Columbo: Wenn der Schein trügt
Fernsehfilm von Harvey Hart (1976), Episode von Columbo
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Wenn der Schein trügt (Originaltitel: Now You See Him…) ist eine erstmals im Rahmen der NBC-Sunday-Mystery-Movie-Serie gesendete Episode der Kriminalfilm-Reihe Columbo aus dem Jahr 1976. Die deutschsprachige Erstausstrahlung der fünften Folge der fünften Staffel erfolgte 1980 im Deutschen Fernsehen. Der US-amerikanische Schauspieler Jack Cassidy verkörpert als Zauberkünstler „Der Große Santini“ den Gegenspieler von Inspektor Columbo, dargestellt von Peter Falk.
| Folge 36 der Serie Columbo | |
| Titel | Wenn der Schein trügt |
|---|---|
| Originaltitel | Now You See Him… |
| Episode 5 aus Staffel 5 | |
| Produktionsland | Vereinigte Staaten |
| Originalsprache | englisch |
| Länge | 85 Minuten |
| Altersfreigabe | |
| Regie | Harvey Hart |
| Drehbuch | Michael Sloan |
| Produktion | Everett Chambers |
| Musik | Bernardo Segall |
| Kamera | Richard C. Glouner |
| Schnitt | Jamie Caylor |
| Premiere | 29. Feb. 1976 auf NBC |
| Deutschsprachige Premiere | 24. Mai 1980 auf Deutsches Fernsehen |
| → Besetzung und Synchronisation | |
| → Episodenliste | |
Handlung
Der Zauberkünstler „Der Große Santini“ ist ein renommierter Illusionist. Sein Manager Jesse Jerome zitiert ihn in sein Büro und wirft ihm vor, von den Einnahmen der letzten Tournee nur fünf Prozent an Jerome abgeliefert zu haben anstatt der geforderten fünfzig Prozent. Als Santini sich beschwert, dass Jerome ihn ausbluten lässt, konfrontiert ihn dieser mit seiner Vergangenheit als Stefan Mueller, im Zweiten Weltkrieg als junger Mann Unteroffizier der Waffen-SS. Wenn Santini nicht weiterhin zahle, würde er ihn der Einwanderungsbehörde melden und an die Israelis verraten. Um seine Identität zu wahren und seine Existenz zu sichern, setzt Santini die bereits zuvor geplante Ermordung Jeromes in die Tat um:
Jeden Abend führt Santini im Rahmen des Kabaretts der Magie einen knapp zehnminütigen Wassertanktrick vor. In dieser Zeitspanne führt er seinen Plan durch und nutzt diese gleichzeitig als sein Alibi. In der Garderobe im Keller versteckt Santini einen Revolver mit Schalldämpfer, eine Kellneruniform sowie ein Funkmikrofon mit Sender und Empfänger. Ein tägliches Ritual – ein Kellner bringt ihm während der Pause ein Glas Brandy – wird Teil seines Alibis. Als Kellner verkleidet, mit einem Tablett, darauf der Revolver unter einer Stoffserviette verborgen, geht Santini über die Hintertreppe durch die aufgrund des Hochbetriebs chaotische Küche, ohne von irgendjemandem registriert, geschweige denn erkannt zu werden. Durch die Küche gelangt er in das Obergeschoss, wo sich Jeromes Büro befindet.
Zwischenzeitlich klopft der Kellner mit dem Brandy an. Mithilfe des Funkempfängers gaukelt Santini vor, sich in der Garderobe zu befinden. Er spielt ein Gedankenspiel mit dem Kellner. Dieser solle sich eine Zahl zwischen eins und vier ausdenken. Würde Santini diese nicht erraten, bekäme der Kellner fünf Dollar, errät er sie aber, bekäme der Kellner kein Trinkgeld. Er geht auf das Spiel ein und sagt Santini, er habe die Vier gewählt; daraufhin wird er angewiesen den Totenkopfschädel zu heben, auf dessen Unterseite ein Zettel klebt, mit der Aufschrift „Ich wusste, dass sie die Vier wählen würden.“ An Jeromes Bürotür angekommen, merkt Santini, dass diese verschlossen ist. Mit zwei Stahlstiften öffnet er mühelos das Schloss. Jerome, der gerade das angedrohte Schreiben an die Einwanderungsbehörde verfasst, bekommt dies mit, erhebt sich von seinem Bürosessel und wird augenblicklich vom eintretenden Santini erschossen. Die Waffe legt er neben dem Toten ab und auch die Serviette, die er zum Schutz vor Schmauchspuren nutzte. Am Schreibtisch nimmt er das Schreiben aus der Schreibmaschine und die sonstigen Papiere, die seine Herkunft belegen, an sich. Er ruft vom Bürotelefon aus mit verstellter Stimme als Jerome in der Küche an und verlangt nach einem Kaffee ins Büro. Somit gaukelt er vor, Jerome sei noch am Leben. Er flüchtet auf demselben Weg, wie er kam, und verbrennt im Keller die Papiere. Der Kellner mit dem Kaffee findet die Leiche. Bevor der Wassertanktrick zu Ende ist, zieht Santini sich um und erscheint auf der Bühne als Helfer. Als seine Tochter aus der Kiste steigt, demaskiert er sich unter dem Applaus des Publikums und sieht aus dem Augenwinkel, wie der Kellner dem Co-Manager das Ereignis mitteilt.
