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Clarice Starling

fiktive FBI-Agentin From Wikipedia, the free encyclopedia

Clarice M. Starling ist eine fiktive FBI-Agentin und Hauptfigur der Romane Das Schweigen der Lämmer (1988) und Hannibal (1999) von Thomas Harris. In der Verfilmung Das Schweigen der Lämmer (1991) wurde sie von Jodie Foster dargestellt, in der Fortsetzung Hannibal (2001) von Julianne Moore. Rebecca Breeds übernahm die Titelrolle in der Fernsehserie Clarice Starling – Das Erwachen der Lämmer (2021).

Jodie Foster 2001
Jodie Foster 2001

Fosters Darstellung zählt zu den bekanntesten weiblichen Figuren des amerikanischen Kinos. Das American Film Institute setzte Clarice Starling auf Platz sechs seiner Liste der größten Filmhelden und damit höher als jede andere weibliche Figur.[1] Foster gewann für die Rolle den Oscar als beste Hauptdarstellerin.[2] Das British Film Institute schrieb der Figur zudem einen Einfluss auf spätere weibliche Ermittlerfiguren in Film und Fernsehen zu.[3]

Entstehung und Konzeption

Als eine wichtige Inspiration für Clarice Starling gilt die ehemalige FBI-Agentin Patricia Kirby. Sie arbeitete in der Behavioral Science Unit des FBI und war nach eigener Darstellung die erste Frau, die dort Interviews mit Serienmördern führte. Über ihren Vorgesetzten Robert Ressler lernte sie Thomas Harris kennen, der sie bei mehreren Treffen zu ihrer Arbeit befragte.[4]

Kirby erkannte später Ähnlichkeiten zwischen sich und der Romanfigur, insbesondere hinsichtlich ihrer Persönlichkeit, Beharrlichkeit und der Art, mit der Starling Hannibal Lecter begegnet. Ihre Erfahrungen flossen auch in die Darstellung der Gespräche zwischen der jungen FBI-Agentin und dem inhaftierten Serienmörder ein. Kirby hatte festgestellt, dass männliche Serienmörder gegenüber einer weiblichen Ermittlerin teilweise anders und offener reagierten als gegenüber deren männlichen Kollegen.[4]

In Das Schweigen der Lämmer wird Starling als junge Frau in einem weitgehend männlich geprägten beruflichen Umfeld dargestellt. Das BFI sah darin einen wesentlichen Teil der Wirkung der Figur: Starling werde von männlichen Kollegen, Vorgesetzten und Gefangenen wiederholt herablassend oder sexualisierend behandelt, lasse sich davon jedoch nicht von ihrer Aufgabe abbringen.[3]

Handlung

Das Schweigen der Lämmer

Clarice Starling befindet sich noch in der Ausbildung beim FBI, als Jack Crawford sie mit einer besonderen Aufgabe betraut. Sie soll den inhaftierten Psychiater und Serienmörder Hannibal Lecter befragen. Crawford hofft, dass Lecter Hinweise auf einen anderen Serienmörder geben kann, der unter dem Namen Buffalo Bill gesucht wird.

Lecter verweigert eine gewöhnliche Zusammenarbeit. Stattdessen bietet er Starling Informationen im Austausch gegen persönliche Erinnerungen an. Im Verlauf ihrer Gespräche erzählt sie von ihrer Kindheit in West Virginia und vom Tod ihres Vaters, der als Polizist bei einem Einsatz angeschossen wurde und später starb. Als Zehnjährige lebte sie zeitweise auf einer Schaf- und Pferdefarm. Nachdem sie dort das Schlachten von Lämmern miterlebt hatte, versuchte sie mit einem zur Schlachtung bestimmten Pferd zu fliehen.

Die Erinnerung an die schreienden Lämmer wird zu einem zentralen Motiv der Figur. Lecter erkennt, dass Starling durch die Rettung anderer Menschen auch versucht, ihr eigenes Kindheitstrauma zu bewältigen. Er gibt ihr verschlüsselte Hinweise auf die Identität Buffalo Bills, ohne ihr die Lösung unmittelbar zu nennen.

Starling erkennt schließlich, dass der Täter sein erstes Opfer persönlich gekannt haben muss. Bei weiteren Ermittlungen gelangt sie unwissentlich in das Haus des gesuchten Mörders Jame Gumb. Nachdem sie Hinweise auf seine Identität entdeckt, verfolgt sie ihn in dessen Keller. Gumb schaltet dort das Licht aus und beobachtet Starling mit einem Nachtsichtgerät. Als er seine Waffe spannt, hört sie das Geräusch und erschießt ihn. Das noch lebende Entführungsopfer wird gerettet.

Im Roman wird Starling anschließend zur FBI-Agentin. Lecter, der während der Ermittlungen geflohen ist, schreibt ihr einen Brief und fragt, ob die Lämmer inzwischen aufgehört hätten zu schreien.

Hannibal

Zu Beginn des Romans Hannibal arbeitet Starling weiterhin für das FBI. Ihre Karriere wird jedoch durch Paul Krendler, einen Beamten des Justizministeriums, behindert. Nach einem eskalierten Polizeieinsatz wird sie vom aktiven Dienst suspendiert.

