Château de Malle

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Château de Malle (ʃɑto də mal) ist ein privat-geführtes, 56 Hektar – davon 27 im Sauternes – großes Weingut mit Schloss im französischen Weinbaugebiet Bordeaux. Seit April 2024 ist es im Besitz von Luc und Clémence Planty, nachdem es seit Anfang des 17. Jahrhunderts nur innerhalb von drei Familien vererbt worden war, der Familien de Malle, de Lur-Saluces und de Bournazel. So blieb das Gut über die Jahrhunderte im Besitz weniger Familien, die seine Entwicklung prägten.

Front mit Ehrenhof, 1998

Als Produktionsbetrieb für Wein besitzt es mit der Deuxième-Cru-Classé-Klassifizierung eine hohe Wertschätzung innerhalb des Reglements von 1855, als Baudenkmal ist es seit 1943 geschützt und seit 1949 mit dem Prädikat Monument historique Classé verzeichnet. Der Weinanbau wurde mit dem letzten Besitzerwechsel auf Bio-Zertifizierung umgestellt. Zu der Anlage gehört ein sechseinhalb Hektar großer Schlosspark, der 2021 die Auszeichnung als „Jardin Remarquable“ (Bemerkenswerter Garten) vom französischen Kulturministerium verliehen bekam.

Geschichte

Front mit Ehrenhof, frühes 20. Jahrhundert

De Malle

Die ursprüngliche Wein-Domäne geht auf das Mittelalter zurück, mit einer ersten Erwähnung im 15. Jahrhundert als Weinbaubetrieb in der Gemeinde Preignac, in der der Süßwein aus der Region bereits an Bedeutung gewann, aber noch lange bevor Jacques de Malle (1590–1654) das heutige Schloss erbaute.[1]

Der älteste Gebäudeteil ist das zweigeschossige, aus Bruchstein errichtete Bauwerk, das heute dem Weinverkauf dient. Zehn Meter lange Holzbalken tragen das Obergeschoss. Daran schließen sich Betriebsräume zur Weinherstellung an.

Zentral angebrachtes Familienwappen der de Lur-Saluces

Die weitere Entwicklung des Château de Malle ist eng mit dem Aufstieg des Bordelaiser Adels und der Entwicklung des Weinbaus in der Gironde verbunden. Erst im frühen 17. Jahrhundert erhielt das Anwesen seine heutige Gestalt, als Jacques de Malle, Präsident des Parlaments von Bordeaux das Schloss als „demeure de plaisance et exploitation agricole“ (repräsentativen Landsitz mit landwirtschaftlicher Nutzung) errichten ließ. Das charakteristische Château ist den Bauvorstellungen der Renaissance unterworfen und streng symmetrisch in einen Mittelbau und zwei dazu rechtwinkligen Seitenflügeln mit abschließenden Rundtürmen gegliedert. Nur der dreiachsige Mittelteil und die beiden Türme verfügen über zwei Geschosse, die übrigen Bauteile sind nur ebenerdig. So auch die beiden Seitenflügel, die sich an die Türme anschließen und die Ehrenhof bilden. Diese beiden Seitenflügel dienten dem Betrieb des Schlosses und den Wohnräumen für die Bedienstete. Der Hof wird nach Osten hin durch ein monumentales, schmiedeeisernes Gitter abgeschlossen. In der zentralen Achse ist darin ein Tor eingelassen, das später von dem Familienwappen der de Lur-Saluces’ geschmückt wurde und noch heute im Original zu sehen ist.

Die Anlage vereinte repräsentative Architektur, barocke Gärten im florentinischen Stil[2] (symmetrische Flügel, Ecktürme, Terrassengärten mit 18 Statuen mit Bezug zur Arbeit im Weinberg, zur Mythologie und zur Commedia dell’arte[2] sowie ein Ha-Ha) mit der wirtschaftlichen Funktion: Die Reihung von Terrassen zum Ausgleich der Hanglage verband das Schloss direkt mit den umliegenden Weinbergen, während der Ehrenhof und die Innenausstattung mit Möbeln und Gemälden den gesellschaftlichen Ansprüchen der regionalen Elite gerecht wurden. Eine Besonderheit ist das Freiluft-Theater, in dem „Plein-Aire“-Aufführungen stattfinden konnten. Diese Doppelfunktion – Wohnsitz und Produktionsstätte – war charakteristisch für Adelsgüter des frühen 17. Jahrhunderts in der Region Gironde.[3]

Wie der Historiker Paul Butel 1974 in seiner Monografie Les négociants bordelais, l’Europe et les îles au XVIIIe siècle zu den international agierenden Weinfamilien schrieb, war die Erhebung in den Adelsstand den meisten Familien zu kostspielig, die „politique préférée des négociants (bordelais) est faite d’alliances familiales : ce sont surtout leurs filles que ces négociants marient à des parlementaires ou à des nobles d’épée“, die „bevorzugte Strategie der (bordelaisen) Kaufleute bestand in Familienbündnissen: Vor allem ihre Töchter verheirateten diese Kaufleute mit Parlamentariern oder Adligen“.[4] Entsprechend verkörperte das Château de Malle den Geist einer Epoche, in der Architektur, Landwirtschaft und gesellschaftlicher Anspruch eine symbiotische Einheit bildeten.