Als Columbo eintrifft, wird er vom übereifrigen Sergeant John J. Wilson empfangen, den er schon von früheren Fällen kennt. Wilson hat im Übereifer angeordnet, alle Gäste müssten sich im Lokal für eine Befragung bereithalten, was Columbo nicht für notwendig hält. Mit Wilson untersucht er die Leiche, versucht den Hergang anhand der Position zu rekonstruieren und bemerkt Jeromes durchgeschwitztes Hemd. Columbo fragt den Co-Manager Harry Blandford, warum Jerome das Büro nicht verschlossen habe, wenn er die Einnahmen zählte. Dieser entgegnet, er mache das jedes Mal, und er habe sich sogar extra ein Sicherheitsschloss angeschafft. Da dieses aufgebrochen ist und die Tageseinnahmen nicht gestohlen wurden, wird Columbo skeptisch. Bei der ersten Befragung durch Columbo hält Santini sein Alibi noch zurück und beruft sich auf das Magierethos, keine Tricks zu verraten.
Columbo lässt das Spezialschloss aus Jeromes Büro vom Labor prüfen. Der Labortechniker bestätigt, dass dieses Schloss mit Stahlstiften aufgebrochen worden ist, aber das könne nur ein absoluter Profi schaffen. Columbo sucht den Schlosser Lassiter auf, der das Spezialschloss angefertigt hat. Er beauftragt den Schlosser, ein Paar Handschellen so zu modifizieren, dass sie nicht aufgebrochen werden können. Am Abend besucht Columbo die Vorstellung von Santini und lässt sich von diesem auf die Bühne holen, nachdem er sich förmlich aufgedrängt hat. Dort konfrontiert er Santini mit den Handschellen. Diese seien ausbruchssicher. Um seiner Ehre als Magier gerecht zu werden, nimmt Santini die Herausforderung an und schafft es in Kürze, sich aus den Handschellen zu befreien.
Während des Wassertanktricks schleicht sich Columbo durch die Küche in den Keller, wo er bereits von Santini erwartet wird. Columbo erkundet im Beisein Santinis die Hintergründe des Wassertanktricks. Santini behauptet, dass er den Keller nie hätte verlassen können, ohne vom Inspizienten oder jemandem in der Küche gesehen zu werden. Außerdem spielt Santini auf den Brandy an, den er sich täglich von einem Kellner bringen lässt und von dem er sich ein Alibi erhofft. Columbo sieht auch, wie Santinis Tochter über eine versteckte Falltür anstelle ihres Vaters in die versperrte Box für den Trick kommt.
Columbo kehrt in die Küche zurück, wo er aufgrund des Trubels zunächst nicht wahrgenommen wird. Erst als er auf sich aufmerksam macht, meldet sich der Kellner, der den Brandy servieren wollte. Der Kellner ist überzeugt, im Keller persönlich mit Santini gesprochen zu haben, und berichtet Columbo vom täglichen Ritual des Gedankenspiels während des etwa zehnminütigen Tricks. Im Gespräch mit Co-Manager Harry Blandford erfährt Columbo, dass eine fremde Person in der Küche niemandem aufgefallen wäre.
Columbo zweifelt an Santinis Alibi und fragt in einem Zauberladen nach Möglichkeiten, die eigene Stimme aus einem weit entfernten Zimmer kommen zu lassen. Der Inhaber des Zauberladens erklärt Columbo das Prinzip der „Kopfnummern“: Eine Assistentin lässt sich von einem Zuschauer im Publikum etwas ins Ohr flüstern, was der „Hellseher“ auf der Bühne über ein kleines verstecktes Funkmikrofon mithört, sodass er vermeintlich Gedanken lesen kann. Columbo führt die Idee fort und erkennt, dass man über paarweise Mikrofone und Verstärker den Anschein erwecken kann, in einem Zimmer zu sein, obwohl man eigentlich woanders ist.
