Universität Complutense Madrid
Universität in Spanien
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Die Universität Complutense Madrid (spanisch Universidad Complutense de Madrid) ist eine Universität in der spanischen Hauptstadt Madrid. Sie ist eine der ältesten Universitäten der Welt[3] und die größte Präsenzuniversität Spaniens. Ursprünglich im Jahr 1499 in Alcalá de Henares gegründet, wurde sie 1836 nach Madrid verlegt.[4] Die Universität ist eine der renommiertesten akademischen Einrichtungen Spaniens und bekannt für die Ausbildung historischer Persönlichkeiten, sieben Nobelpreisträger und bedeutender Führungskräfte in Politik, Literatur und Wissenschaft.[5] Die Universidad Complutense Madrid ist besonders für Zahn- und Veterinärmedizin, Pharmazie, Medizin, Moderne Sprachen, Geschichte, Archäologie, Kommunikations-, Rechts- und Politikwissenschaften bekannt.[6]
| Universität Complutense Madrid | |
|---|---|
| Gründung | 1499 |
| Trägerschaft | staatlich |
| Ort | Madrid |
| Land | |
| Rektor | Joaquín Goyache Goñi[1] |
| Studierende | 91.598 |
| Mitarbeiter | 10.506 |
| davon Professoren | 819 Lehrstuhlinhaber (Catedráticos) 5.385 sonst. Professoren u. wiss. Mitarbeiter |
| Jahresetat | 632,446 Mio. Euro (2024)[2] |
| Website | www.ucm.es |
Geschichte
Die Universität in Alcalá

Die heutige Universität Complutense Madrid wurde von Kardinal Cisneros in Alcalá de Henares gegründet, das wiederum auf das römische Complutum zurückgeht.[7] Grundlage dafür war das päpstliche Schreiben „Inter cetera“, das Papst Alexander VI. am 13. April 1499 ausstellte und dem Kardinal das Privileg einräumte, ein Kolleg für Schüler zu gründen und in Alcalá de Henares zu errichten. Kardinal Cisneros ließ bereits im März 1499, einen Monat vor Erteilung der päpstlichen „Carta bulada“, den Grundstein für das Colegio Mayor San Ildefonso legen. Ziel war die Gründung des Colegio Complutense, in dem Theologie, Kanonisches Recht und Freie Künste gelehrt werden sollten.[8]
Die Bauarbeiten an der Universität dauerten bis 1508, im selben Jahr nahmen die ersten Studierenden ihr Studium auf. Der erste Rektor wurde am 17. Oktober 1508 gewählt und am 18. Oktober 1508 begann der Unterricht mit einer Einführung in die Moralphilosophie von Aristoteles. Cisneros orientierte sich an den mittelalterlichen europäischen Universitäten: Theologie, Medizin und Jura standen im Mittelpunkt, die Freien Künste dienten als Vorbereitung. Mit der kollegialen Struktur wollte er auch weniger begüterten Studierenden Zugang ermöglichen.[9]
1510 wurden die „Constituciones“ des Colegio Mayor veröffentlicht, die detaillierte Regeln für die Fakultäten von Theologie, Kanonischem Recht und Medizin sowie für die Freien Künste enthielten. Zudem wurden weitere Fächer wie Grammatik und Griechisch eingeführt. Bemerkenswert ist, dass Medizin ursprünglich nicht vorgesehen war, aber in den „Constituciones“ (Nr. 49) mit zwei Lehrstühlen festgeschrieben wurde, um den Bedarf an medizinischer Ausbildung für die Gesellschaft zu decken. Mit der Verabschiedung der „Constituciones“ erhielt die Universität erstmals eine eigene Rechtspersönlichkeit, geleitet von einem Rektor, wie das Colegio selbst.[10]
Nach wechselvollen Entwicklungen verfiel die Universität in Alcalá im Laufe der Zeit. 1821 ordnete das „Reglamento General de Instrucción Pública“ die Gründung der Universidad Central in Madrid an, die 1822 offiziell eröffnet wurde und die Studien der Universität von Alcalá, San Isidro und des Naturkundemuseums übernahm.[11] Die Rückkehr des Absolutismus 1824 in Spanien brachte die Universität wieder nach Alcalá, wo sie jedoch unter Repressionen, Verlust von Privilegien, Verbot des akademischen Kostüms und fehlenden Räumen in der Stadt Madrid stark geschwächt war.