Alexandre-Eutrope de Lur-Saluces (1672–1754)
Vestibül mit Cheminée

De Lur-Saluces

Kurz vor dem Wechsel ins 18. Jahrhundert fand die Heirat von Jeanne de Malle mit Alexandre-Eutrope de Lur-Saluces (1672–1754), Baron von Fargues und Graf von Uza statt. Jeanne war die sechste Generation der Malles an diesem Ort. Dadurch ging der Besitz des Anwesens der Familie de Malle auf die Familie Lur-Saluces über.[5] Wenig später wurden die Ästhetik und der Komfort des Schlosses von Alexandre-Eutrope de Lur-Saluces verbessert. Holzvertäfelungen im Stil Ludwigs XIV. und monumentale Steinkamine bestimmten fortan den Stil im Inneren. Die Kapelle, die sich im Südostturm befindet, wurde mit Malereien auf Leder verziert, die noch heute die Paneele der acht abgeschrägten Ecken des Raumes schmücken.[3] Der Garten wurde neu gestaltet und an der Fassade brachte Alexandre-Eutrope de Lur-Saluces das Familienwappen an: drei Halbmonde, die die drei Kreuzzüge symbolisieren, an denen seine Familie teilgenommen hat.[6]

Durch die Heirat von Jeanne de Malle mit Alexandre-Eutrope de Lur-Saluces ging das Château im 18. Jahrhundert an die gleichnamige Familie über, die es zu einem der renommiertesten Weingüter der Region ausbaute. Der Höhepunkt dieser Ära war die Klassifizierung als Grand Cru Classé von Sauternes im Jahr 1855 – ein Status, den das Gut bis heute innehat und der auf die Vision von Henri de Lur-Saluces zurückgeht, der als Senator der Gironde nicht nur den Weinbau modernisierte, sondern auch die politische und kulturelle Strahlkraft des Anwesens festigte.[7]


De Bournazel

Eine neue Dynamik brachte das 20. Jahrhundert, als die Familie de Lespinasse de Bournazel, bekannt als „Le Chevalier Rouge“,[8] die Führung übernahm. Henri de Bournazel (21. Februar 1898 – 28. Februar 1933), der in Algerien im Gefecht mit nur 35 Jahren starb,[9] konnte seine Ziele nicht mehr umsetzen und bei seinem Bruder Pierre ging es nicht recht weiter. Erst in den frühen 1950er Jahren übernahm dessen Neffe und Patenkind Pierre de Bournazel, Sohn von Henri, die Leitung und wurde zur prägenden Figur, in dem er den Betrieb modernisierte, das historische Erbe aber bewahrte. Nach dessen Tod führte seine Frau, die Comtesse Nancy de Bournazel, das Gut ab 1985 mit derselben Hingabe weiter, bis es schließlich an die nächste Generation überging.[10] Diese Generation bestand aus drei Brüdern, geboren zwischen 1967 und 1978, denen es trotz 1855-Klassifizierung nicht gelang, das Gut an die Spitze zurückzuführen – weder in Qualität noch in Vermarktung. Ihre Herausforderungen – wie in der gesamte Sauternes-Region – waren struktureller Natur und bezogen sich auf den Weinmarkt, den zu späten Generationenwechsel und einen immensen Investitionsbedarf.[11] Stattdessen bewirtschaften sie seit 1999 das 12 Hektar große Château Pessan in Portets.[12]

Planty

Gesellschaftlicher Anlass und Freiluftbühne im Hintergrund

Mit der Übernahme durch Luc und Clémence Planty im Jahr 2024 wurde damit ein neues Kapitel begonnen. Die Nachfolge am Château Guiraud trat die Önologin Sandrine Garbay an, die zuvor 28 Jahre lang bei Château d’Yquem gearbeitet hatte.[13] Luc betonte bei seinem Wechsel, zukünftig auf eine Kombination aus Tradition und Innovation zu achten: Der Weinbau wurde auf Bio-Zertifizierung umgestellt, und die historischen Gärten – 2021 als „Jardin Remarquable“ ausgezeichnet und 2025 den Prix du Jardin Patrimonial 2025 – werden behutsam restauriert.[1] Damit „verbindet das Château de Malle einmal mehr seine reiche Vergangenheit mit den Ansprüchen der Gegenwart“.[14]

