Christoph Luitpold Frommel

deutscher Kunsthistoriker (1933–2026) From Wikipedia, the free encyclopedia

Christoph Luitpold Frommel (* 25. September 1933 in Heidelberg; † 11. Februar 2026 in Rom)[1] war ein deutscher Kunsthistoriker und Spezialist für Architektur der italienischen Renaissance. Er war von 1980 bis 2001 Direktor der Bibliotheca Hertziana in Rom und lehrte ab 2003 als Professor für Kunstgeschichte der Neuzeit an der römischen Universität La Sapienza. Zuvor war er bis 1980 Professor an der Universität Bonn, der er darüber hinaus als Honorarprofessor verbunden blieb.

Leben

Christoph Luitpold Frommel war ein Sohn des Komponisten und Musikpädagogen Gerhard Frommel, Neffe des Schriftstellers Wolfgang Frommel und älterer Bruder des Künstlers Melchior Frommel.[2] Er studierte Kunstgeschichte, Klassische Archäologie und Geschichte an der Universität München, wo er 1959 bei Hans Sedlmayr zum Doktor der Philosophie promoviert wurde. Thema seiner Dissertation waren die Renaissance-Villa Farnesina in Rom und das architektonische Frühwerk Baldassare Peruzzis. Es folgten Stipendien und eine Zeit als Assistent an der Bibliotheca Hertziana (bis 1967).

Frommel habilitierte sich 1968 an der Universität Bonn, wo er von Herbert von Einem betreut wurde. Seine 1973 in drei Bänden publizierte Habilitationsschrift Der römische Palastbau der Hochrenaissance machte ihn in der Fachwelt bekannt. An der Universität Bonn lehrte er ab 1969 als außerplanmäßiger Professor und Diätendozent, von 1970 bis 1980 als wissenschaftlicher Rat und Professor. Zu seinen damaligen Schülern zählten Wolf Tegethoff, Andreas Tönnesmann und Elisabeth Kieven. Seine Lehrtätigkeit in Bonn unterbrach Frommel 1972 für eine Dozentur an der University of California, Berkeley und 1977 für eine Gastprofessur am Institute for Advanced Study in Princeton (New Jersey).

Von 1980 bis zum Eintritt in den Ruhestand im Jahr 2001 war er als Nachfolger von Wolfgang Lotz Direktor der Bibliotheca Hertziana in Rom. Seit 2003 hatte er eine Professur an der römischen Universität La Sapienza inne. Er war ab 1999 korrespondierendes Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, ab 1985 Corresponding Fellow der British Academy[3] und ab 2002 Mitglied der Accademia Nazionale dei Lincei.[4] Ab 2020 war er der fünfte deutsche Ehrenbürger Roms.[5][6]

Zu seinen Kernthemen gehörten die italienische Renaissance als Gipfel nachantiker Kultur und die Stadt Rom als Brennpunkt italienischer Architekturgeschichte.

Nach einer 1964 geschlossenen Ehe mit der Künstlerin und Übersetzerin Joke Haverkorn van Rijsewijk (* 18. Januar 1935; † 9. Februar 2022),[7] die sich mit Entfernte Erinnerungen an W. kritisch an ihre Zeit bei und mit Wolfgang Frommel im Castrum Peregrini in Amsterdam in den 50er Jahren auseinandergesetzt hatte,[8] war Frommel anschließend mit der Kunst- und Architekturhistorikern Sabine Frommel (* 1958) verheiratet.[9][10]

Schriften (Auswahl)

  • Die Farnesina und Peruzzis architektonisches Frühwerk. De Gruyter, Berlin 1961.
  • Baldassare Peruzzi als Maler und Zeichner. 1968.
  • Der römische Palastbau der Hochrenaissance. Wasmuth, Tübingen 1973 (Digitalisat auf Heidelberger historische Bestände – digital).
  • Michelangelo und Tommaso dei Cavalieri. Castrum Peregrini Presse, Amsterdam 1979.
  • mit Stefano Ray und Manfredo Tafuri: Raffaello architetto. 1984.
  • Michelangelo Marmor und Geist: Das Grabmal Papst Julius’ II. und seine Statuen. Schnell & Steiner, Regensburg 2014.
  • Schriftenreihe Christoph Luitpold Frommel auf ART-Dok.

Literatur

  • Frommel, Christoph Luitpold. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 343.

Einzelnachweise

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