Die Universität unter Königin Isabel II. von Spanien
Das Gesetz über die öffentliche Ausbildung aus dem Jahr 1821 verfügte die Verlegung der Universidad de Alcalá de Henares nach Madrid mit dem Namen „Universidad Central“.[12] Aufgrund der politischen Wechselfälle kehrte die Universität 1823 an ihren ersten Standort zurück. Erst 1836 konnte die endgültige Verlegung durch königlichen Erlass von Königin Isabel II. nach Madrid durchgeführt werden. Anfangs umfasste sie Theologie, Philosophie, Kanonisches Recht und Jurisprudenz, Naturwissenschaften, Medizin und Pharmazie. 1843 war in Alcalá kein Überbleibsel der von Cisneros gegründeten Institution mehr vorhanden. Bis 1850 trug die Universität den Namen „Literaria de Madrid“, ab 1850 führte sie wieder den Namen „Universidad Central“. Der Name sollte darauf hinweisen, dass diese Universität als Norm und Modell für die anderen spanischen Universitäten gelten sollte. Diese Sonderstellung wurde durch das Erziehungsgesetz von 1857 bestätigt, das bis 1943 gültig war.
Im selben Jahr erlaubten zwei Erlasse von Königin Isabel II. erneut das Tragen akademischer Kleidung und legten die Farben der Fakultäten fest. 1852 wurden die Fakultäten der Theologie abgeschafft, 1854 jedoch in vier Universitäten wieder eingeführt und 1857 durch die „Ley Moyano“ konsolidiert; endgültig abgeschafft wurden sie 1868, um Wissenschaft und Theologie zu trennen.[13] Vorher gab es zahlreiche kurzlebige Studienpläne, oft politisch motiviert oder wegen fehlender Mittel kaum umsetzbar. Ab 1857 besaß sie das Monopol für die Verleihung von Doktortiteln in Spanien. 1858 umfasste die Universidad Central neben den sechs Fakultäten weitere Schulen: Musik- und Schauspiel-konservatorium, Lehrerbildung, Landwirtschaft, Architektur, Diplomatie, Maschinen- und Chemieingenieurwesen, Veterinärmedizin und Handel.[14]
Die „Ley Moyano“ zentralisierte die Verwaltung der Universität und betonte den praxisnahen Charakter der Lehre. Einrichtungen wie das Museo de Ciencias Naturales, der Botanische Garten und das Astronomische Observatorium wurden in die Universität integriert. Die Struktur blieb bis ins frühe 20. Jahrhundert bestehen, erlebte aber konservative Reformphasen. Die letzte Phase von Isabel II. führte zu einem Konflikt innerhalb der universitären Gemeinschaft Madrids, bekannt als „primera cuestión universitaria“.
Die Universität während des Demokratischen Sechsjahres (1868–1874) und der Restauration
Ab 1868, nach dem Sturz Isabels II., begann im Rahmen des Sexenio Revolucionario eine Phase mutiger und visionärer Reformen an den spanischen Universitäten.[15] Wissenschaft und Lehre sollten unabhängig von Staat und Kirche sein, die Professoren in der freien Äußerung ihres Denkens autonom und ethische Verantwortung ein zentraler Bestandteil akademischen Handelns. Viele geplante Reformen scheiterten jedoch an der politischen Instabilität jener Jahre[16].
