Der Ort befindet sich im Osten des Landkreises Mittelsachsen etwa 22 Kilometer südlich der Kreisstadt Freiberg und rund fünf Kilometer von der tschechischen Grenze entfernt. Der Hauptort Rechenberg-Bienenmühle befindet sich östlich von Clausnitz, das zentral im Osterzgebirge gelegen ist. Die Gemarkung Clausnitz hat eine Ausdehnung von rund 14,5 Quadratkilometern und grenzt im Uhrzeigersinn an die Gemarkungen Nassau (zu Frauenstein), Holzhau, Rechenberg-Bienenmühle, Cämmerswalde (zu Neuhausen/Erzgeb.), Friedebach (zu Sayda) und die Gemeinde Dorfchemnitz.
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Der Ort hat keinen genuin deutschen, sondern einen slawischen oder deutsch-slawisch zusammengesetzten Namen, seine Siedlungsgeschichte ist insofern unklar. Ist er als deutscher Ort im slawischen Umfeld entstanden, ist er slawisch-deutsch gemischt gegründet worden, gab es ihn als slawische Siedlung vor dem Landesausbau? Was ist die genauere Bedeutung des Namens? Es fehlen für die Gründungsgeschichte jegliche Quellen, landeskundliche Literatur müsste in den UBs Dresdens oder Leipzigs zu finden sein.
Clausnitz wurde auf dem Gebiet der Germania Slavica im Zuge des Landesausbaus des das gesamte Erzgebirge bedeckenden Urwaldes um 1200 wahrscheinlich von fränkischen Siedlern gegründet. Die Besiedlung erfolgte durch die später auf Schloss Purschenstein sitzenden Feudalherren der slawischen Familie Hrabischitz. Erstmals urkundlich erwähnt wurde das Dorf 1398 in der Schreibweise Clussenicz. Der Ortsname änderte sich in den folgenden Jahrhunderten über Klawßnitz (1451) und Clawsenicz (1479) zu Claußnitz (1641). Clausnitz entwickelte sich rasch zu einem vergleichsweise großen Bauerndorf. Bereits 1551 zählte der Ort 46 besessene Mann und 172 Inwohner, d.h. insgesamt etwa 400 Einwohner. Wirtschaftliche Grundlage des Dorfes waren die Landwirtschaft sowie der im 15. und 16. Jahrhundert intensiv betriebene Bergbau auf Silber- und Kupfererze.
Dieses "Sühnekreuz" hat eine ungewöhnliche Form. Es ist ein einfacher Stein. Die Einritzung kann als Armbrust interpretiert werden. Daneben ein hammerähnliches Werkzeug, das möglicherweise die Tatwaffe war. Die Schrift ist kaum leserlich. Foto April 2026.
Am 10. Juli 1563 erschlug der Clausnitzer Pfarrer Wolfgang Uhle den Ortsrichter George Bieber im Streit. An der Mordstelle erinnert daran der Pfarrer-Uhle-Stein. Bekannt wurde er als „Pestpfarrer von Annaberg“. Ein nach einem Unwetter aufgetretenes Hochwasser der Rachel zerstörte am 15. Mai 1622 insgesamt 13 Häuser im Ort, 27 Menschen kamen ums Leben.[2]
Im Osten der Clausnitzer Gemarkung wurde im Jahr 1875 die Siedlung Neuclausnitz angelegt, die fortan als Ortsteil zur Landgemeinde Clausnitz gehörte.
Der Text ist kaum leserlich. Erkennbar sind eingeritzte Symbole, deren Deutung viel Spielraum lässt. Foto April 2026.
Nicht weit vom Gedenkstein für den ermordeten Ortsrichter wird an einen Mord aus dem Jahr 1954 erinnert. Der neben dem symbolischen Grabstein liegende Stein enthält folgenden schwer lesbaren Text: „In unmittelbarer Nähe wurde der Volkspolizist Heinz Götze am Wahlsonntag des 17. Oktober 1954 in Ausübung seines Dienstes feige ermordet. Der Mörder Kupanka, ein bezahlter Agent des US-Geheimdienstes CIA, erschoß Heinz Götze, um sich der Personalienfeststellung zu entziehen. Kupanka und seiner Ehefrau gelang die Flucht in eine nahegelegene Scheune, wo sie sich mehrere Tage aufhielten. Später wurden sie in Lössnitz Erzgebirge von der Volkspolizei gestellt. Kupanka erhielt für sein Verbrechen die Todesstrafe.“ Soweit die DDR-offizielle propagandistisch gefärbte Sichtweise. In Wirklichkeit geht es wohl um den tragisch gescheiterten Versuch eines tschechischen Ehepaares, nach Westdeutschland zu gelangen.
Symbolischer Grabstein für den Volkspolizisten Heinz Götze. Foto April 2026.
In der DDR hatte der Dresdener Großbetrieb VEB Kombinat Robotron ein Betriebsferienheim im Ort.
Bergbau in Clausnitz
Im kleinen zum Freiberger Revier zählenden Clausnitzer Bergbaugebiet lassen sich Bergbauaktivitäten bis 1460 zurückverfolgen. Eine in diesem Jahr von Friedrich II. erteilte Konzession bezieht sich auf die Wiederaufnahme des Bergbaus, so dass die Ursprünge des Clausnitzer Bergbaus deutlich älter sind. Gegenstand des Bergbaus waren zwei Erzgänge (Salomo Spat, Emanuel Stehender), die dem Kupfertyp der kiesig-blendigen Bleierzformation (kb-Formation) zuzurechnen sind. Seine Blütezeit erlebte der Bergbau im 15. und 16. Jahrhundert. Die in den Gruben St. Michaelis, St. Wolfgang, König Salomo und König David geförderten Kupfererze wurden vor Ort in zwei Pochwerken und einer Schmelzhütte verarbeitet bzw. an die Saigerhütte Grünthal geliefert. Auf König David baute der Oberbergmeister Martin Planer 1562 selbst zwei Kunstgezeuge ein, die Grube St. Wolfgang gehörte damals der bekannten süddeutschen Patrizierfamilie der Welser.
