Claude Évin

französischer Politiker, Mitglied der Nationalversammlung From Wikipedia, the free encyclopedia

Claude André Marie Évin (* 29. Juni 1949 in Le Cellier, Département Loire-Atlantique) ist ein französischer Politiker der Parti socialiste unifié (PSU) und später der Parti socialiste (PS), der unter anderem Mitglied der Nationalversammlung und zwischen 1988 und 1991 im Kabinett Rocard II Minister für Solidarität, Gesundheit und sozialen Schutz sowie von 1988 bis 1989 Regierungssprecher war. Mit dem nach ihm benannten „Évin-Gesetz“ setzte er die ersten Maßnahmen gegen Werbung für Zigaretten und Alkohol um. Dieses Gesetz verbot 1991 die Auslage von Alkohol- und Tabakwerbung, den Verkauf dieser Produkte an unter 16-Jährige und das Rauchen in den meisten öffentlichen Gebäuden. Ab 1988 setzte er sich zudem für die Vermarktung der Abtreibungspille Mifepriston (RU 486) ein, die jedoch einen Monat nach der Markteinführung unter starkem Druck von Abtreibungsgegnern wieder vom Markt genommen wurde.

Claude Évin (2009)

Leben

Claude André Marie Évin, Sohn von André Evin und Adrienne Lecommandeur, absolvierte nach dem Besuch der Institution Saint-Joseph in Ancenis ein Studium ein an der Fachhochschule für Pädagogik (École d'éducateurs spécialisés) in Angers, das er mit einem Diplom beendete. Nachdem er ein Studium der Rechtswissenschaften mit einem „Diplôme d’études approfondies“ (DEA) und einem Doktorat im Bereich Öffentliches Recht beendet hatte, nahm er eine Tätigkeit als Rechtsanwalt auf. Er war zunächst Mitglied der Vereinigten Sozialistischen Partei PSU (Parti socialiste unifié) und fungierte zwischen 1973 und 1974 als Sekretär der PSU im Département Loire-Atlantique. Anschließend trat er der Sozialistischen Partei PS (Parti socialiste) bei und war zwischen 1975 und 1977 Sekretär der PS in Saint-Nazaire sowie zugleich von 1975 bis 2005 Mitglied des PS-Komitees im Département Loire-Atlantique. Am 14. März 1977 wurde er stellvertretender Bürgermeister von Saint-Nazaire und war damit bis zum 19. März 1989 Vertreter der Bürgermeister Étienne Caux beziehungsweise ab dem 22. März 1983 von Joël-Guy Batteux. Als Nachfolger von Georges Carpentier wurde er für die PS im Département Loire-Atlantique bei der Parlamentswahl am 12. März 1978 erstmals zum Mitglied der Nationalversammlung (Assemblée nationale) gewählt und gehörte dieser nach seinen Wiederwahlen am 14. Juni 1981, am 16. März 1986 und am 12. Juni 1988 bis zu seinem Mandatsverzicht am 28. Juli 1988 an, woraufhin Marie-Madeleine Dieulangard[1] neue Abgeordnete wurde. Während seiner Parlamentszugehörigkeit schloss er sich der Fraktion Sozialistische Gruppe SOC (Groupe socialiste) an und war zudem als Vertreter von Parlamentspräsident Jacques Chaban-Delmas[2] zwischen dem 4. April 1986 und dem 1. April 1987 Vizepräsident der Nationalversammlung.