Mit der Restauration der Bourbonen-Monarchie 1875 in Spanien kehrte eine konservativere Haltung in der Hochschulpolitik ein. Die wenigen zuvor durchgesetzten Reformen wurden stark eingeschränkt, was erneut zu Konflikten führte, die sogenannte „segunda cuestión universitaria“, in der sich Teile der Universitätsgemeinschaft engagierten. Trotz der Schwankungen zwischen konservativen und liberalen Regierungen blieb die geschaffene Universitätsstruktur weitgehend unverändert.[17]
Nach fast einem halben Jahrhundert war die Gesetzgebung veraltet und die Universität befand sich in einer Krise. Die spanische Gesellschaft verlangte durch den technischen Fortschritt neue Berufsbilder und die beginnende universitäre Forschung um 1898, unterstützt von Persönlichkeiten wie José Rodríguez Carracido, Ignacio Bolívar, Ramón Menéndez Pidal und Santiago Ramón y Cajal, fand in diesem überholten System weder organisatorisch noch infrastrukturell Platz.
Die Universität von der Krise bis zum Spanischen Bürgerkrieg (1936–1939)
Die Krise von 1898 offenbarte die strukturellen Schwächen Spaniens und verdeutlichte die Notwendigkeit tiefgreifender Reformen im Bildungswesen auf allen Ebenen.[18] Mit der Gründung des Ministeriums für öffentliche Bildung (Ministerio de Instrucción Pública) im Jahr 1900 begann eine neue Phase in der Geschichte der spanischen Universitäten. Der erste Minister, Antonio García Alix, leitete Reformen der Studienpläne ein, die eine stärkere Angleichung an die Standards europäischer Universitäten zum Ziel hatten. In dieser reformorientierten Zeit entstand auch die Junta para Ampliación de Estudios, die Stipendien für Auslandsaufenthalte förderte und den Aufbau von Forschungslaboren unterstützte, wobei Professoren der Universität Central eine zentrale Rolle spielten.
Die politischen und sozialen Umstände Spaniens und Europas in der ersten Dekade des 20. Jahrhunderts begrenzten die Umsetzung der Reformen[19]. Im Mai 1919 erließ die Regierung ein Königliches Dekret zur Universitätsautonomie, das der Universität Central eine begrenzte akademische Selbstständigkeit zusprach. Dieses Gesetz wurde jedoch während der Diktatur von Miguel Primo de Rivera suspendiert, die ihre eigene Vorstellung von Universitätsautonomie durchsetzte.
Ein weiterer entscheidender Impuls für die Modernisierung der Universität Central war der Bau der Ciudad Universitaria. 1929 wurde unter der Schirmherrschaft von König Alfonso XIII. die Baukommission der Ciudad Universitaria gegründet. Ziel war es, die wachsende Studentenpopulation aus dem Stadtzentrum zu verlagern und ein imposantes Infrastrukturprojekt umzusetzen, wozu die Kommission Flächen in Moncloa erwarb.[20]
Mit der Ausrufung der Zweiten Spanischen Republik wurden die schwachen Strukturen der Diktatur aufgehoben, während das Projekt der Ciudad Universitaria fortgeführt wurde. Das republikanische Bildungsprogramm brachte neue Studienpläne und Organisationsstrukturen. 1931 wurde experimentell ein neuer Studienplan für die Fakultät für Philosophie und Literatur eingeführt, der erste Elemente der Autonomie ermöglichte. Dieser Reformgedanke wurde 1933 im Gesetzesentwurf über die Grundlagen der Universitätsbildung von Minister Fernando de los Ríos weitergeführt, der eine moderne Universität als Ort der Persönlichkeitsbildung, beruflichen Qualifikation und Forschung definierte.
In den 1930er Jahren nahm der Bau der Ciudad Universitaria Fahrt auf. 1933 wurde das erste Gebäude, die Fakultät für Philosophie und Literatur, offiziell eröffnet, und bis 1936 war der zentrale Kern des Campus fertiggestellt oder kurz vor der Fertigstellung.
Während des Spanischen Bürgerkriegs wurde das Gelände der Ciudad Universitaria zum ständigen Kriegsschauplatz, sodass der reguläre Lehrbetrieb unmöglich wurde. Ein Großteil der Madrider Professorenschaft folgte den Anweisungen des Ministeriums für öffentliche Bildung und verlegte die Lehre nach Valencia.
