Clarice von Rothschild
Ehefrau von Alfons von Rothschild
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Clarice Adelaide von Rothschild (geborene Sebag-Montefiore am 5. Mai 1894 in London; gestorben 11. Februar 1967 in New York City) war ein Mitglied der Familie Rothschild. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kämpfte sie für die Rückerstattung der von den Nationalsozialisten geraubten Kunstwerke und Immobilien der Familie.

Leben

Clarice Sebag-Montefiore wurde als Tochter des Bankiers Edmund Sebag-Montefiore und seiner Frau Juliana Lucas Davidson am 5. Mai 1894 in London geboren. Ihr Großvater war der Philanthrop Sir Moses Montefiore (1784–1885). Sie heiratete 1912 Alphonse Maier von Rothschild (1878–1942) aus dem Wiener Zweig der Familie Rothschild. Bereits zwei Jahre nach der Hochzeit wurde Alphonse von Rothschild zum Kriegsdienst an die Ostfront eingezogen.[1]
Das Paar hatte einen Sohn, Albert, der jung starb, und zwei Töchter, Bettina und Gwendoline. Sie lebten in Großbritannien und Österreich, zumeist in Wien im Palais Nathaniel Rothschild in der Theresianumgasse, aber auch auf den Landsitzen in Österreich, dem Jagdschloss Schloss Schillersdorf und dem Schloss Preußisch Oderberg in Annaberg.[2] Nach dem Ersten Weltkrieg engagierte sich Clarice von Rothschild für die Unterstützung von Kriegsveteranen und auch Kindern, die nach dem Krieg Hilfe benötigten.[3]
Zeit des Nationalsozialismus

Als im März 1938 Österreich an das Deutsche Reich angeschlossen wurde, waren Alphonse und Clarice von Rothschild mit ihrem Sohn Albert in London. Sie besuchten dort eine Briefmarkenausstellung, für die Alphonse von Rothschild, der ein begeisterter Philatelist war, einige Exponate zur Verfügung gestellt hatte. Ihre Töchter Bettina und Gwendoline befanden sich im Palais in Wien. Telegrafisch wurde am 11. März an das Personal die Anweisung gegeben, die Mädchen unverzüglich in die Schweiz zu bringen. Sie gelangten bis Innsbruck, dort mussten sie den Zug verlassen und wurden auf eine Polizeiwache gebracht. Nach einiger Zeit wurden die Mädchen freigelassen. Die Gestapo hatte in Wien ihren Onkel Louis Nathaniel von Rothschild festgenommen, der darauf bestanden hatte, dass seine zwei kleinen Nichten freigelassen werden sollten. Für die Freilassung von Louis Nathaniel von Rothschild musste die Familie Rothschild eine bedeutende Zahlung leisten. Die Nazis beschlagnahmten die bedeutenden Kunst- und Antikensammlungen und den Immobilienbesitz von Alphonse und Clarice von Rothschild, wie auch von Louis von Rothschild.[2] Diese Kunstsammlungen bildeten mit mehr als 4.500 Werken rund zwei Drittel des Beschlagnehmebestandes, mit denen in Linz das von Hitler geplante Führermuseum bedacht werden sollte.[1] Eines der beschlagnahmten Werke war das Bildnis der Marquise de Pompadour (1756) von François Boucher (1703–1770).
Mit ihren Töchtern konnten sie sich in der Schweiz treffen und gemeinsam über Großbritannien in die Vereinigten Staaten ausreichen. Ihr Sohn Albert starb noch 1938 an Krebs. In New York City bezogen sie eine Wohnung an der Park Avenue. Alphonse von Rothschild starb 1942 in seinem Sommerhaus in Bar Harbor, Maine.[2] Clarice von Rothschild wurde 1944 in New York brutal auf der Straße ausgeraubt und verletzt.[4]
Rückforderungen des Rothschild-Eigentums nach dem Krieg

Clarice von Rothschild bemühte sich nach dem Ende des Krieges um die Rückforderung des Familienvermögens, der Immobilien und der Kunstsammlung der Familie, die von den Nazis während des Kriegs beschlagnahmt worden waren. Damit begann sie 1947, als sie zusammen mit ihrer Tochter Bettina und ihrem Schwager Louis nach Wien reiste, um zu prüfen, was von ihrem Besitz in Österreich gerettet werden konnte.[2] Da viele Besitztümer in der sowjetischen Besatzungszone lagen, gestaltete sich dies zunächst schwierig, aber da Clarice von Rothschild sich darauf berufen konnte, britische Staatsangehörige zu sein und damit einer Nation anzugehören, die ein Alliierter der Sowjetunion war, erhielt sie die Immobilien zurück.[1] Das prächtige Rothschild-Palais in Wien hatte die Gestapo beschlagnahmt und es war im Krieg stark beschädigt worden. Clarice und Louis von Rothschild verkauften es an eine Gewerkschaft. Sie überließen Ländereien, die die Familie in den Alpen bei Waidhofen, Sötling und Hollenstein besessen hatte, dem österreichischen Staat, unter der Bedingung, dass von den Erlösen die Pensionen der ehemaligen Rothschild-Angestellten bezahlt werden würden.[2] Auch Ländereien im heutigen Polen konnten rückerstattet werden.[5] Ein rund 12.000 Hektar großes Gut in Langau behielt Clarice von Rothschild. Da es in der sowjetischen Besatzungszone lag, konnte sie erst 1952 mit ihrer Familie dorthin zurückkehren. Später lebte ihre Tochter mit ihrem Mann in einem selbst erbauten Haus auf dem Gut. Auch die Rothschildgärten auf der Hohen Warte in Wien wurden rückerstattet. Die Familie schenkte sie der Stadt Wien.
Die Kunstsammlungen der Rothschilds wurden in der unmittelbaren Nachkriegszeit teilweise an Clarice und Louis von Rothschild zurückerstattet. Da sie zu dem Zeitpunkt beide im Ausland lebten, verwies die österreichische Regierung auf ein 1918 verabschiedetes Gesetz, das die Ausfuhr von Kunstwerken untersagte. Es wurde eine Vereinbarung getroffen, die es den Rothschilds gestattete, einen Teil ihrer Sammlungen außer Landes zu bringen, jedoch mussten bedeutende Kunstwerke an den Staat Österreich übergeben werden. Somit wurden sie durch den Staat Österreich ein zweites Mal enteignet. Erst ihre Tochter Bettina konnte 1998 die Rückgabe auch dieser Kunstwerke erreichen. Rund 250 Objekte, die von den Nationalsozialisten aus den großen Wiener Rothschild-Häusern geraubt worden waren, wurden an die Familie zurückgegeben. Bis auf einige Erinnerungsstücke übergaben Bettina und die anderen Begünstigten die Sammlung an das Auktionshaus Christie’s in London zum Verkauf.[2] Ein Teil der Sammlung, bestehend aus 189 Werken wurde später dem Museum of Fine Arts, Boston geschenkt.[6]
Clarice Adelaide von Rothschild starb am 11. Februar 1967 in New York.
Nachkommen
Mit Alphonse Maier von Rothschild hatte sie drei Kinder:
- Albert Anselm Salomon Nimrod (1922–1938)
- Bettina Jemima (1924–2012), die Matthew Looram heiratete
- Gwendoline Charlotte (1927–1972), die Roland Hoguet heiratete
Weblinks
- Clarice und Alphonse von Rothschild in der ARD Mediathek
- Lexikon Provenienzforschung