Columbo sucht den ehemaligen Artisten Michael Wylie auf, den er zuvor im Gespräch mit Santini an der Bar sah. In Wylies bescheidener Absteige fragt Columbo ihn über Santini aus. Wylie kennt Santini schon sehr lange seit einer Europatournee. Er erwähnt unter anderem die Kopfnummern, die Santini seit Beginn seiner Karriere perfektioniert hat. Auch berichtet Wylie, dass Santini einen „Akzent zum Davonlaufen“ gehabt und einen anderen Künstlernamen getragen habe. Wylie vermutet einen deutschen Akzent, den Santini aber nach ein paar Jahren abgelegt habe; mittlerweile könne er verschiedenste Stimmen imitieren.
Santini trifft sich mit einer angehenden neuen Assistentin zum Essen, da seine Tochter ihren Freund auf seiner Gesangstournee begleiten möchte. Dort setzt sich Columbo an den Tisch und konfrontiert Santini mit dem Akzent und früheren Bühnennamen. Stolz präsentiert Santini, wie viele Akzente und Stimmen er imitieren kann. Im Büro angekommen, führt Columbo Sergeant Wilson den Trick vor, wie man eine Nummer errät. Wilson wählt die Zwei und Columbo weist ihn an, den Telefonhörer zu heben, auf dessen Unterseite ein Zettel angebracht ist, auf dem „Ich wusste, Sie würden die Zwei nehmen“ steht. Wilson ist begeistert und Columbo klärt ihn auf. Für jede Zahl hat er einen Zettel unter einem anderen Gegenstand platziert; er hat diesen Trick im Zauberladen gekauft.
Columbo beschließt, mit Wilson nochmals Jesse Jeromes Büro unter die Lupe zu nehmen. Beim Weg aus dem Präsidium bemerkt Columbo einen Mitarbeiter, der ein durchgeschwitztes Hemd trägt, das aber nur bis zur Hälfte nass ist. Auf die Frage, wo er denn gesessen habe, setzt sich der Mitarbeiter hin und Columbo sieht, dass die Schweißlinie genau mit der Höhe der Lehne des Sessels übereinstimmt. Daraufhin holt er sich die Fotos vom Tatort und dieses Muster fällt ihm auch bei Jerome auf.
Im Büro werden alle Sessel kontrolliert. Da alle aus Stoff sind, kommt nur der Schreibtischstuhl infrage. Dort überlegen sie, was Jesse Jerome denn gemacht haben könnte. Wilson fällt die Schreibmaschine auf. Columbo spannt ein Blatt Papier ein, tippt einige Zeichen und wundert sich über die Funktionsweise. Wilson erklärt, das sei eine hochmoderne Kugelkopfschreibmaschine ohne Schlitten, bei der die Kugel über das Farbband und das Papier fährt. Auch das Farbband ist kein herkömmliches, sondern ein Plastikfarbband, wo jeder Buchstabe, der getippt wird, einen sauberen Abdruck am Farbband hinterlässt. Auf dieser Kassette findet Columbo das Motiv.
Am Folgetag wird Santini in Jesse Jeromes Büro bestellt. Dort angekommen, hört er durch die verschlossene Tür, wie Columbo mit Wilson diskutiert, er habe alle Beweise. Santini kehrt sofort um und zu seiner Überraschung trifft er Columbo im Zuschauerraum. Columbo konfrontiert ihn mit dem Funkmikrofon: Er habe dieselbe Nummer abgezogen wie Santini in der Mordnacht. Als Motiv zeigt er Santini Jeromes Brief, der anhand der Abdrücke am Farbband rekonstruiert werden konnte. Santini verbrennt den Brief in Magiermanier, Columbo zückt jedoch sofort den nächsten und auch Wilson und die anderen Polizisten tun dasselbe. Santini gibt sich geschlagen, gratuliert Columbo, bemerkt, dass er die Tat nicht bereue, und lässt sich widerstandslos abführen.
Ein Running Gag besteht darin, dass Columbo von seiner Frau einen neuen dunkelgrauen Mantel geschenkt bekommen hat, in welchem er aber nicht nachdenken kann. Daher „vergisst“ er ihn öfter. Ab Mitte der Folge trägt er wieder seinen alten beigen Mantel.[2] Columbos Assistent ist nach einem früheren Fall in der Episode Blumen des Bösen erneut der übereifrige Sergeant Wilson.[3]
Produktion
Der Film wurde in den USA erstmals am 29. Februar 1976 ausgestrahlt. In Deutschland erfolgte die Erstausstrahlung am 24. Mai 1980 in verkürzter Form. Dort wurde die Nazivergangenheit von Santini herausgekürzt und er wurde als englischer Bankräuber beschrieben. Ungekürzt wurde die Folge nach einer Neusynchronisation am 24. Mai 1993 auf RTL gesendet.