Die Universität während der Franco-Diktatur (1939–1975)
Kurz vor dem Ende des Spanischen Bürgerkriegs 1939 ernannte das Franco-Regime Pío Zabala y Lera zum ersten Rektor der Diktatur an der Universität Madrid.[21] Unter seiner Leitung wurden die neuen, von den Behörden entworfenen Studienpläne umgesetzt. Das Exil und die sogenannte „depuración“ (Säuberung) des Lehrpersonals trafen fast 40 % der Professorenschaft, darunter ehemalige republikanische Rektoren wie José Giral, Fernando de los Ríos und José Gaos.
1943 trat die „Ley de Ordenación de la Universidad Española“ in Kraft, die bis 1970 die Grundzüge der franquistischen Universität festlegte. Die Universität verlor ihren Modellcharakter und war nicht mehr als „Universidad Central“, sondern unter dem Namen als „Universidad de Madrid“ bekannt.[22] Sie etablierte ein stark zentralistisches System: Der Rektor, direkt vom Staat ernannt, war die oberste Autorität; Kirche, Militär und Falange wurden in die universitäre Organisation integriert. Religionsunterricht, obligatorische Sportausbildung und die Mitgliedschaft im staatlich kontrollierten SEU (Sindicato Español Universitario) gehörten zu den staatlich verordneten Pflichten. Neue Fakultäten in Madrid entstanden, darunter Veterinärmedizin und Politik- und Wirtschaftswissenschaften. Zwischen 1951 und 1956 leitete Pedro Laín Entralgo das Rektorat, wobei die strenge staatliche Kontrolle durch das Franco-Regime minimal gelockert wurde.
Ein entscheidender Wendepunkt war der sogenannte „Sucesos de 1956“. Im Februar 1956 kam es zu ersten großen öffentlichen Protesten von Studenten gegen die Diktatur und die totale Kontrolle des Universitätslebens durch das SEU. Auslöser waren freie Wahlen für studentische Vertreter, bei denen die SEU bei der Abstimmung massiv unterlag. Als die Organisation die Wahlen absagte und Falangisten gewaltsam intervenierten, eskalierten die Proteste zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Studenten und Falange-Mitgliedern, die sich in die Straßen von Madrid ausweiteten.[23]
Die Ereignisse von 1956 gelten als Beginn Studentenbewegung gegen das Franco-Regime. Die Universität entwickelte sich von einer zunächst regimefreundlichen Institution zu einem Bollwerk des Antifranquismus. Insbesondere in den späten 1960er Jahren wurden Proteste, Streiks und Straßenunruhen an der Universität zur Routine. Die Studenten forderten nicht nur akademische Freiheit, sondern auch grundlegende demokratische Rechte und eine Öffnung der Gesellschaft. Zu dieser Zeit konnte die Franco-Regierung die Kontrolle über die Studenten zunehmend nicht mehr aufrechterhalten.[24] Dies führte 1965 zur faktischen Auflösung des SEU und zu massiver Repression gegen oppositionelle Studierende. Zu den Maßnahmen gehörten die Schließung der Universität, die Verhaftung führender Studentenaktivisten sowie die Entlassung prominenter Professoren wie José Luis López Aranguren, Agustín García Calvo oder Enrique Tierno Galván. Viele Teilnehmer der Bewegung wurden später aktive Gestalter der spanischen Demokratie, etwa durch ihre Beteiligung an politischen Parteien und zivilgesellschaftlichen Institutionen.[25]
Durch die Universitäts- und Studienreform von 1970 wurde die Universität Madrid in zwei Teile geteilt: Die natur-, sozial-, geistes- und sprachwissenschaftlichen sowie die medizinischen Studiengänge verblieben bei der Universität, die nun „Universidad Complutense de Madrid“ genannt wurde, während die Zentren für technische Studiengänge gemeinsam mit Institutionen anderer bisheriger Träger wie dem Heer oder dem Industrieministerium in der Universidad Politécnica de Madrid (Polytechnische Universität Madrid) zusammengefasst wurden.
