Chrom-Dravit

Mineral, Ringsilikat aus der Turmalingruppe From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Mineral Chrom-Dravit ist ein sehr seltenes Ringsilikat aus der Turmalingruppe mit der idealisierten chemischen Zusammensetzung NaMg3Cr3+6(Si6O18)(BO3)3(OH)3OH.[3]

Schnelle Fakten Allgemeines und Klassifikation, Kristallographische Daten ...
Chrom-Dravit
Chromreicher Dravit aus Möng Hsu (Monghsu; Maing Hsu), Shan-Staat, Myanmar (2,2 × 0,9 × 0,9 cm)
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Nummer

1982-055[1]

IMA-Symbol

Cdrv[2]

Andere Namen
Chemische Formel
  • NaMg3Cr3+6(Si6O18)(BO3)3(OH)3OH
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Silikate und Germanate – Ringsilikate
System-Nummer nach
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

VIII/E.19-030

9.CK.05
61.03.01.11
Kristallographische Daten
Kristallsystem trigonal
Kristallklasse; Symbol 3/mVorlage:Kristallklasse/Unbekannte Kristallklasse
Raumgruppe R3m (Nr. 160)Vorlage:Raumgruppe/160
Gitterparameter a = natürlich: 16,11 Å; c = natürlich: 7,27 Å[4]
Formeleinheiten Z = 3[4]
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte Bitte ergänzen!
Dichte (g/cm3) gemessen: 3,40(1)[3]
Spaltbarkeit Bitte ergänzen!
Farbe dunkelgrün[3]
Strichfarbe Bitte ergänzen!
Transparenz Bitte ergänzen!
Glanz Bitte ergänzen!
Kristalloptik
Brechungsindizes nω = 1,778(5)[3]
nε = 1,772(5)[3]
Doppelbrechung δ = 0,006
Optischer Charakter einachsig negativ[3]
Pleochroismus deutlich von dunkelgrün nach gelbgrün[3]
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Anhand äußerer Kennzeichen ist Chrom-Dravit nicht von anderen chrom- oder vanadium-haltigen Turmalinen zu unterscheiden. Er kristallisiert mit trigonaler Symmetrie und bildet dunkelgrüne, pyramidale Kristalle von unter einem Millimeter Größe. Im Dünnschliff erscheinen sie dunkelgrün bis gelbgrün.[3] Wie alle Minerale der Turmalingruppe ist Chrom-Dravit pyroelektrisch und piezoelektrisch.

Die Typlokalität sind glimmerführende, metasomatisch überprägte Ton-Karbonatgesteine aus der Velikaya Guba Uranlagerstätte. Sie liegt auf der Halbinsel Saoneschje im Rajon Medweschjegorsk der Republik Karelien in Russland.[3][5]

Etymologie und Geschichte

Den ersten Chromturmalin beschrieben Alfonso Cossa und Andreas Arzruni bereits 1883. Die Proben aus dem Ural wurden 1977 erneut untersucht, wobei die hohen Chromgehalte nicht bestätigt werden konnten und der Turmalin als chromhaltiger Dravit charakterisiert wurde.[6]

Karelien ist ebenfalls bekannt für chromreiche Minerale, die dort zusammen mit metasomatisch veränderten Ultrabasiten vorkommen. In der Region Outokumpu im finnischen Teil Kareliens wurde 1968 chromreicher Dravit beschrieben.[7] Das Chrom-Äquivalent von Dravit entdeckte Ye. V. Rumyantseva 1983 in Karbonatgesteinen der Velikaya Guba Uranlagerstätte auf der Halbinsel Saoneschje in der russischen Republik Karelien. Sie nannten den neuen Turmalin nach seiner Zusammensetzung Chromdravit.[3]

Klassifikation

In der strukturellen Klassifikation der International Mineralogical Association (IMA) gehört Chrom-Dravit zusammen mit Dravit, Fluor-Dravit, Schörl, Fluor-Schörl, Tsilaisit und Fluor-Tsilaisit zur Alkali-Untergruppe 1 der Alkali-Gruppe in der Turmalinobergruppe.[8]

Da Chrom-Dravit erst 1983 beschrieben worden ist, ist er in der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz nicht verzeichnet.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VIII/E.19-030. Dies entspricht der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Ringsilikate“, wo Chrom-Dravit zusammen mit Adachiit, Bosiit, Chromo-Alumino-Povondrait, Darrellhenryit, Dravit, Elbait, Feruvit, Fluor-Buergerit, Fluor-Dravit, Fluor-Elbait, Fluor-Liddicoatit, Fluor-Schörl, Fluor-Tsilaisit, Fluor-Uvit, Foitit, Lucchesiit, Magnesio-Foitit, Maruyamait, Olenit, Oxy-Chrom-Dravit, Oxy-Dravit, Oxy-Foitit, Oxy-Schörl, Oxy-Vanadium-Dravit, Povondrait, Rossmanit, Schörl, Tsilaisit, Uvit, Vanadio-Oxy-Chrom-Dravit und Vanadio-Oxy-Dravit die „Turmalingruppe“ mit der Systemnummer VIII/E.19 bildet.[9]

Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[10] 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Chrom-Dravit in die Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort in die Abteilung „Ringsilikate (Cyclosilikate)“ ein. Hier ist das Mineral in der Unterabteilung „[Si6O18]12−-Sechser-Einfachringe mit inselartigen, komplexen Anionen“ zu finden, wo es zusammen mit Dravit, Elbait, Feruvit, Fluor-Buergerit, Foitit, Fluor-Liddicoatit, Magnesio-Foitit, Olenit, Oxy-Vanadium-Dravit, Povondrait, Rossmanit, Schörl und Fluor-Uvit die „Turmalingruppe“ mit der Systemnummer 9.CK.05 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen und zuletzt 1997 veröffentlichten Systematik der Minerale nach Dana hat Chrom-Dravit die System- und Mineralnummer 61.03.01.11. Das entspricht der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Sechserringe“. Hier findet er sich in der „Turmalingruppe“, in der auch Foitit, Liddicoatit, Uvit, Feruvit, Buergerit (diskreditiert), Povondrait, Olenit, Elbait, Dravit und Schörl eingeordnet sind.[11]

Chemismus

Chrom-Dravit ist das Chrom-Analog von Dravit und hat die idealisierte Zusammensetzung [X]Na[Y]Mg3[Z](Cr3+6)([T]Si6O18)(BO3)3[V](OH)3[W]OH,[3] wobei [X], [Y], [Z], [T], [V] und [W] die Positionen in der Turmalinstruktur sind.

Für den Chrom-Dravit aus der Typlokalität wurde folgende Zusammensetzung bestimmt:

  • [X](Na0,97Ca0,03)[Y](Mg1,57Mn0,03V3+0,22Al0,16Ti0,02)[Z](Cr3+4,71Fe3+1,08Al0,21)[[T](Si5,81Al0,19)O18]((B0,97Al0,03)O3)3[V](OH)3[W][(OH)0,77O0,23][3]

Zwischen den Vanadium-, Chrom-, Aluminium-Turmalinen besteht vollkommene Mischbarkeit entsprechend der Austauschreaktionen:

  • [Z]Cr3+ = [Z]Al3+ (Dravit)[12]
  • [Z]Cr3+ = [Z]V3+ (Vanadium-Dravit)
  • [Y]Mg2+ + [W](OH) = [Y]Cr3+ + [W]O2− (Oxy-Chrom-Dravit)

Kristallstruktur

Chrom-Dravit kristallisiert mit trigonaler Symmetrie in der Raumgruppe R3m (Raumgruppen-Nr. 160)Vorlage:Raumgruppe/160 mit 3 Formeleinheiten pro Elementarzelle. Die Gitterparameter des natürlichen Mischkristalls aus der Typlokalität sind: a = 16,11 Å, c = 7,27 Å.[3]

Die Kristallstruktur ist die von Turmalin. Natrium (Na+) besetzt die von 9 Sauerstoffen umgebene X-Position, die oktaedrisch koordinierte [Y]-Position ist überwiegend mit Magnesium (Mg2+) besetzt und die ebenfalls oktaedrisch koordinierte [Z]-Position vorwiegend mit Chrom (Cr3+). Die tetraedrisch koordinierte [T]-Position enthält Silizium (Si4+). Die beiden Anionenposition [V] und [W] enthalten vorwiegend (OH).[3][12]

Bildung und Fundorte

Chromreiche Turmaline bilden sich bei der Metasomatose ultrabasischer Gesteine oder in deren Umgebung auftretender Sedimente.

Die Typlokalität sind glimmerführende, metasomatisch überprägte Ton-Karbonatgesteine aus der Velikaya Guba Uranlagerstätte auf der Halbinsel Saoneschje im Rajon Medweschjegorsk der Republik Karelien in Russland. Chrom-Dravit tritt hier zusammen mit den Glimmern Tainiolith und Roscoelith sowie den weiteren Mineralen Quarz und Dolomit auf.[3][5]

Neben der Typlokalität werden Chrom-Dravitfunde noch von einigen anderen Fundorten berichtet,[5] bei denen es sich aber oft um Oxy-Turmaline handelt.[13] So erwies sich z. B. der „Chrom-Dravit“ aus der American #1 Talk-Miene bei Balmat (New York) im St. Lawrence County, New York[14] als Chromo-Alumino-Povondrait.[15]

In der Matoush Uranlagerstätte im südwestlichen Teil des Otish-Beckens in Québec, Kanada, wurden Dravit-Chrom-Dravit-Mischkristalle mit Dravit-reichen Kern und Chrom-reichen Rand beschrieben. Sie treten zusammen mit Chromphyllit, Eskolait, hydratisierten Eskolait, Quarz und Uraninit auf. Auch hier wurden die OH-Gehalte der Turmaline nicht gemessen, so dass es sich hier ebenfalls um Oxy-Turmaline handeln könnte.[16]

Literatur

  • Chromdravite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org [PDF; 67 kB; abgerufen am 13. August 2022]).

Einzelnachweise

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