Im St.-Michaelis-Stolln
Der Bergbau kam Anfang des 17. Jahrhunderts zum Erliegen, wahrscheinlich weil 1622 infolge eines Unwetters die Grubenbaueabsoffen. Wiederaufnahmeversuche (1740/41, 1783) blieben erfolglos. 1860 bis 1866 erfolgte die Auffahrung des ca. 400m langen St. Michaelis Stolln, mit dem die alten Grubenbaue des Königs Salomo Grubenfeldes wieder erreicht und vom Wasser befreit wurden. Bergbautreibender war die 1858 gegründete Clausnitzer Bergbaugewerkschaft, eine Bergrechtliche Gewerkschaft, die bis 1877 Erkundungsarbeiten durchführte, diese dann aber mangels Erfolgsaussichten einstellte. Ein letzter Bergbauversuch erfolgte 1920 bis 1923.
Mehrere Bergschäden machten in den letzten Jahren umfangreiche Sanierungs- und Sicherungsarbeiten notwendig. Dabei wurde 2001 bis 2004 der St. Michaelis-Stolln auf einer Länge von ca. 400m saniert.
Ausschreitungen gegen Flüchtlinge vom 18. Februar 2016
Am Abend des 18. Februar 2016 versammelten sich in Clausnitz Gegner einer neuen Asylbewerberunterkunft, um die Ankunft der ersten Bewohner zu blockieren. Vor einem Bus mit Flüchtlingen skandierten sie den Spruch „Wir sind das Volk“ und fremdenfeindliche Parolen wie „Ausländer raus“. Knapp zwei Stunden lang wurden die Ankommenden am Verlassen des Busses gehindert, erst nach dem Eingreifen der Polizei konnten sie das Gebäude betreten. Ein Video des Ereignisses verbreitete sich über soziale Netzwerke. Der Vorfall machte im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise bundesweit Schlagzeilen, er wurde von überregionalen Medien als „Schande von Clausnitz“[3][4] bezeichnet.[5] An den polizeilichen Maßnahmen waren auch Beamte der Bundespolizei beteiligt. Insbesondere das gewaltsame Vorgehen eines Bundespolizisten gegen einen minderjährigen Flüchtling wurde kritisiert.[6]
Entwicklung der Einwohnerzahl
Die folgende Tabelle zeigt die Einwohnerentwicklung des Ortes Clausnitz.[1][7][8] Die Werte zwischen 1875 und 1994 beziehen die Bevölkerung des früheren Ortsteils Neuclausnitz mit ein.
Die Neugrabenflöße ist ein zwischen der Flöha von Fláje (Fleyh) bis zur Freiberger Mulde errichteter Floßgraben zur Holzversorgung der Versorgung der Freiberger Berg- und Hüttenwerke. Die Neugrabenflöße endet südlich von Clausnitz in der Rachel, die in Clausnitz in ihrem natürlichen Verlauf in den Floßgraben einbezogen wurde. Über 350Jahre diente sie der Holzflößerei.[9]
St.-Michaelis-Stolln
Der Stollen ist zu mehreren Terminen im Jahr geöffnet (kein reguläres Besucherbergwerk) und kann bis in die Abbaue der Grube König David befahren werden.[10][11]
Blick auf die Kirche, das Torhaus zu Friedhof und Kirche, das Denkmal für den 1. Weltkrieg. Foto April 2026.Detail am Denkmal für den 1. Weltkrieg. Der Krieger nimmt Abschied von zu Hause. Foto April 2026.Die Rückseite des Denkmals für den 1. Weltkrieg fordert die Überlebenden zum Gedenken an die Helden auf. Foto April 2026.Neben dem Denkmal für den 1. Weltkrieg erinnert ein zweites an den Krieg 1870–1871. Dieser Krieg kostete deutlich weniger Menschenleben als der 1. Weltkrieg. Deshalb können auf dem Denkmal einzelne Schicksale geschildert werden. Hier eins davon. Foto April 2026.Viele Soldaten starben nicht durch die unmittelbaren Kampfhandlungen, sondern an den Folgen von Verwundungen oder an Infektionen durch Krankheiten, die sich im Krieg gut ausbreiten können. Foto April 2026.Auch diese beiden Soldaten starben an den Folgen einer Verwundung, bzw. durch eine Infektion in Folge schlechter hygienischer Bedingungen. Foto April 2026.Die Clausnitzer Kirche wurde in vorreformatorischer Zeit als Wallfahrtskirche genutzt. Der heutige Bau stammt aus dem Jahr 1696. Sehenswert sind die Holzdecke sowie Altar, Kanzel und Taufstein aus dem 17. Jahrhundert. Die Glocken haben ihre eigene Geschichte. Sie sollten im Krieg eingeschmolzen werden, wurden aber vom damaligen Pfarrer gerettet.
Werner Herklotz (* 25. Mai 1931), DDR-Politiker und Diplomat, Botschafter in Somalia (1970–1974)
Jürgen Wolf (* 9. November 1952), Skilangläufer, mehrfacher DDR-Meister
Literatur
anonym: Gütergeschichte von Clausnitz, Kreis Brand-Erbisdorf. zusammengestellt aus den Gerichtsbüchern und Grundbüchern. ohne Orts- und Verlagsangabe, ca. 1959
Richard Steche: Clausnitz. In:Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 3. Heft: Amtshauptmannschaft Freiberg. C.C.Meinhold, Dresden 1884, S. 3.