Die Universität während der Transición (1975–1982) und neuere Entwicklungen
Nach dem Tod Francos erlebte die Universidad Complutense Madrid wie die gesamte spanische Gesellschaft eine Phase der Unsicherheit.[26] Mit der Verabschiedung der Verfassung von 1978 und der Konsolidierung der Demokratie konnte eine neue Hochschulgesetzgebung eingeführt werden. Die „Ley de Reforma Universitaria“ von 1983 schuf ein modernes Modell. Die akademische Gemeinschaft übernahm die Universitätsleitung, Entscheidungsprozesse wurden demokratisiert, und die Fachbereiche organisierten eigenständig Lehre und Forschung.
Die Universität passte sich der dezentralen Organisation des Bildungssystems an; die Comunidad de Madrid übernahm 1995 die Kompetenzen für ihre Universitäten. Gleichzeitig eröffnete die Universität neue Studiengänge, um den Anforderungen der modernen Gesellschaft gerecht zu werden, darunter die Escuela Universitaria de Trabajo Social (1983), die Facultad de Odontología (1986), die Escuela Universitaria de Enfermería y Fisioterapia (1987), die Escuela Universitaria de Biblioteconomía y Documentación (1990), die Escuela Superior de Informática (1991) und die Facultad de Educación (1991).
Der technologische Fortschritt förderte die Bildung multidisziplinärer Forschungsteams, etwa in den Centros de Ayuda a la Investigación (CAI) und dem Instituto Pluridisciplinar. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts entstand der Parque Científico de Madrid, eine Stiftung zur Förderung von Forschung, Entwicklung und Innovation, an der die Universidad Complutense, die Universidad Autónoma, der CIEMAT und weitere öffentliche und private Einrichtungen beteiligt sind.
Mit Spaniens Beitritt zur EU wurde das Europäische Hochschulraum-Konzept eingeführt, das die Anerkennung von Abschlüssen, Kompetenzen und Studieninhalten in ganz Europa sicherstellt. Das Studium ist in drei Zyklen gegliedert: Bachelor, Master und Doktorat, die akkreditiert und regelmäßig evaluiert werden. Neue oder umstrukturierte Fakultäten entstanden, darunter 2006 die Facultad de Ciencias de la Documentación, und 2012 die Fakultäten für Handel und Tourismus, Pflege, Physiotherapie und Podologie, Statistik, Optik und Optometrie sowie Soziale Arbeit.
Heutige Situation der Universität
Campus und Einrichtungen
Die Universität befindet sich auf zwei Hochschulgeländen: der Ciudad Universitaria im Stadtteil Moncloa, die sich die Complutense mit der Universidad Politécnica de Madrid und der Universidad Nacional de Educación a Distancia (Nationale Fernuniversität) teilt, und dem Campus in Somosaguas. Die Ciudad Universitaria bildete im Spanischen Bürgerkrieg mehrere Monate lang die Front bei der Verteidigung bzw. Eroberung Madrids durch republikanische bzw. nationalistische Truppen (s. Belagerung von Madrid). Hierbei wurden nicht nur Gebäude zerstört, sondern auch ein bedeutender Teil wissenschaftlicher Präparate und der Bibliotheken, die zum Teil noch aus der alten Complutense stammten. Auch ein Großteil der Professoren stand durch Exil und Absetzung nach 1939 nicht mehr zur Verfügung. Auf dem Universitätsgelände befindet sich das Estadio Nacional Universidad Complutense, das vor allem für Rugby verwendet wird.