In der Folge Wenn der Schein trügt gibt es ein Wiedersehen mit Sergeant Wilson. Dieser hatte schon drei Jahre zuvor in Staffel 2 in Blumen des Bösen die Ermittlungen Columbos als streberhafter und erratischer Neuling „unterstützt“. Beim Wiedersehen in Staffel 5 freut er sich sichtlich, wieder mit Columbo arbeiten zu dürfen, während Columbo seine naiven Tipps wie schon zuvor ignoriert, aber immer seinen Fleiß lobt. Dass Sergeant Wilson in der früheren Folge den Vornamen Frederic trägt und beim Wiedersehen John heißt, wird in der IMDB unter der Rubrik „Patzer“ aufgeführt.[4]
Gegen Ende des Entstehungsjahres der Episode starb Cassidy im Alter von 49 Jahren bei einem Brand in seiner Wohnung.
Besetzung und Synchronisation
In Deutschland wurde der Film zweimal synchronisiert. Die erste Synchronisation führte Studio Hamburg Synchron durch[5] und die zweite Neue Tonfilm München.[6]
| Figur | Darsteller | Deutscher Sprecher (ARD 1980) |
Deutscher Sprecher (RTL 1993) |
|---|---|---|---|
| Lieutenant Columbo | Peter Falk | Klaus Schwarzkopf | Horst Sachtleben |
| Gaststars | |||
| Der Große Santini / Stefan Mueller | Jack Cassidy | Henry Kielmann | Reinhard Glemnitz |
| Sergeant John J. Wilson | Bob Dishy | Peter Kirchberger | Oliver Stritzel |
| Jesse T. Jerome | Nehemiah Persoff | Werner Schumacher | Hans von Borsody |
| Harry Blandford | Robert Loggia | Wolfgang Kieling | Fred Maire |
| Weitere Darsteller | |||
| Della Santini | Cynthia Sikes | Christa Berndl | Madeleine Stolze |
| Thackery | George Sperdakos | Lothar Grützner | Tonio von der Meden |
| Verkäufer | Thayer David | Franz-Josef Steffens | Manfred Erdmann |
| George Thomas | Redmond Gleeson | N. N. | Fred Maire |
| Danny Green | Patrick Culliton | Hans Sievers | Walter von Hauff |
| Michael Wylie | Mike Lally | N. N. | N. N. |
| Lassiter | Victor Izay | Wolf Rahtjen | Gernot Duda |
| Rogers | Robert Gibbons | Hans Paetsch | N. N. |
| Jefferson | Michael Payne | N. N. | N. N. |
Rezeption
Die Fernsehzeitschrift TV Spielfilm vergab eine positive Wertung (Daumen hoch): „Perfekter Mord? Wie immer eine Illusion.“[7]
Das Lexikon des internationalen Films befand: „Spannende Unterhaltung, mit trockenem Humor aufgelockert.“[8]
Der Autor Michael Striss wertete mit vier von vier Sternen (Höhepunkt). Er würdigte insbesondere das Skript und die Schauspieler: „Wer kann die Polizei so überzeugend an der Nase herumführen wie ein professioneller Magier? So war es nur eine Frage der Zeit, bis ein Vertreter dieser Zunft gegen den Inspektor antreten würde. Das Duell zweier solcher Schlitzohren macht diese Episode zu einem reinen Vergnügen. Dabei fällt es nicht einmal ins Gewicht, dass Kultmotive (bis auf die schöne Idee mit dem neuen Mantel) kaum vorkommen. Das gelungene Drehbuch wird mit Darstellern von Format wie Robert Loggia und Nehemiah Persoff gekrönt. Sie werden noch übertroffen von Jack Cassidy in seinem dritten und besten Auftritt. Leider sollte es sein unwiderruflich Letzter werden.“[9]
Der Autor Mark Dawidziak ergänzte: „Angesichts der Faszination von Richard Levinson und William Link für Mord und Magie mutet es seltsam an, dass das Team keinen Columbo mit einem Zauberkünstler als Mörder geschrieben hat. Diese offenkundig notwendige Handlung fiel Michael Sloan zu, und er hat mit dem Konzept magische Arbeit geleistet. Die Schöpfer von Columbo müssen zufrieden gewesen sein. Die Episode erhält zusätzlichen Schwung durch das Fachwissen des Top-Illusionisten Mark Wilson, die eindringlichen und passenden Klänge von Henry Mancinis Charade (der Komponist war schließlich der Verfasser des Mystery Movie Theme) und die elegante Darbietung von Jack Cassidy, der den letzten seiner drei herausragenden Auftritte als Columbo-Mörder absolviert.“[10]
Weblinks
- Columbo: Wenn der Schein trügt bei IMDb
- Now You See Him im Videoarchiv – Internet Archive
- Nothing But Media: Columbo – Now You See Him Review – S05E05 auf YouTube, 27. März 2022 (englisch; Videobesprechung).
- Episode review: Columbo Now You See Him. In: columbophile.com. 23. Juni 2019 (englisch).