Am 13. Mai 1988 wurde Évin in das Kabinett Rocard I berufen und fungierte in diesem bis zum 22. Juni 1988 als Beigeordneter Minister für Gesundheit und soziale Sicherung im Ministerium für Soziales und Beschäftigung (Ministre chargé de la Santé et de la Protection sociale). Im darauf folgenden Kabinett Rocard II übernahm er am 29. Juni 1988 den Posten als Minister für Solidarität, Gesundheit und sozialen Schutz (Ministre de la Solidarité, de la Santé et de la Protection sociale) beziehungsweise am als 2. Oktober 1990 wurde Evin Minister für Soziales und Solidarität (Ministre des Affaires sociales et de la Solidarité) und bekleidete dieses Ministeramt bis zum Ende der Amtszeit von Premierminister Michel Rocard[3] am 16. Mai 1991.[4][5] Zugleich fungierte er im zweiten Kabinett Rocard zwischen dem 23. Juni 1988 und seiner Ablösung durch Louis Le Pensec[6] am 14. Februar 1989 auch als Regierungssprecher. Als Gesundheitsminister setzte er mit dem nach ihm benannten „Évin-Gesetz“ (Loi du 10 janvier 1991 relative à la lutte contre le tabagisme et l’alcoolisme) die ersten Maßnahmen gegen Werbung für Zigaretten und Alkohol um. Dieses Gesetz verbot 1991 die Auslage von Alkohol- und Tabakwerbung, den Verkauf dieser Produkte an unter 16-Jährige und das Rauchen in den meisten öffentlichen Gebäuden. Bekannt wurde er ferner durch seine Anordnung an das Pharmaunternehmen Roussel Uclaf, den Vertrieb des Abtreibungsmittels Mifepriston (RU 486) wieder aufzunehmen. Dies geschah nur zwei Tage, nachdem der Vorstand des Unternehmens mit 16 zu 4 Stimmen beschlossen hatte, den Vertrieb einzustellen. Grund dafür waren Bedenken des Mehrheitseigentümers hinsichtlich eines negativen öffentlichen Images im Zusammenhang mit der in Frankreich Ende der 1980er-Jahre vorherrschenden Lebensrechtsbewegung. Allerdings wurde die Pille bereits einen Monat nach der Markteinführung unter starkem Druck der Abtreibungsgegnerschaft wieder vom Markt genommen. Zur Begründung seiner Anordnung erklärte er: „Ich konnte nicht zulassen, dass die Abtreibungsdebatte Frauen ein Produkt vorenthält, das für medizinischen Fortschritt steht. Mit der staatlichen Zulassung des Medikaments wurde RU-486 zum moralischen Eigentum der Frauen und nicht nur zum Eigentum eines Pharmaunternehmens.“

Nach seinem Ausscheiden aus der Regierung wurde Claude Évin für die PS als Nachfolger von Marie-Madeleine Dieulangard wieder Mitglied der Nationalversammlung, in der er bis zu seiner Ablösung durch Étienne Garnier[7] am 1. April 1993 erneut das Département Loire-Atlantique vertrat. Am 13. November 1994 wurde als Nachfolger von Christian Estrosi[8] Mitglied des Wirtschafts- und Sozialrates (Conseil économique et social) und gehörte diesem bis zum 22. Juli 1997 an. Bei der Parlamentswahl 1. Juni 1997 wurde er als Nachfolger von Étienne Garnier wieder zum Mitglied der Nationalversammlung gewählt und gehörte dieser für das Département Loire-Atlantique nach seiner Wiederwahl am 16. Juni 2002 vom 12. Juni 1997 bis zum 19. Juni 2007 an, woraufhin Marie-Odile Bouillé zur neuen Abgeordneten gewählt wurde.[9] Ferner wurde er am 8. November 1997 Mitglied des Aufsichtsrates der Nationalen Altersversicherung für Angestellte CNAV (Caisse nationale d'assurance vieillesse) sowie am 22. Januar 2003 außerdem Mitglied des Aufsichtsrates der Nationalen Krankenversicherung für Angestellte CNAM (Caisse nationale de l'assurance maladie).

Évin, der von 2000 bis 2005 Mitglied des Nationalbüros der Parti socialiste war, wurde als Nachfolger von Gérard Larcher[10] im Mai 2004 Präsident des Krankenhausverbandes FHF (Fédération hospitalière de France) und übte diese Funktion bis zu seiner Ablösung durch Jean Leonetti[11] im Dezember 2009 aus. Er wurde am 14. Oktober 2007 Dozent für Rechts-, Politik- und Wirtschaftswissenschaften mit dem Schwerpunkt Management an der Universität Nantes und für seine langjährigen Verdienste am 23. März 2008 zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. Am 2. Oktober 2009 wurde er Leiter der Vorbereitungsphase für den Aufbau der Regionalen Gesundheitsagentur ARS (Agence régionale de santé) für die Île-de-France und wurde im Anschluss am 2. April 2010 Generaldirektor der Gesundheitsagentur dieser Region. Als Nachfolger von Françoise Van Rechem[12] wurde er zudem am 15. Oktober 2010 Mitglied des Verwaltungsrats des Instituts für die Überwachung der öffentlichen Gesundheit InVS (Institut de veille sanitaire). Nach Beendigung seiner Tätigkeit als Generaldirektor der ARS der Île-de-France trat er im September 2015 der weltweit tätigen AnwaltskanzleiDLA Piper“ als Rechtsberater bei und befasste sich dort vorwiegend mit den Bereichen Biowissenschaften und Gesundheitswesen. Er wurde am 14. Juli 2016 zum Offizier der Ehrenlegion ernannt und ist seit dem 1. September 2016 Partner der Anwaltskanzlei „Houdart et Associés“.

Veröffentlichungen

  • Petit dictionnaire des droits des malades, Editions du Seuil, Paris 1998
  • Les droits des usagers du système de santé, Berger-Levrault, Berger 2002
  • A votre santé, Atelier, Paris 2006

Einzelnachweise

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