Studienangebot
Unter anderem können in den 21 Fakultäten folgende Studiengänge belegt werden: Biologie, Umweltwissenschaften, Volkswirtschaftslehre, Betriebswirtschaftslehre, Rechtswissenschaften, Tourismus, Soziologie, Journalistik, Dokumentationswesen, Pharmazie, Philosophie, Philologie, Psychologie, Medizin, Krankenpflege, Zahnmedizin, Physiotherapie, Lehramt, Mathematik, Physik, Chemie, Informatik, Geographie, Schöne Künste, Geologie, Chemieingenieurwesen (keine abschließende Liste).
Kooperationen mit Lateinamerika
Die Universidad Complutense Madrid unterhält traditionell enge Beziehungen zu Lateinamerika. Sie ist Mitglied der Unión Iberoamericana de Universidades (UIU), einem Netzwerk führender lateinamerikanischer Hochschulen wie der Universidad Nacional Autónoma de México (UNAM), der Universidad de Buenos Aires (UBA) und der Universidade de São Paulo (USP). Die UCM bietet spezialisierte Masterprogramme zu lateinamerikanischen Studien an, darunter den „Máster Universitario Internacional de Estudios Contemporáneos de América Latina“.[27] Zudem ist die Zahl der Studierenden aus Lateinamerika sehr hoch. Von den ca. 8.000 ausländischen Studierenden im Jahr 2024/25 kamen etwa 3.000 Studierende aus Lateinamerika, da die Universität ein zentraler Knotenpunkt für den akademischen Austausch Spaniens und Europas mit Lateinamerika ist.[28] Es besteht zudem eine akademische Beziehung mit der Universidad de Guadalajara (Mexiko) für den Abschluss von Aufbaustudiengängen nach Gründung der Latin American Complutense School.
Finanzprobleme
Im Jahr 2024 geriet die Universität Complutense Madrid in eine schwere Finanzkrise. Die Mittel der Comunidad de Madrid reichten nicht aus, um die Gehälter von 11.400 Mitarbeitenden zu zahlen, sodass ein Notkredit von 34,4 Millionen Euro zur Deckung der laufenden Kosten erforderlich wurde.[29] Die Finanzierung der Universität war seit der Finanzkrise 2007–2008 unzureichend, obwohl die Zahl der wissenschaftlichen Mitarbeitenden gestiegen und die Personalstruktur durch neue Einstellungen und Alterszulagen verteuert wurde. Gleichzeitig gingen die Mittel für Forschung, Stipendien und Lehrinnovation zurück und die universitäre Infrastruktur wurde nur unzureichend erneuert. Die Krise zeigt sich in verzögerten Projektfinanzierungen und reduzierten Budgets für Fakultäten. Trotz steigender Studentenzahlen und höherer Betriebskosten sind Gehälter und laufende Ausgaben auf Dauer nicht mehr gedeckt, weshalb die Universität gezwungen ist, Einsparungen vorzunehmen und externe Kredite aufzunehmen.[30]
Verbundene Zentren
Es gibt folgende verbundene Zentren:[31]
- Cardenal Cisneros-Hochschulzentrum
- Universitätskolleg für Finanzwissenschaft (CUNEF)
- Zentrum für Hochschulbildung in den Geistes- und Bildungswissenschaften Don Bosco
- Universitätslehrzentrum (ESCUNI)
- Fakultät für Lehrkräfte an der Universität zur Förderung von Lehrzentren
- Institut für Börsenforschung (IEB)
- Höheres Institut für Recht und Wirtschaft (ISDE)
- María Cristina de El Escorial Königliches Universitätszentrum
- Universitätszentrum Villanueva
Bachelor-Programme
Im akademischen Jahr 2015–2016 bot die Universidad Complutense de Madrid 71 Bachelor-Abschlüsse und 10 Doppelabschlüsse an.
Das Grundstudium dauert vier Jahre und jedes Studienjahr ist in zwei Semester gegliedert, das erste von September bzw. Oktober bis Februar und das zweite von Februar bis Mai bzw. Juni. Die Unterrichtssprache ist in den meisten Fächern Spanisch, obwohl einige auf Englisch unterrichtet werden.[32]
Postgraduiertenprogramm
Master
Im akademischen Jahr 2015–2016 wurden 169 Master-Studiengänge angeboten. 43 % der Abschlüsse sind in den Sozial- und Rechtswissenschaften, 22 % in den Geisteswissenschaften, 18 % in den Naturwissenschaften, 14 % in den Gesundheitswissenschaften und 4 % in den Ingenieurwissenschaften.
