Clara Mordan

englisch-britische Suffragette und Mäzenin From Wikipedia, the free encyclopedia

Clara Evelyn Mordan (* 28. September 1844 in Southwark, London; † 22. Januar 1915 in Bexhill-on-Sea, East Sussex) war eine englisch-britische Suffragette und Mäzenin, die vor allem die Women’s Social and Political Union und das St Hugh’s College in Oxford finanziell unterstützte. Sie litt an Tuberkulose und war daher nicht in der Lage, Aktionen für das Anliegen des Frauenwahlrechts selbst durchzuführen.[1]

Porträt Clara Mordan von Henry Tanworth Wells, 1858/1859
Clara Mordan, unbekannter Künstler
Veranstaltungsanzeige mit Clara Mordan als Sprecherin, 1901
Von Mordan gepflanzte Stechpalme im Garten von Eagle House, 1910

Leben

Mordan war die älteste der beiden Töchter von Elizabeth Jane und Augustus Mordan, der die Fabrik S. Mordan & Co. zur Produktion von Druckbleistiften besaß. Ihr Großvater war Sampson Mordan. Die Mutter starb 1849 und der Vater heiratete nicht erneut. Mordan und ihre Schwester Ada wurde wahrscheinlich der Obhut von Gouvernanten anvertraut und erhielten die Ausbildung in Kunst, Musik, Literatur und Sprachen, die Mädchen jener Zeit traditionell erhielten. Ada Mordan heiratete 1870, starb aber schon 1876, wobei sie einen Sohn und eine Tochter hinterließ. Mordan erhielt von ihrem Vater große finanzielle Freiheit und richtete ihr eigenes Haus und ihren eigenen Haushalt ein. Nach den überlieferten Porträts von ihr war sie eine attraktive Frau, eine Verlobung wurde aber wieder aufgelöst, vor allem wegen der rechtlichen Nachteile bzgl. des Zugriffs auf ihr Vermögen im Falle einer Heirat. Mordan lebte ihr Leben lang mit einer Partnerin, Mary Gray Allen, zusammen.[1][2]

Mordans Aufmerksamkeit richtete sich auf die Sache der Frauenrechte. Sie wurde durch einen Vortrag von John Stuart Mill im Jahr 1866 inspiriert, den sie zusammen mit ihrem Vater besuchte. Nach 1880 trat sie der London Women’s Suffrage Society und der Central Society for Women’s Suffrage bei. Trotz Tuberkulose wirkte sie in deren Exekutivkomitees mit, ließ Briefköpfe mit der Aufschrift „Votes for Women“ anfertigen und unterstützte diese Anliegen großzügig finanziell.[1][2]

1897 entwickelte sich ihr zweites Interesse. Sie hörte in London einen Vortrag von Annie Rogers über die Notwendigkeit einer besseren Frauenbildung. Dies geschah kurz nachdem ein Vorschlag, Frauen akademische Grade zu verleihen, abgelehnt worden war.[3] Mordan und ihre Partnerin Mary Gray Allen wollten beitragen und suchten das für sie am besten geeignete College aus: St Hugh’s College in Oxford. Mordan verpflichtete sich, eine jährliche Rente von 40 Pfund zur Finanzierung eines Stipendiums bereitzustellen, unter der Bedingung, dass keine Vivisektion in der Forschung der Empfängerinnen vorkam.[1]

1901 starb ihr Vater und als inzwischen einziges Kind erbte sie 117.000 Pfund.[4]

1906 trat sie der militanten Women’s Social and Political Union (WSPU) bei, eine Rede von Annie Kenney inspirierte sie. Außerdem war sie die erste Spenderin zum neu gegründeten WSPU-Kampagnenfonds gewesen[3] und Kenney besuchte sie nach der Veranstaltung, um ihr für die 20 Pfund zu danken, die sie gespendet hatte.[4]

Sie sprach im Namen der Organisation und nahm an Protestversammlungen teil. Der Sternmarsch am Women’s Sunday 1908 soll hauptsächlich von Mordan finanziert worden sein Mordan hielt eine Rede im Hyde Park[3] und enthüllte ein Banner.[5] Mordan finanzierte eine Vielzahl anderer Projekte, von einer WSPU-Kunstausstellung im Prince’s Skating Club im Jahr 1909 bis hin zu 200 Pfund für eine „Rückkehr zur Militanz“ im Jahr 1912. Insgesamt spendete sie zwischen 1907 und 1912 mindesten 1.200 Pfund.[4]

Mordan wurde 1910 nach Eagle House, dem Anwesen der Familie von Mary Blathwayt eingeladen. Das Haus diente als Zufluchts- und Erholungsort für Suffragetten, die nach Hungerstreiks aus dem Gefängnis entlassen worden waren. Mordan dokumentierte ihren Besuch, indem sie wie die anderen Suffragetten im Garten des Hauses, in Annie’s Arboretum einen Stechpalmenstrauch pflanzte. Diese Sorte war den nicht-militanten Besucherinnen vorbehalten. Ein Hinweisschild wurde angefertigt und Mordan wurde fotografiert.[6][7]

Sie wusste, dass sie an ihrer Tuberkulose sterben würde, und das bedeutete, dass sie militante Handlungen nicht selbst ausführen konnte. Sie bemerkte in einem Brief, der in der Zeitung Votes for Women veröffentlicht wurde: „Ich habe meiner Ärztin eingeschärft, dass sie mich wirklich am Leben erhalten muss, bis ich eine vernünftige Aussicht habe, das Gefühl zu haben, dass mein letztes Bett ein Sarg sein wird, mit dessen Herstellung sich eine Frau ihren Lebensunterhalt verdient hat“.[4]

Mordan hatte St Hugh’s College erstmals 1897 besucht. Mit Mordans Unterstützung kaufte das College ein Haus vom University College und begann 1913 mit dem Umzug auf das neue dauerhafte Gelände. Das Haus wurde abgerissen, um Platz für das Hauptgebäude des Colleges zu schaffen, das ebenfalls von Mordan finanziert wurde. Sie gab außerdem 1.000 Pfund zur Ausstattung eines Stipendiums. Sie erhielt regelmäßige Berichte von den Mitarbeitern des Colleges, nachdem sie erkrankt war, und antwortete, dass das College eine ihrer besten Errungenschaften sei. St Hugh’s College benannte seine neue Bibliothek Mordan Hall in Anerkennung ihrer Beiträge zum College.[3]

Mordan starb im Januar 1915 und hinterließ den größten Teil ihres Vermögens ihrer Partnerin Mary Gray Allen, die ihr Leben mit ihr geteilt hatte, zur Verwaltung und Fortführung ihrer Unterstützung. Als die ebenfalls vermögende Allen 1925 in Bexhill-on-Sea starb, hinterließ sie dem St Hugh’s College ein weiteres großes Vermächtnis.[1]

Commons: Clara Evelyn Mordan – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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