Clara Driscoll
US-amerikanische Designerin und Glaskünstlerin
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Clara Pierce Wolcott Driscoll (* 15. Dezember 1861 in Tallmadge, Ohio, Vereinigte Staaten; † 6. November 1944 in Vereinigte Staaten) war eine US-amerikanische Designerin und Glaskünstlerin. Sie war Leiterin der Glasschleiferei für Frauen bei den Tiffany Studios in New York City.[1][2][3][4]

Leben und Werk

Driscoll war die älteste Tochter von Elizur V. Wolcott und der Lehrerin Fannie Pierce. Nachdem ihr Vater gestorben war, ermutigte ihre Mutter sie und ihre drei jüngeren Schwestern, obwohl dies zu dieser Zeit unüblich war, eine höhere Ausbildung anzustreben. Driscoll besuchte die Western Reserve School of Design for Women, das heutige Cleveland Institute of Art. Sie arbeitete ebenfalls für einen örtlichen Möbelhersteller, zog aber schließlich nach New York City, wo sie sich an der Metropolitan Museum Art School einschrieb. Louis Comfort Tiffany erkannte ihr künstlerisches Potenzial und stellte sie 1888 bei der Tiffany Glass Company ein, die später als Tiffany Studios bekannt wurden. 1892 wurde sie zur Leiterin der Abteilung für Glasschleiferei ernannt und mit Unterbrechungen durch zwei kurze Ehen arbeitete sie dort bis 1909.[5][6]
Driscoll arbeitete mehr als 20 Jahre lang mit Tiffany zusammen, entwarf Lampen und leitete die Glasschneideabteilung. Die Frauen der Abteilung wurden die Tiffany Girls genannt. Driscoll entwarf mehr als dreißig Tiffany-Lampen, die von den Tiffany Studios produziert wurden, darunter die Modelle Wisteria, Dragonfly und Peony.
Nachdem sie 1889 geheiratet hatte, musste Driscoll die Tiffany Studios verlassen, da verheirateten oder verlobten Frauen die Arbeit in der Firma untersagt war. Nach dem Tod ihres ersten Mannes Francis Driscoll 1892 begann sie wieder für Tiffany zu arbeiten, kündigte jedoch später, nachdem sie sich 1896 mit Edwin Waldo verlobt hatte. Da die Hochzeit nicht stattfand, arbeitete sie erneut bei Tiffany bis 1909, als sie sich mit Edward A. Booth verlobte. Sie war mit Booth 35 Jahre lang verheiratet. Mit ihrem Ehemann Booth reiste sie bis 1930 zwischen New York und einem Haus in Point Pleasant, New Jersey, bis ihr Ehemann in den Ruhestand ging. Sie zog dann mit ihrem Ehemann nach Florida und lebte abwechselnd in New Jersey und Florida, bis sie 1944 im Alter von 82 Jahren starb.
Werke und Anerkennung
Erst zu Beginn des 21. Jahrhunderts stellte sich heraus, dass die Tiffany Girls und Clara Driscoll viele der Tiffany-Lampen entworfen hatten, die ursprünglich Louis Comfort Tiffany und seinen männlichen Designern zugeschrieben wurden. Durch einen alten Zeitungsartikel wurde man darauf aufmerksam, dass Driscoll eine Libellenlampe entworfen hatte, die auf der Weltausstellung Paris 1900 einen Preis gewonnen hatte. Aus ihren Briefen erfuhr man, dass viele weitere Tiffany-Klassiker von ihr stammten. Die Entdeckung von Driscolls Korrespondenz bei der Queens Historical Society in New York und in der Kelso House Museum Collection, die in den Sondersammlungen der Kent State University Library in Ohio archiviert ist, ermöglicht Einblicke in ihr Leben, ihre Wahrnehmung der Tiffany Studios und ihren Beitrag zur Produktion des Unternehmens. Anfangs half Driscoll bei der Fensterproduktion, später war sie stärker in Management- und Geschäftsentscheidungen der Lampen- und Galanterieabteilung eingebunden. In ihrer Abteilung war Driscoll durch Standardisierung, Materialkosten und Rentabilität in ihrem künstlerischen Schaffen eingeschränkt. Mit der Zeit wurden die Lampen zum Hauptarbeitsgebiet der Frauen, die unter Driscoll arbeiteten.
1897 führte Driscoll neue Designs für verschiedene Luxusobjekte ein, wie etwa Mosaikschmuckstücke, kleine Schachteln, Tintenfässer, Uhren und Kerzenleuchter, in denen die neuen Glasarten, die in den Tiffany Studios hergestellt wurden, im Vordergrund standen. Die innovativsten ihrer neuen Entwürfe waren die Lampenschirme aus Bleiglas. Obwohl Tiffany und seine Designer bereits in den 1880er und frühen 1890er Jahren Tischlampen, maßgeschneiderte Wand- und Deckenleuchten aus geblasenem Glas und gepressten Glasfliesen hergestellt hatten, entstanden die Lampen erst, als Driscolls bildliche Entwürfe aus Bleiglas um 1899 in Produktion gingen.[7]
In dem Roman Clara und Mr. Tiffany von Susan Vreeland aus dem Jahr 2011 ist Driscoll eine Titelfigur.[8]
2015 wurde Driscoll, ein Krater auf dem Planeten Merkur, nach ihr benannt.[9]
Lampenschirme von Clara Driscoll
- Lampenschirm im Milwaukee Art Museum
- Wisteria-Tischlampe, ca. 1905–1906, Bleiglas und Bronze, 27 Zoll hoch, 18 Zoll Durchmesser. Crystal Bridges Museum of American Art, Bentonville, Arkansas, Geschenk der Benedict Silverman Collection, 2021
- Dragonfly-Lampe, ca. 1900–1920. Glas, Bronze und Blei, 46,4 × 35,6 × 35,6 cm. Brooklyn Museum
- Woodbine Table Lamp. Cleveland Museum of Art
- Peacock Table Lamp. Cleveland Museum of Art
- Tiffany-Tischlampe Daffodil aus Bleiglas (Schirm abgebildet)
- Apple Blossom Table lamp, c.1900–1906
Literatur
- Martin Eidelberg, Nina Gray, Margaret K Hofer: Tiffany in neuem Licht: Clara Driscoll und die Tiffany girls. Katalog zur Ausstellung Tiffany in Neuem Licht im Museum Villa Stuck, München, 15. Oktober 2009 bis 17. Januar 2010. Reimer, Berlin 2009, ISBN 978- 3496014041.
- Susan Vreeland: Clara and Mr. Tiffany. New York: Random House, 2011, ISBN 978-1400068166.