Die Dauer des Studiums unterscheidet sich je nach Studiengang, wobei die Master-Abschlüsse grundsätzlich ein Jahr, eineinhalb Jahre oder zwei Jahre dauern.
Doktorat
Im akademischen Jahr 2015–2016 wurden 58 Promotionen angeboten. Das Promotionsstudienprogramm weist eine ähnliche Struktur von Wissenszweigen auf wie die Master-Abschlüsse, jedoch mit einem etwas geringeren Anteil an Geistes- und Sozialwissenschaften und einem höheren Anteil der Natur- und Gesundheitswissenschaften. 28 % der Studien sind in den Sozial- und Rechtswissenschaften, weitere 26 % entfallen auf Geisteswissenschaften, 22 % auf Naturwissenschaften, 19 % auf Gesundheitswissenschaften und 5 % auf Ingenieurwissenschaften. Wie im Masterstudium ist die Unterrichtssprache Spanisch, mit der Möglichkeit, einige Studien in englischer Sprache zu absolvieren.[33]
Andere Lehren
Eigene Titel
Neben den Bachelor- und Postgraduierten-Abschlüssen werden zahlreiche eigene Abschlüsse (UCM-Masterstudiengang, Spezialist und Experte) sowie Weiterbildungskurse angeboten.
Sommerkurse
In den letzten Juni- und Juli-Wochen bietet die Complutense-Universität in Madrid Sommerkurse in San Lorenzo de El Escorial an, 50 Kilometer von Madrid entfernt. In der Regel dauern die Kurse fünf Tage, obwohl es auch Kurse von nur zwei oder drei Tagen gibt. Das Programm ist allgemeiner Natur und umfasst Kurse zu verschiedenen Wissenszweigen. Diese werden in Form von Vorlesungen und runden Tischen (round tables) entwickelt, an denen Teilnehmer teilnehmen können, die am Ende des Kurses ein Zertifikat erhalten. Neben den Kursen umfassen die Tage künstlerische Aktivitäten wie Theateraufführungen, Musikkonzerte und Filmpräsentationen.
Die Zahl der Teilnehmer an jeder Ausgabe der Sommerkurse liegt bei rund 4000. Die meisten Teilnehmer sind im dritten oder vierten Jahr des Grundstudiums, aber es gibt auch eine signifikante Vertretung von Absolventen und aktiven Fachleuten. Etwa ein Drittel der Teilnehmer erhält ein Stipendium, das die Kosten für Unterkunft und Verpflegung deckt.[34]
Bedeutende Lehrende und Absolventen (Auswahl)
Mediziner und Naturwissenschaftler
- Gregorio Marañón (1887–1960), Arzt, Forscher, Historiker, Schriftsteller (seit 1931 Professor für Endokrinologie)
- Santiago Ramón y Cajal (1852–1934), Arzt, erhielt 1906 den Nobelpreis für Medizin (seit 1892 Professor für Histologie und Pathologie)
Theologen und Philosophen
- José Ortega y Gasset (1883–1955), Philosoph, Soziologe und Essayist (Professor für Metaphysik 1910–1936)
- Fernando Savater (* 1947), Philosoph und Schriftsteller, Professor für Philosophie
- Luis Ladaria (* 1944), seit 2. Juli 2017 Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre
Künstler
- Alejandro Amenábar (* 1972), chilenischer Filmregisseur (u. a. Das Meer in mir)
- Javier Marías (1951–2022), Schriftsteller
- Erich Hackl (* 1954), österreichischer Schriftsteller
- Mario Vargas Llosa (1936–2025), peruanischer Schriftsteller und Politiker (promovierte 1959 an der Complutense)
- Julio Iglesias (* 1943), spanischer Sänger beendete 2001, nach 33-jähriger Pause, sein Rechtswissenschaftsstudium.
