mit Gewerkschaften wie IG BAU, ver.di, IGBCE, u. a. zu klimagerechter Transformation.

Er hat verschiedene Initiativen vorangebracht, um Klima- und Menschenrechtsthemen im Finanz- und Versicherungssektor zu verankern:

  • Mitglied im ersten Sustainable Finance-Beirat der Bundesregierung.[12]
  • Langjährige Teilnahme im Gremium des NAI – Natur-Aktien-Index
  • Er war seit der Gründung bis 2024 stellvertretender Vorsitzender der Munich Climate Insurance Initiative (MCII)
  • Langjährige klimapolitische Kooperationen u. a. mit der Munich Re, der Allianz und der Swiss Re (früher auch Gerling)

Bals ist weiterhin Mitglied in diversen Steuerungs- und Beratungsgremien:[13] Mitglied des Kuratoriums des Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK), Mitglied des Beirats von EPICO KlimaInnovation, Mitglied des Klimaschutzbeirats des Landes Rheinland-Pfalz, Mitglied des Klimabeirats der Stadt Bonn und Beirats Internationales Bonn, Mitglied Independent High-Level Expert Group on Climate Finance, Mitglied Strategic Advisory Council des International Climate Politics Hub.

Bals hat auf verschiedenen Ebenen die Rolle der Kultur befördert, neue Horizonte und Zielgruppen für die notwendige sozial-ökologische Transformation zu erschließen. So war er Akteur beim Theaterprojekt „Weltklimakonferenz“ des Riminiprotokolls (2014)[14], im Rahmen des Festivals „Save The World“ (2015) des Theaters Bonn mit Schauspieldirektorin Nicola Bramkamp.[15] Er kooperierte über Jahre eng mit Karin-Simone Fuhs, Gründerin der ecosign-Akademie in Köln.

Bals setzt sich auf verschiedenen Ebenen für die notwendige Handlungsfähigkeit der EU ein. Nach innen für die Umsetzung der notwendigen ökologischen, sozialen und ökonomischen Reformen und für eine mögliche EU-Erweiterung um die Ukraine und einige weitere West-Balkanstaaten. Nach einem Besuch von Bals, seiner Frau und Bereichsleiter Oldag Caspar im Donbass (2015) hat Germanwatch dort mit neun Kohlekommunen die Transformation der der ukrainischen Kohlewirtschaft und eine bilaterale klimapolitische Zusammenarbeit Ukraine-Deutschland (2017–2024) unterstützt. Seit 2017 hat Germanwatch auch die bilaterale und trilaterale Kooperation für klimapolitische Ambition zwischen Polen, Frankreich und Deutschland (Grünes Weimarer Dreieck) maßgeblich vorangetrieben.

Nach außen geht es für ihn um Partnerschaften der EU auf Augenhöhe zwischen mit anderen Staaten, gerade auch aus dem globalen Süden, den Schutz der ökologischen Lebensgrundlagen, Völkerrecht und den Schutz von Menschenrechten voranzutreiben.

Laut Table Media ist er einer der 100 entscheidenden Köpfe der deutschsprachigen EU-Szene.[16]

Einzelnachweise

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