1924 wurde auf dem Château de Malle die Confrérie de Saint-Vincent de Malle gegründet, um die Weinbautraditionen des Sauternes-Gebiets zu pflegen und zu bewahren. Als Teil der mittelalterlichen Tradition der Weinbruderschaften verehrt sie den Heiligen Vinzenz von Valencia als Schutzpatron und betreibt durch regelmäßige Veranstaltungen Traditionspflege des Weinbauerbes. Zu den zentralen Aktivitäten zählen die jährliche Fête de Saint-Vincent im Januar, bei der Weinsegnungen und Aufnahmerituale für neue Mitglieder stattfinden, sowie die Teilnahme an regionalen Weinfesten. Die Arbeit des Vereins verbindet traditionelle Rituale mit der Förderung des modernen Weinbaus und des kulturellen Austauschs zwischen Winzern und Weinliebhabern.[15][16]

Im Sortiment befinden sich der Süßwein Grand Cru Classé und aus der Region Graves der rote Château de Cardaillan, der trockene weiße M. de Malle[2] sowie ein weißer Crémant de Bordeaux Zephyr aus 100 % Sémillon.[17]

Bewertung

Der große Johnson schreibt über das Weingut, es sei „das schönste Gebäude mit Garten in Sauternes, wenn nicht gar in ganz Bordeaux. Touristen lieben dieses Juwel …“[18] Steven Brook formuliert es noch deutlicher, wenn er schreibt, viele Besucher kämen hierher, „um die Architektur, Einrichtung und Ausstattung sowie die Gärten zu bewundern, ohne das geringste Interesse an den produzierten Weinen zu haben“.[19]

Eine geöffnete Kiste M de Malle 2016, letzter Jahrgang von der Familie de Bournazel

Tatsächlich wurde die Weinqualität eher mit durchschnittlich bewertet. Johnson schreibt beispielsweise, die Qualität der Süßweine sei „bis in die 1980er Jahre eher ordentlich als bemerkenswert“[18] gewesen, und Brook sekundiert, de Malle hätte eher den Ruf für leichte Weine, das dem Hektarertrag und der Art der Weinbereitung, weniger dem Terroir oder des Mikroklimas geschuldet sei. Jahrgänge, die bei ihm besondere Erwähnung finden, sind der „sharp and fading“ 1938er, der vollmundige, orangene 1943er, die sanft-säuerlichen 1962 und 1979er, „the light but elegant 1981, the forward 1986, the soft, caramelly 1987, the powerful and impressive 1989 and 1990, the intensive, citric 1991, the modest 1994, the stylish, apricotty 1995, and the richly fruity 1996“. Die letzten Jahrgänge vor dem Besitzerwechsel werden bei Brook wenig positiv beschrieben. Er notierte, „die Nase des 2015ers ist zurückhaltend, aber der Auftakt ist geschmeidig und seidig und recht direkt, mit sofortiger Anziehungskraft. Der 2016er ist eher eindimensional und es fehlt ihm an Schwung und Ausdauer“.[19]

Michael Broadbent hat verschiedene Weine der Jahrgänge 1975 bis 2000 bewertet. Auch seine Kritik ist durchwachsen. So schreibt er beispielsweise über eine 1981 durchgeführte Verkostung zum 1975er, einem Jahrgang, den er für den Sauternes als „herausragend, […] einen der besten des gesamten Jahrzehnts“ beschreibt: „Leider nicht so schön wie das Château selbst oder so elegant wie die Comtesse de Bournazel. Zu blass, zu grün; reich, aber mit Mandelgeschmack“.[20.1] Im April 1991 wurde von ihm ein 1983er probiert, aus einem Jahr, das er mit idealen Vegetationsbedingungen als das beste innerhalb von 15 Jahren betitelt: „Leider kein besonderer 1983er“[20.2] und im April 1989 der Vorjahres-Jahrgang 1988: „Eine trübe Fassprobe, gut, aber kurz. Unlängst ziemlich blass; in der Nase wohlriechend und minzig. Schlank und leicht.“[20.3] Den 1990er lobte er 1997 mit „Üppig, fleischig, eindringlich, im Fass ‚eindeutig der beste De-Malle-Jahrgang aller Zeiten‘“,[20.4] um auch die 1998er und 1999er mit drei bzw. vier Sternen zu bewerten.[20.5]

Commons: Château de Malle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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