- Vicente Aleixandre, (1898–1984), Lyriker und Träger des Nobelpreises für Literatur 1977
- Jacinto Benavente, escritor (1866–1954), Dramatiker, Träger des Nobelpreises für Literatur 1922
- Camilo José Cela (1916–2002), Schriftsteller, Träger des Nobelpreises für Literatur 1989
- José Echegaray (1832–1916), Dramatiker, Träger des Nobelpreises für Literatur 1904
- Pío Baroja (1872–1956), Schriftsteller
- Federico García Lorca, (1898–1936), Lyriker, Dramatiker
- Antonio Machado (1875–1939), Lyriker
- Dámaso Alonso (1898–1990), Lyriker, Romanist und Hispanist
- Concepción Arenal (1820–1893), Schriftstellerin und Feministin
- Francisco Ayala (1906–2009), Schriftsteller und Soziologe.
- Gerardo Diego (1896–1987), Schriftsteller
- Torcuato Luca de Tena (1923–1999), Schriftsteller
- Álvaro Pombo (* 1939), Schriftsteller
- Luis Buñuel, (1900–1983), Filmemacher
- Jaime de Armiñán (1927–2024), Filmregisseur
- César Rendueles (* 1975), Soziologe, Hochschullehrer, Essayist
Politiker
- José María Aznar (* 1953), ehemaliger spanischer Ministerpräsident (1996–2004)
- Manuel Azaña y Díaz (1880–1940), Zweiter und letzter Staatspräsident der Zweiten Republik (1936–1939), promovierte 1900 an der Universidad Central.
- María Teresa Fernández de la Vega (* 1949), seit 2004 spanische Vize-Ministerpräsidentin
- Juan Negrín (1891–1956), Politiker, während des Spanischen Bürgerkriegs Ministerpräsident (1937–1939)
- Loyola de Palacio (1950–2006), Ehemalige Vizepräsidentin der EU-Kommission und Kommissarin für Verkehr und Energie (1999–2004)
- Nicolás Salmerón (1838–1908), Professor für Philosophie bzw. Metaphysik, von Juli bis September 1873 Präsident der Ersten Republik in Spanien
- Javier Solana (* 1942), ehemaliger NATO-Generalsekretär (1995–1999) und Generalsekretär des Europäischen Rates und Hoher Vertreter für die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik (seit 1999); ehemaliger Professor für Festkörperphysik
- Pedro Solbes, ehemaliger spanischer Wirtschaftsminister und EU-Kommissar für Wirtschafts- und Währungsangelegenheiten der EU-Kommission Prodi
- Adolfo Suárez (1932–2014), Erster Ministerpräsident nach Ende der Franco-Ära (1976–1981)
- Pablo Iglesias Turrión (* 1978), ehemaliger Generalsekretär der linkssozialistischen Partei Podemos und stellvertretender Ministerpräsident
Andere
- Letizia Ortiz (* 1972), Ehefrau von Felipe von Spanien und ehemalige Fernseh-Moderatorin
- Javier Pradera (1934–2011), Journalist und Verleger, Mitbegründer der Tageszeitung El País
- Pedro Paterno (1857–1911), Rechtsanwalt, Schriftsteller und stellvertretender Premierminister der ersten philippinischen Republik
- José Rizal (1861–1896), Arzt, Schriftsteller und philippinischer Nationalheld
- José Luis Sampedro (1917–2013), Wirtschaftswissenschaftler und Schriftsteller (1955–1969 Lehrstuhlinhaber für Wirtschaftsstruktur)
- Anselm Glücksmann (1913–1999), deutscher Volkswirt und Jurist, Spezialist für Urheberrecht
- Felisa Verdejo (* 1950), Informatikerin und Hochschullehrerin
- Marianela Szymanowski (* 1990), argentinische Fußballspielerin