Gleichzeitig sucht Mason Verger, ein überlebendes Opfer Lecters, nach dem geflohenen Serienmörder. Als Lecter von Vergers Männern gefangen genommen wird, versucht Starling ihn zu retten, um ihn anschließend den Behörden zu übergeben. Dabei wird sie schwer verletzt und von Lecter in Sicherheit gebracht.

Der Roman entwickelt die Beziehung zwischen beiden Figuren anschließend in eine grundlegend andere Richtung als Das Schweigen der Lämmer. Lecter behandelt Starling mit psychoaktiven Substanzen und versucht zeitweise, Erinnerungen an seine verstorbene Schwester Mischa auf sie zu übertragen. Starling widersetzt sich dem Verlust ihrer eigenen Persönlichkeit. Schließlich gehen sie und Lecter jedoch eine Liebesbeziehung ein und verschwinden gemeinsam. Jahre später werden beide in Buenos Aires gesehen.[5]

Diese Entwicklung wurde für die Verfilmung von 2001 nicht übernommen. Dort versucht Starling weiterhin, Lecter festzunehmen. Im Finale fesselt sie sich mit Handschellen an ihn, woraufhin Lecter seine eigene Hand abtrennt und flieht. Starling bleibt damit anders als im Roman seine Gegenspielerin.

Darstellungen

Jodie Foster

Jodie Foster übernahm die Rolle in der Verfilmung von 1991. Der Film konzentriert sich noch stärker als die Romanvorlage auf Starlings Perspektive. Das BFI hob hervor, dass sie als junge Frau eine Reihe von Situationen bewältigen muss, in denen Männer versuchen, sie einzuschüchtern, auszuschließen oder auf ihr Äußeres zu reduzieren. Dennoch bleibt sie die aktive Ermittlerin und rettet schließlich Buffalo Bills letztes Opfer.[3]

Für ihre Darstellung gewann Foster 1992 den Oscar als beste Hauptdarstellerin.[2] In ihrer Dankesrede bezeichnete sie Clarice als eine „starke und wunderschöne feministische Heldin“, auf die sie stolz sei.[6]

Foster kehrte für die Fortsetzung Hannibal nicht zurück. Ihre Rolle wurde von Julianne Moore übernommen.[7]

Julianne Moore

Julianne Moore spielte Starling in Hannibal (2001). Die Verfilmung änderte insbesondere das Ende des Romans und behielt die grundsätzliche Gegnerschaft zwischen Starling und Lecter bei. Während die Romanfigur eine Beziehung mit Lecter eingeht, versucht Moore als Starling bis zum Ende, ihn festzunehmen.

Rebecca Breeds

2021 erhielt Clarice Starling erstmals eine eigene Fernsehserie. Clarice Starling – Das Erwachen der Lämmer setzt die Handlung ein Jahr nach den Ereignissen der Verfilmung von Das Schweigen der Lämmer fort. Rebecca Breeds übernahm die Titelrolle.[8]

Die Serie behandelt Starlings Rückkehr in den aktiven Dienst und die psychischen Folgen ihrer Begegnung mit Buffalo Bill. Anders als die früheren Werke stellt sie Clarice vollständig in den Mittelpunkt einer eigenständig-fortlaufenden Handlung. Die Serie wurde 2021 auf CBS ausgestrahlt und nach einer Staffel beendet.

Rezeption und kulturelle Bedeutung

Clarice Starling entwickelte sich insbesondere durch Jodie Fosters Darstellung zu einer der bekanntesten weiblichen Figuren des amerikanischen Kinos. Das American Film Institute setzte sie 2003 auf Platz sechs seiner Liste der 50 größten Filmhelden. Sie ist damit die höchstplatzierte weibliche Figur der Liste und steht noch vor Ellen Ripley aus Aliens – Die Rückkehr.[1]

Das British Film Institute bezeichnete Fosters Darstellung als wegweisend für eine neue Generation weiblicher Ermittlerfiguren. Der Beitrag stellte Starling in eine Entwicklungslinie mit späteren Figuren wie Dana Scully aus Akte X – Die unheimlichen Fälle des FBI sowie weiblichen Ermittlerinnen aus Serien und Filmen wie Prime Suspect, The Fall – Tod in Belfast und Sicario.[3]

Als wesentlich für die Wirkung der Figur gilt die Verbindung von professioneller Kompetenz und Verletzlichkeit. Starling wird nicht als unverwundbare Actionfigur dargestellt, sondern als junge Ermittlerin, die Angst und Unsicherheit erlebt, ihre Aufgabe jedoch trotzdem weiterverfolgt. Das BFI hob hervor, dass sie sich weder hinter einem männlichen Partner verstecke oder noch von der fortgesetzten Herablassung ihrer Umgebung von ihrer Arbeit abbringen lasse.[3]

Auch drei Jahrzehnte nach der Veröffentlichung des Films blieb die Figur Gegenstand eigenständiger Adaptionen und Rezeption. 2021 wurde mit Clarice Starling – Das Erwachen der Lämmer eine vollständig auf ihr basierende Fernsehserie produziert. Im selben Jahr bezeichnete Vanity Fair Clarice gemeinsam mit Hannibal Lecter als eine Figur, die die Popkultur nachhaltig verändert habe.[9][10]

Einzelnachweise

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